Erwerbslosigkeit steigt im Münsterland saisonüblich
Der Winter erreicht den Arbeitsmarkt

Münster/Nürnberg -

Deutschlandweit, in NRW, aber auch im Münsterland sind die Arbeitslosenzahlen gestiegen. Doch ist der Trend kaum eine Folge des aktuellen Corona-Lockdowns. Vielmehr hat der Winter seine im Januar üblichen Spuren in der Erwerbslosenstatistik hinterlassen.

Samstag, 30.01.2021, 14:06 Uhr aktualisiert: 30.01.2021, 14:11 Uhr
Bislang ist die Beschäftigungslage in Deutschland trotz der allgemeinen Konjunkturflaute stabil.
Bislang ist die Beschäftigungslage in Deutschland trotz der allgemeinen Konjunkturflaute stabil. Foto: dpa

Im Münsterland kletterte die Zahl der Erwerbslosen im ersten Monat des neuen Jahres um 2523 auf 41 909. Wie die Arbeitsagenturen am Freitag weiter berichteten, kletterte die Arbeitslosenquote von 4,2 im Vormonat auf nunmehr 4,5 Prozent. Vor einem Jahr hatte diese Quote noch bei lediglich vier Prozent gelegen.

In allen drei münsterländischen Bezirken der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Münsterland war der Quotenanstieg spürbar: So erhöhte sich die Arbeitslosenquote in Ahlen-Münster um 0,3 Prozentpunkte auf nun 5,2 Prozent. Die Agentur für Arbeit Coesfeld verzeichnete einen Anstieg um 0,3 Prozentpunkte – auf immer noch extrem niedrige 3,8 Prozent. Etwas milder fiel der Anstieg im Bezirk Rheine aus. Hier ist die Quote um 0,2 Prozentpunkte auf nun 4,5 Prozent geklettert.

Gleichzeitig sank – wie im Winter üblich – die Stellennachfrage: Bei den Arbeitsagenturen im Münsterland suchten im Januar die Unternehmen und Verwaltungen für 2 396 neue freie Stellen Personal. Das waren 501 weniger als noch im Dezember und 87 weniger als im Januar 2020. Insgesamt seien damit bei den Arbeitsagenturen 13 145 freie Stellen gemeldet. Davon seien 12 056 unbefristet, hieß es.

Auch in ganz Nordrhein-Westfalen hat sich der Arbeitsmarkt saisonüblich entwickelt. Mit 768 512 Personen waren 34 128 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat. Dieser Anstieg entspreche dem langjährigen Schnitt im Januar, sagte der Chef der BA-Regionaldirektion NRW, Torsten Withake.

Kommentar: Doppelter Effekt

Am Arbeitsmarkt schlägt die pandemiebedingt lahmende Konjunktur bisher kaum durch. Zu danken ist diese erfreuliche Entwicklung der Politik und den Betrieben. Der Staat hat mit der Ausweitung der Kurzarbeitsmöglichkeiten den Unternehmen die Möglichkeit geschaffen, ihre Mitarbeiter auch bei wegbrechenden Umsätzen an Bord zu halten.

Das funktioniert aber nur dann, wenn die Firmen diese Chance auch nutzen. Und das haben sie ohne Zweifel getan. Dabei spielt neben der Kurzarbeitshilfe wohl ebenso die Vorausschau eine entscheidende Rolle. Seit Jahren klagen Unternehmen – vor allem in der Industrie und im Handwerk – über zu wenig nachwachsende Fachkräfte. Deshalb wäre es äußerst fahrlässig, sich in der aktuellen Konjunkturdelle zu vorschnellen Entlassungen verleiten zu lassen. Diese Weitsicht dürfte sich schon bald auszahlen. (Jürgen Stilling)

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Bundesweit ist die Zahl der Arbeitslosen um 193 000 auf 2,901 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich damit im Januar um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. Wenig erfreulich: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland wird laut BA-Chef Detlef Scheele im Februar erstmals seit fünf Jahren die Zahl von einer Million übersteigen.

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