Verärgerte Reaktionen in Sozialem Netzwerk
Angedrohte Kündigung bei Corona-Impfung: Facebook-Post sorgt für Empörung

Lengerich -

Mitarbeitern, die sich gegen Corona impfen lassen, werden fristlos gekündigt. Mit diesem Facebook-Eintrag hat Uwe Mentrup einen Riesenwirbel ausgelöst. Die Aussage ist in Übereinstimmung mit seinem siebenköpfigen Team getroffen worden, betont er am Montag in einem Pressegespräch. Ziel sei es gewesen, Aufmerksamkeit zu erregen. [Mit Video]

Dienstag, 19.01.2021, 21:55 Uhr
Der Firmensitz des Unternehmens Mentrup Bedachung & Holzbau in Lengerich.
Der Firmensitz des Unternehmens Mentrup Bedachung & Holzbau in Lengerich. Foto: Michael Baar

Zurückgenommen habe er im Grunde gar nichts. Sagt Uwe Mentrup am Montag und bezieht sich damit auf seinen Facebook-Eintrag von Freitagnachmittag. „Sollte sich ein Mitarbeiter unseres Unternehmens impfen lassen, wird umgehend die fristlose Kündigung ausgesprochen!“, hatte der Inhaber des gleichnamigen Bedachung & Holzbau-Unternehmens verkündet. Das sei einvernehmlich mit allen Mitarbeitern – sieben an der Zahl – besprochen worden, erklärt er Montag. Eine gute halbe Stunde später löscht er den Eintrag von seiner Facebook-Seite.

Wir wollen Aufmerksamkeit erregen.

Uwe Mentrup

„Wir wollen Aufmerksamkeit erregen“, sagt er. Ihm gehe es um seine Mitarbeiter. Die seien nicht mehr ausgeglichen, weil sie nur noch arbeiten könnten. Freizeitaktivitäten fehlten, hinzu käme Angst um ihre Familien. Angehörige würden in der Pflege arbeiten und hätten Angst vor der Corona-Impfung. Die solle, das setzt er immer wieder voraus, „obwohl unerprobt“ zwangsweise durchgeführt werden.

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Uwe Mentrup an seinem Schreibtisch während eines Pressegesprächs am Montagmorgen. Foto: Michael Baar

Und auch die Maskenpflicht kommt bei Uwe Mentrup nicht gut weg. „Wir sind ein zertifizierter Betrieb für Asbest-Entsorgung“, verweist er auf die dafür einzuhaltenden Sicherheitsvorgaben: Schutzbekleidung inklusive FFP2-Maske. Nach 70 Minuten – so genau hat er die Zahl nicht im Kopf – müsse eine halbe Stunde Pause gemacht werden. Anschließend sei eine komplett neue Schutzbekleidung anzulegen.

Es gibt nichts Besseres als frische Luft. So ein Papierfetzen im Gesicht ist viel gefährlicher.

Uwe Mentrup

„Wir sind dafür geschult, solche Masken zu tragen“, verweist er auf die einschlägigen Vorgaben. Dass Senioren FFP2-Masken tragen sollen, ohne Schulung, hält er für einen schlechten Witz. Zumal, davon ist der 52-Jährige überzeugt, die älteren Menschen diese Masken bestimmt über längere Zeit, mehrere Tage, tragen würden. „Wir verbrauchen fünf bis sechs Stück am Tag, wenn wir mit Asbest arbeiten.“

„Es gibt nichts Besseres als frische Luft“, stellt er fest. „So ein Papierfetzen im Gesicht ist viel gefährlicher“, schiebt er hinterher. Maskenpflicht in seiner Firma? Sowohl Chef wie Mitarbeiter tragen an diesem Morgen keine Mund-Nasen-Bedeckung. Auf dem Bau ist keiner, das Wetter lässt es nicht zu.

