Agravis-Chef Köckler
„Schweinepest ist eine schwere Last“

Münster -

Der Preisverfall beim Schweinfleisch trifft die Landwirte schon jetzt hart. Was die Afrikanische Schweinepest mit der Coronakrise gemeinsam hat und welche Maßnahmen die Branche nun von der Politik erwartet, verrät Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender der Agravis Raiffeisen AG.

Mittwoch, 16.09.2020, 21:00 Uhr
Der Agravis-Firmensitz in Münster
Der Agravis-Firmensitz in Münster Foto: Agravis Raiffeisen AG

„Am Ende des Tages ist das Glas halb voll und wir denken in Lösungen.“ Trotz eines herausfordernden Umfelds mit Corona-Krise , einer stetig sinkenden Zahl landwirtschaftlicher Betriebe und vor allem des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland blickt Dirk Köckler , Vorstandsvorsitzender der Agravis Raiffeisen AG, betont hoffnungsvoll in die Zukunft. Mit der Verlagerung des alleinigen formalen Unternehmenssitzes nach Münster – bisher gab es in der Westfalen-Metropole und in Hannover jeweils einen Sitz – hat die in dieser Woche bereits begonnen.

Obwohl die Corona-Krise die Wirtschaft fest im Griff hat , waren die jüngsten Geschäftszahlen ermutigend, die digitale Umstellung der Landwirtschaft verspricht zudem in Zukunft zusätzliche Einnahmequellen. Und sogar zum Thema Nitratbelastung hat Köckler gute Nachrichten zu vermelden: „Durch eine Umstellung der Fütterung mit Sojaersatzprodukten konnten wir in der Schweinehaltung das Gülleaufkommen in den letzten Jahren um 15 Prozent, den Stickstoffgehalt in den Exkrementen um 20 Prozent und den Geruch um ein Drittel reduzieren.“

Verschärfter Wettbewerb führt zu schlechterem Absatz

Dass der Agravis-Vorstand dennoch im Krisenmodus ist, liegt am Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg . Die ersten bestätigten Fälle auf deutschem Boden treffen die Branche hart. „Auch wenn wir uns seit zwei Jahren auf diesen Moment vorbereiten konnten, fühlt es sich sehr schlecht an“, wie Köckler freimütig eingesteht.

Dadurch, dass sowohl zahlreiche asiatische als auch südamerikanische Länder Schweinefleischexporte aus Deutschland vorerst untersagt haben, habe es „brutale Verwerfungen“ bei den Schweinepreisen gegeben. „Wenn die Preise wie jetzt von 1,47 Euro auf 1,27 Euro pro Kilogramm sinken, ist das eine schwere Last für die hiesige Landwirtschaft“, sagt Köckler. Schon jetzt seien die Ferkelpreise ruinös schlecht. „In Hessen und Thüringen verlieren Landwirte bereits reihenweise die Lust an der Schweinehaltung“, warnt er.

Der verschärfte Wettbewerb führe bei ihnen zu einem Abbau der Kapazitäten und bei Agravis in der Konsequenz auch zu einem schlechteren Absatz von Futtermitteln.

Eindämmung der Seuche möglich

Dabei kann die Krankheit zum einen nicht von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Zum anderen habe die Branche mit Hygieneregeln und Sicherheitskonzepten bis in den Privatbereich sehr schnell Maßnahmen ergreifen können. „Daher ist auch die Wahrscheinlichkeit eines Überspringens der Schweinepest von Wild- auf Hausschweine sehr niedrig“, glaubt Köckler.

Es sei nun an der Politik, den Stopp der Schweinefleischimporte nur für betroffene Regionen zu erwirken. Schließlich sei der Fundort der erkrankten Tiere an der polnischen Grenze Hunderte Kilometer von Nordwestdeutschland entfernt. Eine Eindämmung der Seuche hält Köckler für möglich: „Belgien hat es uns vorgemacht.“ Wahrscheinlicher sei es jedoch, dass man mit ihr zu leben lernen müsste. „Ähnlich wie mit Corona.“

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