Westfleisch, Tönnies und Co.
Neue Verträge in Schlacht-Betrieben

Münster -

In der Corona-Krise mussten viele Schlachthöfe über Wochen schließen. Die Politik reagierte auf massenhafte Infektionen in der Branche und untersagte Werkverträge. Zum Jahreswechsel reagierten nun die Unternehmen.

Mittwoch, 06.01.2021, 16:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 16:10 Uhr
Auch im Westfleisch-Werk in Coesfeld ist die Stammbelegschaftmit Jahresbeginn gewachsen.
Auch im Westfleisch-Werk in Coesfeld ist die Stammbelegschaft mit Jahresbeginn gewachsen. Foto: n.n.

In der Fleischindustrie hat das seit Jahresanfang geltende Gesetz für bessere Arbeitsbedingungen die Zahl der Festanstellungen in der Branche deutlich erhöht. Die großen Schlachtbetriebe in Deutschland haben ihre Stammbelegschaft stark aufgestockt. Bundesweit sind bei den westfälischen Unternehmen Westfleisch (Münster) und Tönnies (Rheda-Wiedenbrück) sowie bei Vion Deutschland im bayerischen Buchloe insgesamt rund 12 300 Werkarbeiter als Angestellte von Subunternehmen in die Unternehmensbelegschaften gewechselt, wie die Sprecher der Firmen am Mittwoch mitteilten.

Tönnies, Westfleisch und Vion hatten entsprechende Programme im Zuge der Corona-Pandemie bereits im Sommer angekündigt. Nach zahlreichen Infektionen in der Belegschaft war die Fleischbranche im Frühjahr unter Druck geraten. Besonders die hohe Zahl der Werkarbeiter aus Osteuropa, von denen manche in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht waren, hatte Kritik ausgelöst. Die Schlachthöfe wurden zum Teil für Wochen geschlossen, um die Infektionsketten zu unterbrechen.

Die Bundesregierung untersagte daraufhin zum 1. Januar 2021 per Gesetzesänderung den Einsatz von Werkarbeitern im Kerngeschäft der Schlachthöfe im Bereich der Schlachtung und Zerlegung. Ab dem 1. April gilt auch mit Einschränkungen ein Verbot des Einsatzes von Zeitarbeitnehmern. Ausgenommen sind Handwerksbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigen.

Westfleisch mit Sitz in Münster hatte bereits im Juni angekündigt, alle Mitarbeiter direkt einzustellen. Nach der Integration von etwa 3000 Werksarbeitern zum 1. Januar 2021 liegt die Gesamtzahl der Mitarbeiter bei rund 7000, von denen 1200 im Werk in Coesfeld und 200 in der münsterischen Zentrale arbeiten. Hinzu kommen im Münsterland noch 1500 bei der Tochter Westfalenland (Münster). 2019 hatte die Zahl der im Jahresmittel beschäftigten eigenen Mitarbeiter bei 4200 gelegen. Westfleisch betont, man habe bereits seit 2014 sukzessive rund 2000 externe Werkvertragsmitarbeiter direkt angestellt. Westfleisch hat 2019 knapp 2,8 Milliarden € umgesetzt.

Marktführer Tönnies kommt nach eigener Aussage mit den zusätzlich 6000 neu angestellten Menschen auf 12 500 feste Mitarbeiter in Deutschland. Am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück sind 3500 ehemalige Werkarbeiter jetzt in der Stammbelegschaft. Tönnies hat 2019 einen Umsatz mit Fleischprodukten von 7,3 Milliarden € erzielt.

Die Vion-Gruppe, die ihren Hauptsitz in den Niederlanden hat, hat an 16 Standorten in Deutschland zum Jahreswechsel zu der bisherigen Belegschaft von 3000 rund 3300 Mitarbeiter von Subunternehmern fest eingestellt. Weltweit setzte Vion 2019 mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern 5,1 Milliarden € um.

„Bei dem seit dem 1. Januar gültigen Gesetz haben wir nicht den Eindruck, dass es sich um Kosmetik handelt“, sagte Johannes Specht von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. „Wenn die Branche das jetzt nicht verstanden hat, dass sich etwas ändern muss, dann ist denen nicht zu helfen.“

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