Dass durch das Impfen gegen das Coronavirus der Weg zurück in die Normalität schneller zurückgelegt werden kann, hält er für ein Gerücht. „Freizeitaktivitäten wird es weiter nicht geben“, ist er überzeugt. Und dann bekommen die Medien eine Breitseite ab. Die würden nicht richtig informieren, der Regierung folgen. Statistiken des Robert-koch-Instituts (RKI), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) traut er nicht. Dem Virologen Dr. Christian Drosten „glaube ich kein Wort, ich bezweifle sogar, dass sein Doktortitel echt ist“.

Es wird, glaubt man Uwe Mentrup, zu viel falsch gemacht. Die Grippe habe man in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ohne Impfung überlebt. „Die Grippe-Toten wurden ignoriert, Virus ist Virus“, macht er aus seiner Meinung keinen Hehl.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Zweifel an der Arbeit der Medien

Den Medien traut er nicht. Dass die Kliniken mit Corona-Patienten voll seien, stimme nicht. Da müssten sich die Medien „ein bisschen informieren“. Das tue er, täglich, geht aber nicht auf seine Quellen ein. Auch wenn seine Firma durch Corona keine Einbußen hinnehmen musste, befürchtet er, dass auf Dauer vielen Handwerksbetrieben die Insolvenz droht. „Nur wer folgsam ist, wird überleben, weil er Aufträge von der öffentlichen Hand erhält.“ Davon ist er überzeugt und „will jetzt was tun“ und keine Marionette der Regierung sein. „Die sieht nur die Pharmaindustrie, nicht die Menschen“, behauptet er. Dabei müsse Menschlichkeit wieder einkehren.

„Ich bin kein Querdenker, ich bin ein Denker“, sagt er mit dem Brustton der Überzeugung. Ob er deshalb glaubt, dass die Überlebensrate ohne Impfung möglicherweise höher wäre als mit? Die Corona-Toten seien im Durchschnitt 82 Jahre alt, das durchschnittliche Sterbealter in Deutschland liege aber bei 81 Jahren, macht er seine eigene Rechnung auf.

Nach Angaben der Datenplattform statista waren 80 Prozent der Corona-Toten 70 Jahre und älter. Der Anteil der über 80-Jährigen an den Todeszahlen beträgt 69,4 Prozent.

Auf den wieder gelöschten Facebook-Post gab es über 5000 Kommentare, mehr als 600 Mal wurde der Eintrag geteilt. Zudem gab es 3975 Reaktionen (Stand 18.1.).

Kommentar: Ein ganz eigenes Weltbild

Aufmerksamkeit erregen – dieses Ziel hat Uwe Mentrup mit seinem Facebook-Eintrag und der plakativen Botschaft – wer sich gegen Corona impfen lässt, erhält die fristlose Kündigung – erreicht. Doch was steckt hinter diesem Post?
Den in der Pflege Tätigen Mut machen, mit diesem Anliegen steht er nicht allein. Doch dann driftet er ab in eine Welt, die er sich zusammengezimmert hat. In der Virus gleich Virus ist und Corona, Grippe und Herpes in einen Topf geworfen werden.
Ähnlich beim Thema Maskenpflicht. Bei Arbeiten mit Asbest schützen die FFP2-Masken die Atemwege vor dem Eindringen der winzig kleinen Staubpartikel. Dass da regelmäßig gewechselt werden muss, weil die Poren der Masken verstopfen, sollte er wissen.
Zu denken gibt, dass der 52-Jährige mehrfach darauf abhebt, dass keine Freizeitaktivitäten möglich sind wie Sport oder Feiern. Damit steht er nicht allein, dass trifft die ganze Gesellschaft und muss akzeptiert werden – zum Wohl aller.
Ob der Chef mit seinem Team auch beim strikten Nein zu Impfungen bleibt, wenn es für Geimpfte Lockerungen gibt? Zweifel daran hat Uwe Mentrup mit seinem Auftritt am Montag genährt. (Michael Baar)

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