Überblick
Wahlabend mit Überraschungen

Münsterland -

In 37 Städten des Münsterlandes wurden am Sonntag die Verwaltungschefs neu gewählt. Dabei gab es faustdicke Überraschungen und Denkzettel für Favoriten. Einige zentrale Ergebnisse.

Montag, 14.09.2015, 07:09 Uhr

Punkt 18 Uhr schlossen die Wahllokale, dann ging es – wie hier in Münster – in 37 Städten des Münsterlandes ans Auszählen der Stimmen.
Punkt 18 Uhr schlossen die Wahllokale, dann ging es – wie hier in Münster – in 37 Städten des Münsterlandes ans Auszählen der Stimmen. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach einem spannenden Wahlabend ist die politische Landkarte im Münsterland neu sortiert. Es gab  Pauken- und Wimpernschläge, aber auch einen Wermutstropfen , schreibt Norbert Tiemann in seinem Kommentar zur Wahl .



Legende: Blau (CDU), Rot (SPD), Grün (Bündnis 90/Die Grünen), Gelb (FDP), Pink (Die Linke), Orange (parteilos), Violett (Stichwahl)

Ein Blick auf ausgewählte Entscheidungen vom Sonntagabend:

Im ersten Wahlgang

Münster. Zwei Stimmbezirke fehlen noch, als die „ Markus , Markus“-Rufe das Rathaus erbeben lassen. Kurz vor 20 Uhr steht fest, dass Markus Lewe Münsters Oberbürgermeister bleibt . „Ein schönes Vertrauenssignal“, sagt er zu den 50,59 Prozent der Wählerstimmen. „Ich nehme die Herausforderung an.“ Und die ist mit Blick auf die Flüchtlingszahlen, fehlenden Wohnraum und die wackelige Haushaltslage groß. SPD-Kandidat Jochen Köhnke zeigt sich enttäuscht – auch über die niedrige Wahlbeteiligung von 45 Prozent. „Das ist eine Folge der Entpolitisierung des Wahlkampfes.“ Die grüne Kandidatin Maria Klein-Schmeink meint, Lewe hat mehr auf die Person als auf Sachthemen gesetzt.

Bürgermeister- und Landratswahlen 2015: Gewinner im Münsterland

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  • In Ahlen setzte sich bei der Stichwahl am Ende Dr. Alexander Berger knapp gegen Ulla Woltering durch.

    Foto: gös
  • Geschlagen geben musste sich in Laer Amtsinhaber Detlev Prange (l.). Dort regiert künftig Peter Maier (r.).

    Foto: abi
  • In Lengerich freute sich Wilhelm Möhrke mit seiner Ehefrau Nadine über den deutlichen Sieg.

    Foto: mba
  • In Billerbeck gewann Marion Dirks – und bleibt im Amt.

    Foto: sdi
  • Gewinner der Landratswahl im Kreis Steinfurt: Dr. Klaus Effing (M., CDU) mit seinen Eltern.

    Foto: Achim Giersberg
  • Gewinner der Oberbürgermeister-Wahl in Münster: Markus Lewe (CDU)

    Foto: dpa
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Warendorf: Axel Linke (r., Kandidat von CDU und FDP)

    Foto: Joachim Edler
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Bocholt: Peter Nebelo (SPD)

    Foto: Betz
  • Gewinnerin der Bürgermeister-Wahl in Borken: Mechthild Schulze Hessing (CDU)

    Foto: Sven Kauffelt
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Heiden: Hans-Jürgen Benson (SPD)

    Foto: Pressedienst
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Legden: Friedhelm Kleweken (CDU)

    Foto: Gemeinde Legden
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Reken: Manuel Deitert (CDU)

    Foto: Liebetanz
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Schöppingen: Franz-Josef Franzbach (l., Kandidat von CDU und UWG)

    Foto: Anne Alichmann
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Coesfeld: Heinz Öhmann (CDU)

    Foto: Hartwig Heuermann
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Havixbeck: Klaus Gromöller (2. v. l., parteilos)

    Foto: Klaus de Carné
  • Gewinnerin der Bürgermeister-Wahl in Nottuln: Manuela Mahnke (l., Kandidatin von SPD, UBG, Grüne und FDP)

