Freundeskreis sucht neues Heim für sein Fahrzeug
Schützenpanzer mit Spaßfaktor

Oelde -

Eine neues Zuhause für einen Panzer zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber genau das hat macht derzeit ein Freundeskreis in Oelde.

Donnerstag, 22.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 19:25 Uhr
Die Panzerfreunde suchen ein neues Heim (v.l.): Thorsten Sobbeke, Frederic Seidel, Sebastian Bröger, Jan Strothenke, Philippe Bals, Thomas Ocklenburg, Niels Schröder, Sven Schluer und Christian Graf.
Die Panzerfreunde suchen ein neues Heim (v.l.): Thorsten Sobbeke, Frederic Seidel, Sebastian Bröger, Jan Strothenke, Philippe Bals, Thomas Ocklenburg, Niels Schröder, Sven Schluer und Christian Graf. Foto: Peter Schniederjürgen

„Skotty“ sucht ein neues Zuhause. Das darf allerdings nicht zu klein sein. Denn der Träger des niedlichen Namens ist ein veritabler Schützenpanzer, mit achtbaren Ausmaßen. Er stammt aus Polen und fand durch die Leidenschaft von ursprünglich sieben jungen Oeldern seinen Weg ins Münsterland. Nun muss aber der Kotten, der den Panzer seit sieben Jahr beheimatet hat, geräumt werden.

Das bedauert nicht nur der mittlerweile auf eineinhalb Dutzend Mitglieder angewachsene Freundeskreis, in dessen Mittelpunkt das Stahlungetüm steht. „Aus einer wirklichen Schnapsidee hervorgegangen, hat sich das für uns zu einer Lebensaufgabe entwickelt“, schmunzelt Sebastian Bröger . Denn „Skotty“ hat für seine Crew immer etwas zu tun. Dazu hat sich die Panzergarage für die Gruppe zum sozialen Mittelpunkt entwickelt.

Immer mit dabei sind die Damen der Gruppe. „Das ist zwar absolut verrückt, aber doch echt liebenswert“, findet Kathrin Resas. Mit ihrer Freundin Corinna Thieman, beide sind Lehrerinnen, unterstützen sie das Projekt nicht nur moralisch. „Wir streichen auch und sorgen mit Kuchen für Stimmung“, ergänzt Corinna Thiemann.

Nicht gerade geräumig der Motorraum des V-Achtdiesels

Nicht gerade geräumig der Motorraum des V-Achtdiesels Foto: Peter Schniederjürgen

Ein wichtiger Aspekt. Denn diese etwas andere Panzertruppe kümmert sich auch um die Nachbarschaft. Sie machten vor Corona Tage der offenen Tür und 2018 und 2019 auch Sommerfeste. Grillen und Bier, Kaffee, Kuchen und Panzerrundfahrten nicht nur für Kinder ließen die Beliebtheit hochschnellen. So startete „Skotty“ beim Sommermärchen der Fußball-WM ebenfalls zum Korso durch Oelde.

Aus einer wirklichen Schnapsidee hervorgegangen, hat sich das für uns zu einer Lebensaufgabe entwickelt.

Sebastian Bröger

Allerdings braucht’s dafür Geduld. Denn bei sechs Stundenkilometern ist wegen der Straßenverkehrsordnung Schluss. „Dann wird das Getriebe verriegelt, sodass es wirklich nicht schneller geht“, erklärt Christian Graf . Was bei ungeduldigen, aber neugierigen Zeitgenossen schon zu brenzligen Situationen führte. „Sie überholen, vergessen dann aber, was sie wollten und fahren langsam nebenher – leider auf der falschen Spur“, grinst Graf. Denn Skotty ist zwar ein Schützenpanzer, doch das kriegerische Image haben die Freunde mit Anbauten und Anstrich weitgehend ausgelöscht. „Wir haben keinen Anspruch auf museale Korrektheit, wir wollen Spaß“, betont Niels Schröder. So stehen vor dem Turm ein großer Generator und zwei ansehnliche Lautsprecherboxen. „Unser ,Skotty’ ist ebenso groß wie laut“, lacht Philipp Haupt. Um dann doch Musik hören zu können, bedarf es mehr Power, als die gar nicht so großen Bordbatterien leisten.

Überhaupt hat es die Technik des alten Kriegers in sich. Da ist eine polnische Betriebsanleitung und sehr rudimentäre Technik. Beides fordert die Kreativität der Gruppe. Denn richtige Panzererfahrung hat keiner. Aber ganz viel Begeisterung. Und die lässt auch unter engsten Bedingungen viel Raum fürs Basteln. „Der Panzer ist groß, aber innen ziemlich eng“, sagt Christian Graf. Nicht nur der Fahrplatz, auch der Zugang zum riesigen V-Achtzylinder-Motor mit elf Litern Hubraum und 170 Pferdestärken. „Zum Glück hatten wir noch keine großen Malaisen, nur die Einspritzpumpe und im Moment das Getriebe machen mal Ärger“, weiß Thoms Ocklenburg.

Musik statt Kanone, die Gruppe will jeden kriegerischen Bezug vermeiden

Musik statt Kanone, die Gruppe will jeden kriegerischen Bezug vermeiden Foto: Peter Schniederjürgen

Das stählerne Ungetüm kam über die Online-Plattform Mobile.de unter „Sonstiges“ an die Gruppe. Mal gucken kostet ja nichts, dachten sich die Freunde und fuhren nach Ennepetal. Dort sprang Skotty recht schnell an und betörte die Gruppe mit seinem urgewaltigen V-Acht-Bollern. Man war sich bald handelseinig, der Preis bleibt jedoch „topsecret“. Mit Hilfe eines Verwandt holten die Freunde das Ungetüm per Tieflader nach Oelde. „Das wäre noch eine spannende Geschichte, denn von solchen Transporten hatte keiner auch nur eine Ahnung“, erinnert sich Graf.

Doch nun droht Skotty und seinen Freunden die Heimatlosigkeit. Sie suchen deshalb dringend eine Halle oder Scheune. Wer einen Tipp hat, der wird gebeten, sich unter  0 17 6 / 64 64 05 63 oder per E-Mail an ch.graf@me.com zu melden.

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