Bloß keine schlechten Nachrichten
Bezirksregierung „impft“ Schulleitungen

Münster -

Eltern in Corona-Sorge, Schulen unter Erklärungs-Druck – was ist zu tun? Die Bezirksregierung hat eine Anleitung an Schulleitungen verschickt. Die Bitte: Gute Nachrichten verbreiten – und bloß nicht zu viele Informationen . . .

Mittwoch, 18.11.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 20:02 Uhr
Schüler mit Masken, die Fenster offen. Aber was soll die Schulleitung sagen, wenn es doch eine Infektion gibt?
Schüler mit Masken, die Fenster offen. Aber was soll die Schulleitung sagen, wenn es doch eine Infektion gibt? Foto: Daniel Bockwoldt/dpa (Symbolbild)

Es sind momentan spannende Wochen, vor allem für Familien mit Schulkindern. Das Land will am Präsenzunterricht festhalten, derweil wirbeln Infektionsfälle das Schulleben regelmäßig durcheinander. Eine halbe Schule in Quarantäne? Dazu kann es in Grundschulen leicht kommen, wenn etwa eine Lehrerin oder ein Betreuer aus dem Offenen Ganztag erkrankt.

Die Schulbehörden aber wollen, dass Eltern und Öffentlichkeit gleichwohl ein gutes Gefühl angesichts des Schulbetriebs haben. Das unterstützt ein „Handout“, das die Bezirksregierung in dieser Woche den Schulleitungen hat zukommen lassen. Thema: Die Kommunikationstrategie in der Pandemie. Dort heißt es wörtlich: „Eltern, die in Sorge um ihre Kinder sind, Lokalpolitiker/innen unter Druck und nicht zuletzt Ihre Kolleginnen/en wollen nicht hören, das Sie Zweifel haben – sondern, dass Ihre Schule ein sicherer Ort ist!“

Praxisnahe Tipps der Bezirksregierung

Also schönes Wetter machen, so sehr es auch stürmen mag. Sollten Infektions- oder Quarantänefälle das Schulleben bereits erschüttern, gibt die Bezirksregierung praxisnahe Tipps: „Sie müssen sich nicht dazu erklären, ob eine/n Lehrer/in oder ein/e Schüler/in Auslöser der Maßnahme ist. Wichtig ist: Sie schützen die Übrigen!“ Und weiter: „Machen Sie möglichst gar keine identifizierenden Angaben zu Verdachts- oder Infektionsfällen!“ Es folgen noch Empfehlungen, mit Aussagen positive Aspekte zu unterstreichen. Etwa so: „Eltern können sich darauf verlassen, dass die Sicherheit ihrer Kinder höchste Priorität hat“. Oder: „Das Distanzlernen eröffnet uns neue Möglichkeiten, die wir auch nach der Corona-Pandemie weiterentwickeln sollten.“

Wie kommen solche Weisungen bei Schulleitungen an? Sie wolle ja am Präsenzbetrieb festhalten, beteuert eine Schulleiterin, und erzählt in einem Atemzug von Alltag an ihrer Schule – auch wenn es noch keine Infektions- und Quarantänefälle gibt. Unterrichtstage bei zehn Grad am offenen Fenster, frierende Kinder und Lehrer, genervte Eltern und Kollegen, Pädagogen mit Vorerkrankungen, die sich vor einer Ansteckung sorgen. „Aber schlechte Nachrichten soll ja keiner hören.“

Das regelt das neue Infektionsschutzgesetz

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  • Am Mittwoch wurden Änderungen am Infektionsschutzgesetz beschlossen. Doch was regelt dieses Gesetz überhaupt?

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  • Im Gesetz ist jetzt die Möglichkeit für eine Maskenpflicht verankert.

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  • Auch die Möglichkeit für Kontaktbeschränkungen sind im Infektionsschutzgesetz geregelt.

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  • Ebenso steht in dem Gesetz, wann die Gastronomie geschlossen werden kann.

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  • Ebenso ist die Absage von Veranstaltungen geregelt.

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  • Wann gelten welche Reisebeschränkungen? Auskunft gibt das geänderte Infektionsschutzgesetz.

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  • Wann Schulen und Kitas geschlossen werden, ist ebenfalls geregelt.

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  • Risikogruppen sollen zuerst geimpft werden, aber auch allen anderen - unabhängig von der Krankenkasse - steht die Möglichkeit offen, heißt es in dem Gesetz.

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  • Auch ein mögliches Alkohol-Konsum-Verbot ist verankert.

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  • Alles Maßnahmen dürfen nur zeitlich beschränkt werden und müssen verhältnismäßig sein, heißt es.

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  • Eltern sollen einen Verdienstausfall bekommen, wenn das Kind in Quarantäne muss.

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  • Keinen Verdienstausfall gibt es für Reise-Rückkehrer aus Risikogebieten.

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  • Das Infektionsschutzgesetz schafft immer noch keine komplett einheitliche Regelungen. Die Bundesländer können weiterhin eigene Verordnungen herausgeben.

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