Streit um Saray-Grill: Stadt und Kreis bewerten Gespräch konstruktiv
„Gerüche lassen sich nicht messen“

Warendorf -

Es soll ein „konstruktives Gespräch“ gewesen sein, an dem der Saray-Grill-Betreiber, der Eigentümer der Immobilie in der Laurentiusstraße, die Nachbarn sowie Stadt und Kreis jetzt teilnahmen. Auslöser des Gesprächs, dem mehrere Anzeigen vorangegangen sind: der Holzkohlegrill im „Saray-Grill“ an der Laurentiusstraße. Der Grillgeruch, und die Rauchbelästigung ziehen direkt zu den daneben befindlichen Balkonen und Fenstern der Anlieger. Zudem beklagen die Anlieger, dass der Ventilator für die Küchenabluft und die Zuluft zum Restaurant zu laut und trotz geschlossener Fenster bis spät in die Nacht zu hören sei.

Donnerstag, 22.10.2020, 04:26 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 19:54 Uhr
Imdat Server und sein Holzkohlegrill im Saray-Grill. Die Stadt hat ihm jetzt noch einmal bescheinigt, dass genehmigungsmäßig alles in Ordnung ist. Nachbessern muss er jedoch bei der Küchenabluft und einen Aktiv-Kohle-Filter einbauen. Um die angeblich störenden Geräusche durch den Zuluft-Ventilator zu messen, findet eine Lärmmessung statt.
Imdat Server und sein Holzkohlegrill im Saray-Grill. Die Stadt hat ihm jetzt noch einmal bescheinigt, dass genehmigungsmäßig alles in Ordnung ist. Nachbessern muss er jedoch bei der Küchenabluft und einen Aktiv-Kohle-Filter einbauen. Um die angeblich störenden Geräusche durch den Zuluft-Ventilator zu messen, findet eine Lärmmessung statt. Foto: Joachim Edler

Dem Ordnungsamt der Stadt liegen verschiedene Beschwerden vor. Stein des Anstoßes: der Holzkohlegrill im „Saray-Grill“ an der Lauren­tiusstraße. Der Grillgeruch, und die Rauchbelästigung ziehen direkt zu den daneben befindlichen Balkonen und Fenstern der Anlieger. Zudem beklagen die Anlieger, dass der Ventilator für die Küchenabluft und die Zuluft zum Restaurant zu laut und trotz geschlossener Fenster bis spät in die Nacht zu hören sei. „Es gibt deutliche Interessensgegensätze“, heißt es seitens der Stadt.

Diese auszuräumen galt es beim Gespräch am Montag, zu dem die Stadt eingeladen hatte und an dem unter anderem Grill-Betreiber Imdat Server , Philipp Krakowsky, Eigentümer der Immobilie und Geschäftsführer der Alpha Capital & Real Estate GmbH, Nachbarn sowie der Kreis als Immissionsschutzbehörde teilnahmen. Stadt und Kreis werteten das Gespräch im Nachhinein als „konstruktiv“.

Geruchsprobleme

Erster Beigeordneter Dr. Martin Thormann stellte auf Nachfrage unserer Zeitung erst einmal klar, dass es sowohl eine Baugenehmigung für das Restaurant gibt als auch eine gaststättenrechtliche Erlaubnis. „Es fehlen keine baurechtlich relevanten Unterlagen. Genehmigungsmäßig ist alles in Ordnung.“

Was die Gerüche vom Holzkohlegrill angehen, so Thormann, sei das nicht so einfach. „Gerüche lassen sich nicht messen.“

Ausgang der Gerüche sind zwei Quellen in dem Restaurant. Erstens die Küchenabluft und zweitens der Holzkohlegrill. Was die Küchenabluft angeht, muss der Betreiber nachbessern und nach aktuellem Stand der Technik einen Aktiv-Kohlefilter einbauen. Der Eigentümer der Immobilie habe bereits zugesagt, dafür eine Fachfirma zu beauftragen. Vor Einbau des Filters will die Stadt von einem Sachverständigen gegenchecken lassen, ob der Einbau tatsächlich dem Stand der Technik entspricht.

Genehmigungsmäßig ist alles in Ordnung.

Dr. Martin Thormann

Diesen Stand der Technik (rechtliche Grundlagen des Bundesimmissionsschutzgesetzes) gibt es für den Holzkohlegrill (noch) nicht, so Thormann. Hier gilt es jetzt zu klären, wie hoch die Abluftführung sein muss. Im Klartext: Ist der Edelstahlschornstein mit knapp zehn Metern Höhe hoch genug? Nach Meinung der Experten der Immissionsschutzbehörde des Kreises, so Thormann, sei „das Ding“ hoch genug. Dass der Schornstein nicht mit der Gestaltungssatzung der Altstadt konform sei, sei ein anderes Thema, so der Erste Beigeordnete, und in dem Gespräch nur am Rande erwähnt worden.

Dem Thema „Schornstein“ räumten die Altstadtfreunde auf ihrer Jahreshauptversammlung am Dienstag dann doch einen Tagesordnungspunkt ein. Denn nach ihrer Ansicht nach hätte der Schornstein – so wie er dort steht – gar nicht gebaut werden dürfen. In der Altstadtsatzung sei klar geregelt, dass ein derartiger Schornstein nicht von der Straße aus zu sehen sein darf. Und zweitens, auch nicht – wie hier passiert – über das Hauptdach, sondern auf der Rückseite des Hauses geführt werden muss. In einem Schreiben an das Bauamt der Stadt hätten die Altstadtfreunde gern gewusst, wie es zur Genehmigung des fast zehn Meter hohen Edelstahlschornsteins für den offenen Holzkohlegrill kommen konnte. Sie fragen sich außerdem: Wurde die Denkmalbehörde vor der Baugenehmigung gar nicht gefragt? Eine Antwort haben die Altstadtfreunde noch nicht erhalten.

Der Edelstahl-Schornstein ist ein diskutiertes Thema.

Der Edelstahl-Schornstein ist ein diskutiertes Thema. Foto: Joachim Edler

Thormann zieht Anliegern jedoch den Zahn, gegen den Schornstein klagen zu wollen: „Aus dem Verstoß gegen die Gestaltungssatzung ergibt sich kein Klagerecht.“

Was die angeblich störenden Geräusche durch den Zuluft-Ventilator angeht, so Thormann, habe man sich verständigt, eine Messung durchzuführen. Diese soll ganz transparent im Beisein von Nachbarn und Betreiber stattfinden.

Unbefriedigend bleibt zunächst die Geruchsentwicklung durch den Holzkohlegrill. Thormann: „Da es dafür keine Grenzwerte gibt, ist es schwierig zu sagen: Wie doll darf es riechen?“

Anders sieht es bei der Abluft aus. Und da wäre man wieder bei Frage nach der Höhe des Schornsteins, der – nur am Rande – nicht der Gestaltungssatzung der Stadt entspricht.

Thormann hofft, dass es in Sachen Geruchsentwicklung eine Lösung geben wird, mit der alle Beteiligten leben können. „Damit der nachbarschaftliche Frieden wieder hergestellt ist.“

Voraussichtlich Mitte Dezember soll es ein zweites Gespräch geben.

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