    Foto: Dieter Klein
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Olfen: Wilhelm Sendermann (CDU)

    Foto: Foto Münch
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Senden: Sebastian Täger (l., parteilos, angetreten für die CDU)

    Foto: Dietrich Harhues
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Emsdetten: Georg Moenikes (CDU)

    Foto: Stadt Emsdetten
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Lienen: Arne Strietelmeier (l., parteilos)

    Foto: Wilhelm Schmitte
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Saerbeck: Wilfried Roos (l., parteilos)

    Foto: Alfred Riese
  • Gewinnerin der Bürgermeister-Wahl in Steinfurt: Claudia Bögel-Heuer (FDP)

    Foto: Dirk Drunkenmölle
  • Gewinner der Bürgermeister-Wahl in Tecklenburg: Stefan Streit (r., SPD)

    Foto: Ruth Jacobus

Einer gegen alle

Havixbeck. Mit deutlicher Mehrheit von 58,61 Prozent hat sich der Havixbecker Bürgermeister Klaus Gromöller gegen die Kandidatin Katja Venghaus durchgesetzt. Die vier im Gemeinderat vertretenden Parteien hatten Gromöller die Zusammenarbeit Anfang des Jahres gekündigt. Dass sie heute mit ihrem Vorhaben gescheitert sind, ist für CDU , SPD , Grüne und FDP eine bittere Niederlage.

n Havixbeck setzt sich Klaus Gromöller (2.v.l.) gegen seine Herausforderin Katja Venghaus (2.v.r.) durch.

n Havixbeck setzt sich Klaus Gromöller (2.v.l.) gegen seine Herausforderin Katja Venghaus (2.v.r.) durch. Foto: Klaus de Carné

Knapper CDU-Sieg

Live-Ticker

Alles zu den Bürgermeister- und Landratswahlen im Münsterland finden Sie in unserem Live-Ticker vom Wahlabend .

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Lüdinghausen. Knapper hätte es kaum sein können in Lüdinghausen. Amtsinhaber Richard Borgmann (CDU) setzte sich im Finish – den Ausschlag gaben nicht zuletzt die vier Briefwahlbezirke – mit 52,3 Prozent ge­gen seine parteilose Gegenkandidatin Doris Krüger durch. Diese war von SPD, Grünen und UWG ins Rennen geschickt worden, während Richard Borgmann auf die Unterstützung der CDU zählen konnte. Der Wahlsieger sagte nach dem harten Wahlkampf, er wolle „die Stadt wieder einen“.

In Lüdinghausen (unten links) erhält Richard Borgmann (r.) einen Siegerstrauß.

In Lüdinghausen (unten links) erhält Richard Borgmann (r.) einen Siegerstrauß. Foto: Werner Storksberger

Erdrutschsieg für SPD-Frau

Dülmen. Dass es schwer werden würde für den CDU-Herausforderer und Stadtbaurat Clemens A. Leushacke, gegen Dülmens amtierende Bürgermeisterin Lisa Stremlau viele Stimmen zu holen, das hatten alle erwartet. Trotz absoluter Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und traditioneller CDU-Hochburgen in den Ortsteilen und Bauerschaften. Dass ein CDU-Kandidat allerdings nicht einmal 30 Prozent der Stimmen im konservativen Dülmen auf sich vereinigen kann, das muss als Erdrutschsieg für die Amtsinhaberin verbucht werden: 71,2 Prozent stimmten für Stremlau, die zwar ein SPD-Parteibuch hat, sich aber seit ihrer Wahl im Jahre 2009 als unabhängige Bürgermeisterin aller Dülmener profilieren konnte. Kein einziger Wahlbezirk ging an die CDU.

Lisa Stremlau freut sich mit ihrem Sohn und ihrem Enkel über ihre Wiederwahl.

