Hugo Kleuter verfolgt die langjährige Wetterentwicklung
Wärmer, sonniger und trockener

Lüdinghausen -

Das Wetter hat Landwirt Hugo Keuter stets im Blick. Vor allem die Regenmengen notiert er immer ganz genau, weil sie für seine Arbeit wichtig sind. Für dieses Jahr ist Keuter zuversichtlich, dass die notwendige durchschnittliche Regenmenge von 700 Litern pro Quadratmeter noch erreicht wird.

Freitag, 16.10.2020, 14:53 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 13:59 Uhr
Hugo Kleuter beherbergt auf seinem Hof in Brochtrup eine Wetterstation des DWD.
Hugo Kleuter beherbergt auf seinem Hof in Brochtrup eine Wetterstation des DWD. Foto: Marion Fenner

„Mit Corona kam auch das Hochdruck-Wetter“, sagt Landwirt Hugo Kleuter . Von Mitte März bis Mitte Juni habe es in der Steverstadt deshalb wenig geregnet. Kleuter verfolgt die Wetterentwicklung ganz genau. Die monatlichen Regenmengen schreibt er seit vielen Jahren auf. Und das nicht nur aus beruflichem Interesse, sondern auch, weil in seinem Garten seit über 20 Jahren eine Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steht.

Zu trocken

In den beiden vergangenen Jahren sei es viel zu trocken gewesen, erklärt der Landwirt. So um die 700 Liter Regen pro Quadratmeter benötige der Boden mindestens, damit etwas gedeiht. Pro Monat also etwa 60 Liter. „2018 hatten wir bei uns nur 460 Liter Niederschlag, 2019 immerhin 660 Liter“, berichtet Kleuter. 2017 habe es im Vergleich dazu 750 Liter pro Quadratmeter geregnet. In diesem Jahr stehen wir aktuell bei rund 530 Litern Niederschlag“, sagt Kleuter. Er ist zuversichtlich, dass die 700er-Marke auf jeden Fall noch erreicht wird.

Ich will nicht klagen, auch wenn allgemein gern behauptet wird, dass Bauern grundsätzlich immer über das Wetter schimpfen.

Hugo Keuter

„Ich will nicht klagen“, sagt Kleuter und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Auch wenn allgemein gern behauptet wird, dass Bauern grundsätzlich immer über das Wetter schimpfen.“ Doch ergänzend müsse er hinzufügen, dass das Frühjahr tatsächlich zu trocken gewesen sei, auch wenn er im Februar 116,4 Liter Regen pro Quadratmeter verzeichnet habe. Eine Bauernregel besage: „Ist der Mai kühl und nass, füllt‘s dem Bauern Scheun‘ und Fass“. Und da sei etwas dran, versichert Kleuter. Bei – wie in diesem Jahr – nur 11,6 Litern Regen im Wonnemonat fehle dem Getreide die nötige Feuchtigkeit für das Wachstum, was sich später auch bei der Ernte bemerkbar mache.

Lehmhaltige Böden

„Das, was ich bemerke, lässt sich aber nicht auf alle landwirtschaftlichen Betriebe übertragen“, betont Kleuter. Zu seinem Hof gehören schwere lehmhaltige Böden, die Feuchtigkeit besser aufnehmen. Für sandige Böden sei der derzeitige Niederschlag nicht ausreichend.

Sorge bereitet Kleuter eher der sinkende Grundwasserspiegel. „Auch wenn wir auf unserem Hof noch genügend Wasser haben, spüren die Bäume, dabei insbesondere die Buchen, den Wassermangel. Zu unserem Hof gehört noch etwas Wald, dort sind die Schäden unübersehbar.“

Hochwasser

Kleuter erinnert sich allerdings auch noch an Zeiten, in denen es mehr als genug Regen gegeben hat. „1998 gab es ein Hochwasser östlich von Lüdinghausen mit so viel Niederschlag, dass der Beverbach vor unserem Hof aus seinem Bett gekommen ist.“ Das kleine Gewässer sei damals etwa zehn Meter breit gewesen.

2020 war für Kleuter in Sachen Wetter weniger extrem als die Vorjahre. Spürbar sei jedoch, dass es immer wärmer werde. Durch die steigenden Temperaturen verdunste die Feuchtigkeit schneller und auch das könne auf Dauer zu einem Problem werden.

Herausragender April

„Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Jahr 2020 bisher wärmer, trockener und sonniger als die Referenzperiode der Jahre 1961 bis 1990 war“, sagt Ortrun Roll vom DWD, die die Ergebnisse der Station Brochtrup ausgewertet hat. In acht der neun vergangenen Monate sei mehr Sonnenschein als durchschnittlich üblich registriert worden, erklärt Roll. Überdurchschnittlich waren laut DWD die Monate März und September mit der 1,5-fachen Menge und der April mit fast der doppelten Anzahl an Sonnenscheinstunden. Nur im Februar zeigte sich die Sonne im Vergleich zum Durchschnitt nur zu 84,8 Prozent am Himmel. In Sachen Temperatur lagen der Mai mit durchschnittlich 12,8 Grad und der Juli (17,4 Grad) nahe am langjährigen Mittelwert.

In jeglicher Hinsicht als herausragend ist laut Roll der April 2020 einzustufen, in dem es deutlich zu warm, sehr trocken und extrem sonnig war.

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