Umfrage zeigt Stimmungseinbruch
Handwerk im Corona-Strudel

Münster -

Lange Zeit schien das Handwerk gegen die Corona-Flaute immun zu sein. Das hat sich vollkommen geändert. Eine Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Münster belegt das jetzt.

Mittwoch, 21.10.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 22:33 Uhr
Im Bauhandwerk ist die Lage vergleichsweise stabil.
Im Bauhandwerk ist die Lage vergleichsweise stabil. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Der Dämpfer für die Handwerkskonjunktur in der Region hat eine historische Dimension: „Derart starke Einbrüche gab es zuletzt in den Jahren 2001 und 2002 nach dem Platzen der Dotcom-Blase“, berichtete die Handwerkskammer Münster am Mittwoch aus den Ergebnissen einer aktuellen Konjunkturumfrage unter 467 Betrieben aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region. Der Präsident der Kammer, Hans Hund , fand drastische Worte, um die schwierige Lage zu beschreiben: „Die Corona-Krise fräst tiefe Spuren in die Handwerkskonjunktur des Kammerbezirks Münster. Die Stimmung der Betriebe hat sich gegenüber dem Boom des Vorjahres deutlich verschlechtert.“ Doch Hund relativierte umgehend: „Im Großen und Ganzen ist die Lage noch positiv.“

Der Grund für den verhaltenen Optimismus des Präsidenten liegt wohl darin begründet, dass die größte Gruppe (47 Prozent) der befragten Handwerksunternehmen ihre Situation nach wie vor mit „gut“ bewertet. Allerdings habe sich dieser Anteil seit dem Herbst 2019 um 15 Prozentpunkte verringert. So steil sei es in den 42 Jahren der Konjunkturaufzeichnungen in der Region bislang noch niemals bergab gegangen, berichtetet die Handwerkskammer. Hund mildert aber ein wenig ab: „Wenngleich die Geschäftslage in den vergangenen Monaten stark absackte, ist die aktuelle Situation ­besser als 2008, auf dem ­Höhepunkt der Finanzkrise“, schöpft der Präsident Hoffnung.

Nur noch wenigen Sparten geht es gut

Doch die aktuelle Lage ist alles andere als rosig: Der Umsatz der Betriebe brach in den vergangenen sechs Monaten drastisch ein, neue Aufträge gibt es weniger. Reichen diese heute im Durchschnitt noch für sieben Wochen, waren es vor Jahresfrist noch 1,7 Wochen mehr. Was die Betriebe belastet, nutzt jedoch den Kunden: Die Zeit, die Verbraucher auf einen Handwerker warten müssen, hat sich entsprechend verkürzt.

Nur noch wenigen Handwerkssparten geht es trotz der Corona-Pandemie recht gut, am besten dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe. Schwere Umsatzverluste und ein dickes Auftragsminus meldet Hund vor allem aus dem Kraftfahrzeuggewerbe, bei den personenbezogenen Dienstleistern und aus dem Nahrungsmittelgewerbe. Die beiden letzteren Gruppen mussten am stärksten Personal abbauen.

Bezogen auf die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie forderte Hund vom Staat „größtmögliche Planungssicherheit“. Gleichzeitig lobte der Kammerpräsident die politisch Verantwortlichen: „Das Handwerk schätzt die Verlängerung und Konditionsverbesserung bei den Hilfsmaßnahmen des Bundes für betroffene Unternehmen bis Jahresende.“ Hund schloss aber eine Forderung an: „Es sieht derzeit so aus, als ob Hilfen noch länger erforderlich sein werden, weil die Pandemie wohl länger dauert.“

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