Lisa Stremlau freut sich mit ihrem Sohn und ihrem Enkel über ihre Wiederwahl. Foto: Kristina Kerstan

Deutlicher Sieg gegen „Allianz“

Coesfeld. Es gibt anhaltenden Beifall, als Heinz Öhmann (CDU) mit seiner Frau Friederike in den Sitzungssaal des Coesfelder Rathauses kommt. Er hat es erneut geschafft, und zwar deutlich: 64,5 Prozent holte der 59-Jährige, der bereits seit 2003 als Bürgermeister im Chefsessel des Rathauses Coesfeld sitzt. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt er. Herausforderer Rainer Lagemann (Grüne) kam auf 35,5 Prozent. „Schade, ich wäre es gerne geworden.“ Er habe viele positive Rückmeldungen bekommen und bis zum Schluss gehofft. Unterstützt wurde der in Emsdetten geborene Lagemann von Pro Coesfeld, SPD, Grüne, Aktiv für Coesfeld und Familienpartei, die sich zu einer „Allianz“ zusammengeschlossen haben.

Beifall für Heinz Öhmann, als er mit seiner Frau Friederike ins Rathaus kommt.

Beifall für Heinz Öhmann, als er mit seiner Frau Friederike ins Rathaus kommt. Foto: Viola ter Horst

Denkzettel nach „Schaukasten-Affäre“

Laer. Denkzettel für Bürgermeister Detlev Prange: Nach der „Schaukasten-Affäre“, in deren Folge zahlreiche Ratsbeschlüsse – wie berichtet – wiederholt werden mussten, muss der parteilose Amtsinhaber jetzt um seine Wiederwahl bangen. Gestern Abend kam er nur auf 29,9 Prozent aller Stimmen und muss sich in 14 Tagen einer Stichwahl stellen. Knapp vor ihm landete einer von gleich vier Herausforderern: Bauingenieur Peter Maier aus Bayern, Kandidat von SPD und FDP, holte 30,8 Prozent. Prange selbst erschien gestern nicht im Rathaus.

Herausforderer Peter Maier (l.) zwingt Amtsinhaber Prange in die Stichwahl.

Herausforderer Peter Maier (l.) zwingt Amtsinhaber Prange in die Stichwahl. Foto: Sabine Niestert

Vierte Amtszeit für Moenikes

Emsdetten. In Emsdetten setzte sich der Amtsinhaber klar durch: Georg Moenikes (CDU) bleibt mit 59,1 Prozent der Stimmen Bürgermeister und geht damit in seine vierte Amtszeit. Seine Herausforderin Marita Haude (SPD) erzielte 40,9 Prozent der Stimmen und verbesserte damit ihr Ergebnis um fast vier Prozentpunkte. Schon 2009 war die Emsdettenerin für die Sozialdemokraten angetreten, hatte seinerzeit aus dem Stand 37 Prozent geholt. Bei vergangenen Wahlen hat Emsdetten stets mit hohen Wahlbeteiligungen geglänzt – am Sonntag ging nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten zur Stimmabgabe. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,9 Prozent.

Marita Haude (SPD) gratuliert Amtsinhaber Georg Moenikes (CDU) zum Wahlsieg.

Marita Haude (SPD) gratuliert Amtsinhaber Georg Moenikes (CDU) zum Wahlsieg. Foto: Foto: Bernd Oberheim

SPD bleibt an der Macht

Ibbenbüren. In Ibbenbüren stellt die SPD weiterhin den Mann an der Rathausspitze. Der 40-jährige Rechtsanwalt Dr. Marc Schrameyer tritt die Nachfolge von Bürgermeister Heinz Steingröver an, der nach zwei Wahlperioden in den Ruhestand geht. Schrameyer erhielt 52,1 Prozent und setzte sich damit gegen den CDU-Kandidaten Christian Moll (38,6 Prozent) und Ernst Goldbeck (Die Linke, 9,3 Prozent) durch. Beim obligatorischen Händedruck sprachen alle drei Kandidaten von einem fairen Wahlkampf.

Satte Mehrheit

Rheine. Mit einer satten Mehrheit von 76 Prozent der Stimmen wählten die Rheinenser den derzeitigen Sozialdezernenten der Kreisverwaltung Steinfurt, Dr. Peter Lüttmann, zum neuen Bürgermeister. Der parteilose Jurist war von CDU und Grünen nominiert worden. Der gebürtige Rheinenser tritt die Nachfolge von Angelika Kordfelder (SPD) an, die nicht ein drittes Mal kandidieren wollte. Die beiden parteilosen Konkurrenten Lüttmanns kamen auf 13,9 und zehn Prozent.

