Studenten initiieren Hilfsprojekt
Boxen für Beirut

Münster -

Beirut ist weit weg – aber Maria Waldorf und Johannes von Wrede gehen die Folgen der Explosionskatastrophe vor zwei Monaten sehr nah: Seit einem ehrenamtlichen Engagement in der libanesischen Hauptstadt haben sie dort viele Freunde. Deshalb gehören die beiden Studenten nun zu den Initiatoren des Hilfsprojekts „Boxes for Beirut“.

Montag, 05.10.2020, 09:00 Uhr
Seit einer verheerenden Explosion am 4. August 2020 liegt das Hafenviertel von Beirut in Schutt und Asche. Johannes von Wrede und Maria Waldorf wollen nun helfen.
Seit einer verheerenden Explosion am 4. August 2020 liegt das Hafenviertel von Beirut in Schutt und Asche. Johannes von Wrede und Maria Waldorf wollen nun helfen. Foto: Gunnar A. Pier

Der 4. August 2020 ist der vielleicht schrecklichste Tag in der Geschichte Beiruts. Eine Explosion unvorstellbaren Ausmaßes legte das Hafenviertel in Schutt und Asche. „Das pulsierende Zentrum ist in die Luft geflogen“, beschreibt es Johannes von Wrede.

Der 25-Jährige kennt das Viertel gut: Vor fünf Jahren verbrachte er zehn Monate in Beirut – als Ehrenamtlicher im Caravan-Projekt des Malteser-Ordens. „Atemberaubende Landschaft, die Offenherzigkeit der Menschen und eine tatsächlich grandiose Gastfreundschaft“ sorgten dafür, dass der Bielefelder sich in das Land verliebte, Freunde fand, Kontakt hält und eigentlich jedes Jahr wieder hinfliegt.

Große Betroffenheit

Genau wie Maria Waldorf , die heute in Münster studiert. „Wo wir gefühlt gestern noch gebruncht haben, ist heute nichts mehr“, beschreibt die 22-Jährige ihre Betroffenheit. Hinzu komme eine Art Trauma, das selbst viele nicht direkt Betroffene im Land erlitten hätten. Dieser herbe Rückschlag nehme vielen vor allem jungen Menschen die Hoffnung, dass sich die Lage im Land einmal zum Guten wendet.

Über 100 Tote nach Explosion in Beirut

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  • Nach einer verheerenden Explosion im Hafen von Beirut gibt es mindestens 100 Tote. Das libanesische Rote Kreuz meldete am Mittwochmorgen zudem etwa 4000 Verletzte.

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  • Die Explosionen hatten am Dienstag Beirut und die umliegenden Gebiete erschüttert.

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  • Teile des Hafens wurden vollständig zerstört.

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  • Ein Soldat spricht nach der Explosion mit einem verletzten Matrosen am Hafen.

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  • Eine Krankenschwester trägt drei Babys aus einem beschädigten Krankenhaus.

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  • Beirut, in dessen Großraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur „Katastrophen-Stadt“ erklärt.

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  • Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr große Menge Ammoniumnitrat.

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  • Schätzungsweise 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Ministerpräsident Hassan Diab dem Präsidialamt zufolge.

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  • Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dient, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Herstellung von Düngemittel.

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  • Bei der Detonation hatte sich eine riesige Pilzwolke am Himmel gebildet.

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  • Eine Druckwelle breitete sich blitzschnell kreisförmig aus.

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  • Noch Kilometer weiter gab es Schäden.

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  • Für Beirut wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

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Einkauf vor Ort

Für die Caravan-Ehemaligen war klar: Sie wollen helfen. Zusammen mit Freunden in Beirut entwickelten sie die Idee der „Boxes for Beirut“: Sie packen Kisten mit Lebensmitteln wie Reis, Hummus, Dosenfleisch und verteilen sie unter Bedürftigen. Zudem gibt es Hygieneboxen und die Idee, beim Wiederaufbau von Häusern zu helfen. Alle Produkte kaufen sie vor Ort, um zugleich den örtlichen Händlern zu helfen.

Dazu sammeln sie in Deutschland Geld. Schnell waren mehr als 30 000 Euro zusammengekommen und fast 1000 Pakete verteilt. „Wir konnten unser Glück kaum fassen“, sagen sie.

Gemeinützigkeit

Aber die hohen Beträge sind auch Verpflichtung, mit dem Geld verantwortungsvoll umzugehen. Inzwischen ist das Projekt als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenquittungen ausstellen. Die Arbeit im Libanon ist gut organisiert mit einem Netzwerk von Ehrenamtlichen, die zudem etwa mit Kirchengemeinden kooperieren. Und ein eigener Internet-Auftritt ist online.

www.boxesforbeirut.com

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