Afrikanische Schweinepest in Deutschland
Schweinehalter im Münsterland blicken mit Sorge nach China

Münster -

Auch wenn der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest nicht überraschend kam: Die Bauern gerade im Münsterland müssen dennoch Angst haben, einen ihrer wichtigsten Absatzmärkte zu verlieren. Julia Klöckner versucht, dies zu verhindern.

Freitag, 11.09.2020, 15:45 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 16:24 Uhr
Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV).
Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV). Foto: Gunnar A. Pier

Die Alarmkette funktioniert. Nach dem ersten bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Ost-Brandenburg wandte sich der westfälische Bauernpräsident sofort an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner . „Wir müssen das Augenmerk auf die so genannte Regionalisierung der Vermarkung richten“, sagt Hubertus Beringmeier. „Ansonsten brechen uns die Exportmärkte weg.“

Die jetzt nicht nur vom WLV erhobenen Forderung nach Regionalisierung bedeutet, dass ein Land nach dem Fund eines mit ASP infizierten Tieres nicht gänzlich von einem Exportverbot betroffen wird, sondern dies auf die Region beschränkt wird, in der die Tierseuche nachgewiesen wurde. Ein regionaler Verkaufsstopp wäre gerade für die vielen in Westfalen vertretenen Betriebe wichtig. Grund: Deutschland ist eines der größten Exportländer für Schweinefleisch nach China. Nach Informationen aus Agrarkreisen gibt es bereits Gespräche zwischen dem deutschen Agrarministerium und chinesischen Behörden.

Krisenpläne zur Eindämmung der Schweinepest 

Bisher hat lediglich Südkorea ein Importverbot verhängt. Die Regierung in Peking hatte nach Ausbruch der Schweinepest im eigenen Land Millionen Schweine töten lassen – der Bedarf der Bevölkerung ist aber gewachsen und wird aktuell vor allem durch Lieferungen aus Deutschland gedeckt. Andere Länder wie Brasilien oder die USA könnten die Gelegenheit nutzen, den unliebsamen Konkurrenten vom Agrarmarkt zu verdrängen.

Um so wichtiger ist es, eine mögliche Ausbreitung der ASP über die beiden brandenburgischen Landkreise zu verhindern. „Jetzt gilt es, die vorliegenden Krisenpläne zügig umzusetzen. Insbesondere müssen das Monitoring und die Jagd auf Wildschweine intensiviert werden“, sagt Beringmeier. Auch der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen ruft seine Mitglieder zu besonderer Aufmerksamkeit und zur weiteren intensiven Wildschweinjagd auf. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt Jägerpräsident Ralph Müller-Schallenberg. Niedrige Populationsdichten beim Wildschwein werden als ein zentraler Schlüssel für die Eindämmung der ASP angesehen.

Nach dem Fund des verendeten Wildschweins in Brandenburg gehen die Experten des Versicherers Münchener und Magdeburger Agrar von weiteren infizierten Tieren aus. „Wildschweine leben in Rotten“, sagte Martin Stricker, der Leiter Schaden Tierversicherung des zum Allianz-Konzern gehörenden Unternehmens in München. „Man kann also davon ausgehen, dass die Rotte, zu dem das Tier gehörte, auch infiziert ist.“


Fragen & Antworten 

Wo wurde die Schweinepest jetzt nachgewiesen?

Das Wildschwein wurde im östlichen Brandenburg entdeckt, nur wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Auf der polnischen Seite wurde bereits mehrfach das Virus bei Wildschweinen nachgewiesen. Bisher ist ein Übergreifen auf Deutschland verhindert worden.

Was bedeutet dies für die tierhaltenden Betriebe in Deutschland?

Bisher gilt die Regel, dass nach dem Nachweis eines einzigen Tieres ein Exportstopp verhängt wird. In der EU ist dies nicht mehr die Regel, aber sowohl die USA als auch China könnten nun ein Einfuhrverbot für deutsches Schweinefleisch beschließen. Die Politik bemüht sich, derartige Exportverbote nur auf die Zone zu beschränken, in der ein infiziertes Tier entdeckt worden ist. Ein generelles Verkaufsverbot für deutsches Schweinefleisch würde die vielen tierhaltenden Betriebe in NRW in extreme wirtschaftliche Not stürzten, liegt doch der Exportanteil extrem hoch. Gerade China, das durch die im eigenen Land ausgebrochene ASP besonders auf Importe angewiesen ist, ist ein extrem wichtiger Markt für die deutschen Schweinemäster.

Gibt es eine Gefahr für den Verbraucher?

Eindeutig nein. Die ASP ist für den Menschen völlig ungefährlich.

Was soll man tun, wenn man ein totes Wildschwein entdeckt?

Wildschweinkadaver sollten in jedem Fall dem zuständigen Veterinäramt oder über den Notruf gemeldet werden. Tote Wildschweine, die über die App des Tierfund-Katasters (www.tierfund-kataster.de) gemeldet werden, erreichen direkt das Frie­drich-Loeffler-Institut und gehen von dort an das zuständige Veterinäramt. Kadaver sollten keinesfalls angefasst, sondern lediglich gesichert werden.

Wie lang ist das Virus für Tiere ansteckend?

Sehr lang. Das ASP-Virus überlebt selbst im Schlamm eines Radkastens über 100 Tage – das Verbreitungsrisiko ist entsprechend groß. Ein Transport ist nur in dichten Spezialbehältern sicher. Kleidung, Schuhe und weitere Gegenstände sollten nach Kontakt mit verdächtigen Kadavern desinfiziert werden. Infizierte Haus- und Wildschweine verenden innerhalb weniger Tage.

Wie reagieren die Schlachtbetriebe in NRW?

Bei Deutschlands größtem Schweineschlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hofft man jetzt darauf, dass es der Bundesregierung gelingt, die Exportbeschränkungen in Asien insoweit aufzuheben, dass dieser für die betroffene Region in Deutschland gilt. „Es sei kein guter Tag für uns“, erklärte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Auch sei in Deutschland bisher kein Fall bekannt. Im Inlandgelte es den Markt zu stabilisieren, damit die Preise für Schweinefleisch nicht in den Keller rutschen und weitere bäuerliche Betriebe schließen müssten.

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