Corona-Ausbruch
Lockdown-Ende in Warendorf - Maßnahmen in Gütersloh verlängert

Düsseldorf/Warendorf -

Der Lockdown im Kreis Warendorf endet. Die Erleichterung ist groß – die Nachbarn aus Gütersloh dagegen müssen noch warten.

Montag, 29.06.2020, 16:04 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 18:08 Uhr
Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer
Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer Foto: Noah Wedel via www.imago-images.

Der einwöchige Lockdown für den Kreis Warendorf endet am Dienstagabend. Darauf verständigten sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet , Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und der Warendorfer Landrat Olaf Gericke (alle CDU ). „Es gibt in Warendorf kein Anzeichen dafür, dass das Infektionsgeschehen von den Tönnies-Mitarbeitern auf die allgemeine Bevölkerung übergesprungen ist“, sagte Laschet gestern in Düsseldorf. Der Kreis Gütersloh dagegen muss aufgrund der erhöhten Infektionszahlen in den vergangenen Tagen eine weitere Woche Lockdown ertragen.

Insgesamt wurden im Kreis Warendorf seit dem Ausbruch im Tönnies-Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück 8845 Tests vorgenommen. Nach Angaben von Landrat Gericke liegt die maßgebliche sogenannte Sieben Tage-Inzidenz in der allgemeinen Bevölkerung des Kreises Warendorf bei 5,2. Bezieht man die getesteten und unter Quarantäne stehenden Tönnies-Mitarbeiter vor allem in Oelde, Beckum und Ennigerloh mit in die Wertung ein. liegt die Inzidenz bei 22. Die zwischen Bund und Land für einen Lockdown geltende Grenze liegt bei 50 Infizierten pro 100.000. „Durch unsere Lockdown-Maßnahmen, verbunden mit einer starken Erweiterung der Testkapazitäten ist es uns gelungen, das Infektionsgeschehen einzudämmen und zu lokalisieren“, so Gericke weiter.

Ende der Stigmatisierung gefordert

Anders sieht die Situation im Kreis Gütersloh aus. Dort wurden seit dem Corona-Ausbruch vor zwei Wochen 14212 Tests vorgenommen – zuletzt wurden dabei 112 Menschen positiv auf das Virus getestet. Damit liegt die Inzidenz bei 112. Vor einer Woche lag der Wert dort aber noch bei 270,2. „Wir wissen um unsere Verantwortung und hoffen, nach einer Woche ebenfalls aus dem Lockdown herauszukommen“, sagt der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer nach dem Treffen. Zugleich forderte er das Ende der Stigmatisierung der Menschen aus der Region – sowohl bei Reise-Buchungen als auch bei Fahrten in Nachbarstädten. „Die Menschen hier machen auch das für die Menschen, wo wir aktuell nicht willkommen sind“, so Adenauer.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet erneuerte seine Forderung, in Zukunft Lockdown-Maßnahmen nicht mehr auf Kreis- oder Stadtgebiete zu erstrecken, sondern zu präzisieren.

Reise-Einschränkungen

Hinsichtlich der Reisesituation für Menschen aus dem Kreis Warendorf empfehlen die zuständigen Behörden, sich beim Reisebüro oder beim Anbieter zu erkundigen, ob die Länder oder Bundesländer bestimmte Voraussetzungen noch immer für eine Reise verlangen. Zahlreiche Länder wie Österreich und Dänemark haben allerdings die Einschränkungen für Menschen aus dem Kreis Warendorf oder ganz NRW schon aufgehoben oder gar nicht in Kraft gesetzt. Auch Bayern hatte zuletzt das Attest für Kreise, die unter 50 Infizierte liegen, wieder abgeschafft.   

Was ist im Kreis Gütersloh noch erlaubt?

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  • Im Kreis Gütersloh gibt es angesichts von mehr als 1500 infizierten Arbeitern beim Schlachtbetrieb Tönnies einen regionalen Lockdown. Was bedeutet das für die über 360.000 Menschen, die dort leben?

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  • LOCKDOWN: Die Kontaktbeschränkungen vom März 2020 treten laut der Coronaregionalverordnung ( pdf) um Mitternacht (Mittwoch, 24. Juni 2020) wieder in Kraft. Die Maßnahmen gelten laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bis zum 7. Juli 2020. 

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  • TREFFEN: Diese Beschränkungen schreiben vor, dass sich nur Menschen aus einer Familie oder einem Hausstand in der Öffentlichkeit zusammen aufhalten dürfen. Treffen dürfen sich auch zwei Personen, die weder der Familie angehören noch zusammen leben. Damit sind auch die anderswo wieder erlaubten Feiern mit bis zu 50 Personen bei Anlässen wie Hochzeit, Taufe, Geburtstag verboten, genau wie Schulentlassfeiern.

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  • FREIZEIT: Bis zum 7. Juli sind wieder viele Kulturveranstaltungen sowie Sport in geschlossenen Räumen verboten. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Indoorspielplätze und Schwimmbäder. Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum sind untersagt.

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  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Bars und die Bewirtung an Theken in Gaststätten ist verboten. Restaurants dürfen unter Auflagen geöffnet bleiben. Es dürfen maximal zwei Personen oder alternativ eine Familie an einem Tisch sitzen. 

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  • SCHULEN UND KITAS: Bereits seit dem 17. Juni sind zumindest die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wieder geschlossen. 

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  • FERIEN: Am Freitag ist der letzte Schultag in NRW. Laschet erklärte, der Lockdown bedeute kein Ausreiseverbot in den beginnenden Sommerferien. Er appellierte aber an die Betroffenen, den Kreis nicht zu verlassen. Allerdings hat Bayern ein Beherbergungsverbot für Gäste aus Landkreisen ausgesprochen, in denen die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt. Es sei denn, die Urlauber können einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

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  • QUARANTÄNE: Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mit ihren Familien unter Quarantäne, die auch von der Polizei überwacht wird. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung des Unternehmens.

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  • TESTS: Alle Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh sollen die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen - in speziellen Test-Zentren oder beim Hausarzt. Die Bevölkerung soll durch Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen werden.

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  • GESCHÄFTE: Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer verweist darauf, dass die Einschränkungen weniger umfangreich seien als im März. „Ich bin froh, dass zum Bespiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben dürfen″, sagte Adenauer.  „Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten”, richtete er einen Appell an die Bewohner seines Landkreises, sich an die neuen Regeln zu halten.

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