34-jähriger Mann aus Lengerich vor der Großen Strafkammer angeklagt
„Ich hatte wirklich Angst vor ihm“

Lengerich/Münster -

Vor der neunten Großen Strafkammer des Landgerichts Münster muss sich ein 34-jähriger Lengericher verantworten. Der psychisch kranke Mann soll im vergangenen Jahr unter anderem Mitarbeiter von Geldinstituten, seine Betreuer und andere Personen beleidigt und bedroht haben. Zudem sei er handgreiflich geworden.

Montag, 29.06.2020, 17:52 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 13:14 Uhr
Das Landgericht Münster.
Das Landgericht Münster. Foto: Oliver Werner

Immer wieder einmal rastet der 34-jährige Mirco B. aus. In Lengerich bedrohte der psychisch kranke Mann im vergangenen Jahr unter anderem Mitarbeiter der Sparkasse, der VR Bank, seine Betreuer und andere Personen. Er beleidigte, sprach Morddrohungen aus und wurde auch handgreiflich. Schwer verletzt wurde dabei jedoch niemand.

Wegen elf dieser Taten muss sich Mirco B. jetzt vor der neunten Großen Strafkammer des Landgerichts Münster verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann „aufgrund einer krankhaften seelischen Störung schuldunfähig, aber für die Allgemeinheit gefährlich ist“.

Dem Angeklagten fiel es sichtlich schwer, die Fragen des Vorsitzenden Richters zu beantworten und dem Prozess zu folgen. „Ich bin kein gewalttätiger Mensch“, sagte er beim Auftakt am Montag mehrfach und gab an, sich nicht konkret an die Geschehnisse erinnern zu können.

In der VR Bank hatte er eine Mitarbeiterin angespuckt und gedroht, sie zu töten, weil sie ihn außerhalb der Öffnungszeiten nicht in das Foyer der Bank lassen wollte. Mit einem Kollegen, der der Frau zur Hilfe eilte, kam es zu einer Rangelei. Als Mirco B. Bilder der Überwachungskamera anschaute, fragte er: „So bin ich abgegangen?“, als könne er es selbst kaum glauben.

Der Lengericher hat wegen seiner schizophrenen Psychose zahlreiche Klinikaufenthalte hinter sich. Oft hat er sich freiwillig in den Krankenhäusern gemeldet, wenn er das Gefühl hatte, nicht mehr allein klar zu kommen. Wenn er nicht stationär untergebracht war, lebte er im betreuten Wohnen. Er sei engmaschig betreut worden, was einige Zeit gut funktioniert habe, berichtet eine ehemalige Betreuerin. Eines Tage sei sie allerdings auch vom Angeklagten bedroht worden. „Ich hatte richtig Angst vor Mirco und fühle mich hier im Saal in seiner Gegenwart nicht wohl“, sagte sie.

Schon im Alter von 13 Jahren begann Mirco B. Drogen zu nehmen. Haschisch, Marihuana und vor allem Amphetamine. Auch Heroin und Pilze habe er nach eigenen Angaben „mal ausprobiert“. Dieser Drogenkonsum habe laut der Gutachterin allerdings keinen allzugroßen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Mirco B. sei sehr schwierig zu behandeln. „Selten habe ich so einen desaströsen Verlauf dieser Psychose erlebt“. Mit 17 sei der Mann das erste Mal in einer Klinik gewesen und seitdem eigentlich nie symptomfrei gewesen. Auch bei Klinikaufenthalten habe der Mann mehrfach Aggressionen gezeigt. Mirco B. höre immer wieder Stimmen und fühle sich bedroht. Ein Gespräch mit ihm zu führen, sei schwierig, so die Gutachterin.

Von den Zeugen, die von dem Angeklagten bedroht wurden, wollte der Vorsitzende Richter wissen, ob sie den Eindruck hatten, dass Mirco B. in diesem Augenblick wisse, was er gerade mache. Nein, glaubt ein Bankmitarbeiter, es sei eher so gewesen, als sei in diesem Augenblick bei dem Angeklagten ein Schalter umgelegt worden.

Der Prozess wird am 20. Juli fortgesetzt.

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