Unfertige Masken
Bastel-Sets machen Kitas wütend

Münster/Düsseldorf -

Beate Heeg weiß nicht so recht, ob sie lachen, weinen oder schreien soll. Kartonweise steht beim Verein „Eltern helfen Eltern“ in Münster Maskenmaterial für Kitas herum. Doch die Corona-Schützer müssen erst noch durchbohrt, die Bänder passend geschnitten und die Bögen für die Nase eingebaut werden, bevor die Kindergärten sie einsetzen können. 

Dienstag, 09.06.2020, 18:36 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 18:47 Uhr
Jede Menge Arbeit machen die Bestandteile, aus denen die Kitas eigene Masken basteln sollen.
Jede Menge Arbeit machen die Bestandteile, aus denen die Kitas eigene Masken basteln sollen. Foto: privat

„Da hat bestimmt jemand gedacht: Das können ja die Basteltanten machen, wenn die Kinder im Sandkasten spielen,“ sagt die Fachberaterin des Dachverbands der Elterninitiativen im Münsterland.

„Wir halten es für eine Unverschämtheit und mangelnde Wertschätzung gegenüber Erzieherinnen, diesen Mist jetzt hier zu verteilen.“ Nach einem Bericht der „ Rheinischen Post “ (RP) sieht das der Vorsitzende des NRW Kita-Verbands, Klaus Bremen, ähnlich: „Bei uns ist das als Missachtung angekommen.“

Das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hält dagegen: „Qualitativ entsprechen die Sets medizinischen Gesichtsmasken“, sagt eine Sprecherin. Es hatte zum Corona-Schutz mehrere Millionen OP-Masken an Kindergärten geschickt. Zum Start des Regelbetriebs in den Kitas sollten rund zwei Millionen „gebrauchsfertige“ Masken mit europäischem FFP2-Standard sowie drei Millionen OP-Masken zum Montieren über die Jugendämter an die Kitas ausgeliefert worden seien.

Masken stammen aus Bielefeld

Die Mitarbeiter des Vereins „Eltern helfen Eltern“ gehen davon aus, dass das Zusammenbauen von 60 bis 70 Masken, die für jede Gruppe gedacht sind, sechs Stunden dauern würde – pro Maske etwa fünf Minuten. Darum will der Verein die Bastel-Sets nach Düsseldorf zurückschicken. Die Kitas seien in den meisten Fällen längst mit Masken ausgerüstet. Erzieherinnen sind gehalten, Masken nur beim Wickeln und anderen hygienischen Tätigkeiten zu verwenden. Die einfachen OP-Masken sind vor allem für Besucher und Eltern gedacht, die beim Bringen oder Abholen ihre Masken vergessen haben.

Die Masken stammen der RP zufolge vom Bielefelder Auto-Zulieferer DFA. Das Unternehmen hat bereits mehr als 29 Millionen Schutzmasken an die Landesregierung verkauft, jede zum Preis von 55 Cent. Es sei nicht so schön, dass es sich zum Teil um Bausätze handele, räumt Geschäftsführer Ralf Dopheide ein. Seine ­Firma habe erst vor Monaten die Produktion umgestellt und fertige mittlerweile 4,5 Millionen Exemplare pro Woche. Als er sich Ende März mit der Landesregierung geeinigt habe, sei die Entscheidung für beide Seiten vollkommen in Ordnung gewesen, sagt Dopheide.

Die Essener Feuerwehr hatte bereits Mitte April eine für Pflegeheime bestimmte Lieferung der Schutzmasken als ungeeignet zurückgewiesen.

Die SPD will jetzt einen Bericht im Landtag. Im Familienausschuss (18. Juni) will die SPD auch erfahren, aus welchen Beständen die Masken stammen.

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