Weihnachtsgeschäft im Münsterland
„Im stationären Handel geht es massiv bergab“

Münster/Berlin -

Der stationäre Handel tut sich im Kampf gegen den Online-Handel schwer. In Corona-Zeiten verschärft sich die Lage in vielen Branchen – vor allem im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft. Doch es gibt auch Gewinner der Pandemie.

Donnerstag, 05.11.2020, 14:55 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 14:58 Uhr
Weihnachtlich geschmückt werden die Einkaufszentren auch 2020 sein, doch der Kundenansturm dürfte ausbleiben.
Weihnachtlich geschmückt werden die Einkaufszentren auch 2020 sein, doch der Kundenansturm dürfte ausbleiben. Foto: Bernd Wüstneck

Trotz Corona rechnet der Einzelhandel auch in diesem Jahr mit einem florierenden Weihnachtsgeschäft. Insgesamt würden die Verbraucher in den Monaten November und Dezember voraussichtlich rund 104 Milliarden € ausgeben, prognostizierte der Handelsverband Deutschland ( HDE ) am Donnerstag. Das entspräche einem Plus von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Doch Karin Eksen, Geschäftsführerin des Einzelverbands NRW Westfalen/Münsterland in Münster, warnt vor allzu großer Euphorie: „Der Zuwachs ist nur dem extremen Plus im Online-Handel zu verdanken, im stationären Handel geht es massiv bergab.“ Besonders schwierig sei die Lage – nicht nur im Münsterland – bei den Textil-, Leder- und Schuhhändlern. „Bei Textilien ist die Situation wirklich dramatisch“, sah Eksen am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung schwarz.

Die Corona-Gewinner

Doch es gibt auch Gewinner der Corona-Pandemie: Die Verbandsgeschäftsführerin verwies vor allem auf den Fahrradhandel. Zu Weihnachten erwartet Eksen eine Fortsetzung bekannter Trends: „Bücher, Spielwaren, Parfum und Unterhaltungselektronik werden gefragt sein“, prognostiziert die Branchenvertreterin. „Doch auch hier wird immer mehr online bestellt – vor allem Bücher und Produkte der Unterhaltungselektronik.“ Esken fürchtet, dass sich der Weihnachtseinkauf in Corona-Zeiten stark verändert: „Wenn vor Ort gekauft wird, dann ganz gezielt. Einkaufsbummel, bei denen man sich Geschenkanregungen holt, wird es kaum geben.“

Onlinehandel boomt

Auch der HDE betont, dass es für die Händler in den Innenstädten eher düster aussieht. „Die Kunden kaufen auch in der Corona-Krise Geschenke, sie shoppen, aber deutlich mehr online und gehen seltener in die Innenstädte“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Im Onlinehandel erwartet der HDE deshalb im Weihnachtsgeschäft Umsatzsteigerungen um 19 Prozent auf 17,5 Milliarden €. Mit guten Geschäften rechnen demnach auch Möbelhändler, Baumärkte und der Lebensmittelhandel.

Bis zu 50.000 Geschäfte in ihrer Existenz gefährdet

„Der Handel in den Innenstädten darf zwar öffnen, gleichzeitig appelliert die Politik aber an die Kunden, zu Hause zu bleiben. In der Folge können die Geschäfte mit Blick auf extrem sinkende Kundenfrequenzen vielerorts wirtschaftlich nicht mehr überleben“, klagte Genth. Bis zu 50 000 Geschäfte seien in ihrer Existenz gefährdet, bekräftigte er frühere Prognosen.

Einer Umfrage des HDE zufolge rechnen mehr als 80 Prozent der Mode- und Schuhhändler in den Einkaufsstraßen, aber auch rund 60 Prozent der Spielwaren- und Schmuckhändler im November mit deutlichen Umsatzeinbußen durch den „Lockdown light“. Dabei ist der November für das Weihnachtsgeschäft fast genauso wichtig wie der Dezember.

Genth forderte deshalb die Bundesregierung auf, ihr aktuelles Nothilfeprogramm für geschlossene Gastronomie- und Hotelbetriebe auch für Einzelhändler zu öffnen und die Schwelle für den Bezug von Überbrückungshilfen zu senken.

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