Verbot von Werkverträgen bei Westfleisch
„Politik hat Maß und Mitte verloren“

Neu-Isenburg/Münster -

Ingmar Rega bringt als langjähriger Topmanager beim Beratungsunternehmen KPMG viel Erfahrung mit. Doch die aktuelle Corona-Krise stellt den seit Jahresbeginn amtierenden Vorstandsvorsitzenden des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen vor viele ungewohnte Aufgaben. 

Sonntag, 07.06.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 07.06.2020, 16:50 Uhr
Ingmar Rega (rechts), Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands, und sein Stellvertreter Siegfried Mehring (links) sind in der Corona-Krise gefordert.
Ingmar Rega (Foto), Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbands, und sein Stellvertreter Siegfried Mehring sind in der Corona-Krise gefordert. Foto: genossenschaftsverband

Von der Gesundheitsvorsorge für die rund 1500 Mitarbeiter eines Verbandes mit drei Sitzen in Neu-Isenburg, Düsseldorf und Hannover bis zur Mitgliederberatung – zeitweise – ohne persönlichen Kontakt reichten in den vergangenen Monaten seine Aufgabenfelder – und weit darüber hinaus. Rega ist Nachfolger von Rolf W. Barkey, der im Dezember angekündigt hatte, das Amt zum Jahresende 2019 aufzugeben, um „sich neuen Aufgaben zuzuwenden“.

Die Beratung und Einflussnahme auf die Politik ist für den Verband in Pandemie-Zeiten noch bedeutender als ohnehin schon. In den meisten der 14 Bundesländer (alle deutschen außer Bayern und Baden-Württemberg), in denen der Verband die Interessen der Genossenschaften vertritt, war ein Vorstandsmitglied in einer Corona-Task-Force involviert. „Eine Sternstunde des Pluralismus“ nennt Rega den intensiven und effizienten Austausch von Politik und Wirtschaft in der Krise im Gespräch mit unserer Zeitung.

Große Herausforderungen

Die Arbeit des Genossenschaftsverbandes, zu der als Kernaufgabe die Betriebsprüfung der Mitgliedsunternehmen zählt, profitiere in der aktuellen Situation von der langjährigen digitalen Verarbeitung von Daten. „Das hat geholfen“, betont Regas Stellvertreter Siegfried Mehring . Rega: „Die Prüfungen konnten daher voll aufrechterhalten werden.“

Vor große personelle Herausforderungen stellt die Corona-Krise die Volks- und Raiffeisenbanken. Wie der gesamte Bankensektor seien auch die Kreditgenossenschaften durch die zeitweisen Einbrüche an den Kapitalmärkten und die Abwicklung der staatlichen Kreditprogramme für die Unternehmen stark beansprucht, weiß Mehring. Kreditausfälle durch die konjunkturelle Talfahrt hielten sich bislang noch in Grenzen. „Aber die Auswirkungen auf den Kreditbereich werden kommen“, betont der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Um Betriebe in der Liquidität zu unterstützen, würden die Volks- und Raiffeisenbanken ihren Kunden vielfach Zins- und Tilgungsaufschübe einräumen.

Kritik übte Vorstandschef Rega am Umgang der Politik mit dem Corona-Ausbruch beim genossenschaftlichen Fleischverarbeiter Westfleisch in Münster: „Beim vollständigen Verbot von Werkverträgen hat die Politik Maß und Mitte verloren.“ Eine klare Überwachung sei aber natürlich nachvollziehbar, räumte Rega ein.

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