Liberale Überraschung

Steinfurt. Sie ist schon in Steinfurt zur Schule gegangen, jetzt wird sie für mindestens sechs Jahre ins Chefbüro des Rathauses einziehen: Die ehemalige FDP-Ratsfrau und Bundestagsabgeordnete Claudia Bögel-Hoyer landete am Abend einen Überraschungscoup und setzte sich mit 55,4 Prozent gegen den parteilosen Amtsinhaber Andreas Hoge durch. Im Wahlkampf punktete Bögel-Hoyer mit großer Bürgernähe und Heimatverbundenheit. Hoge war 2004 erstmals zum Bürgermeister gewählt worden.

Claudia Bögel-Hoyer nimmt in Steinfurt die Glückwünsche von ihrem Parteikollege und FDP-Fraktionschef Günther Hilgemann entgegen.

Claudia Bögel-Hoyer nimmt in Steinfurt die Glückwünsche von ihrem Parteikollege und FDP-Fraktionschef Günther Hilgemann entgegen. Foto: Dirk Drunkenmölle

Knapp an der Sensation vorbei

Everswinkel. Knapp an der Sensation vorbei lief die Bürgermeisterwahl in Everswinkel. Nur 62 Stimmen liegt CDU-Kandidat Sebastian Seidel (50,7 Prozent) vor Karsten Fögeling (49,3 Prozent). Dabei war der parteilose Fögeling (27) erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist angetreten – als er in der Zeitung las, dass es keinen Gegenbewerber gab.

Karsten Fögeling (l.) gratuliert Everswinkels neuem Bürgermeister Sebastian Seidel.

Karsten Fögeling (l.) gratuliert Everswinkels neuem Bürgermeister Sebastian Seidel. Foto: Klaus Meyer

Dreifachsieg für CDU

Kreis Warendorf. So enden die Bürgermeisterwahlen im Kreis Warendorf mit einem Dreifachsieg für die CDU: neben Everswinkel auch in Warendorf und Beckum. In Warendorf liegt Axel Linke, der für CDU und FDP antrat, mit 56,9 Prozent klar vor Andreas Hornung (43,1 Prozent), der für SPD, Grüne und FWG kandidierte. In Beckum siegt Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann (CDU) mit 58,1 Prozent vor SPD-Herausforderer Dr. Rudolf Grothues (41,9 Prozent). „Das war grandios“, freute sich Strothmann, denn er gewann noch vier Prozentpunkte dazu. Grothues führt seine Verluste auf die geringe Wahlbeteiligung zurück, (40 Prozent). Mit 56,7 Prozent hatte Everswinkel eine relativ hohe Wahlbeteiligung.

Spannende Stichwahl

Ahlen. In Ahlen wird es eine Stichwahl geben. Aber auch hier schlägt sich Dr. Alexander Berger, Kandidat von CDU und FDP, überraschend gut. Er liegt mit 47,7 Prozent vor Ulla Woltering (44,8 Prozent), die für SPD, Grüne und Linke antrat. Der parteilose Kandidat Rainer Giesecke kommt auf 7,5 Prozent. Er empfiehlt seinen Wählern, bei der Stichwahl für Woltering zu votieren.

Faustdicke Überraschung

Kreis Borken. Sechs neue Amtsinhaber, zwei altbekannte Gesichter und eine Stichwahl: Im Kreis Borken haben die Bürger in neun Kommunen ihren Bürgermeister gewählt. Die größte Sensation gab es in Heiden, wo sich Hans-Jürgen Benson (SPD) mit 52,5 Prozent gegen Amtsinhaber Heiner Buß (parteilos) durchsetzte. In Legden (Friedhelm Kleweken, CDU, 57 Prozent) und Bocholt (Peter Nebelo, SPD, 52,4) verwiesen die beiden weiteren angetretenen Amtsinhaber ihre Herausforderer auf Platz zwei.

Deutlichster Sieger bei den Wahlen im Kreis Borken war mit 87,7 Prozent Franz-Josef Franzbach, der in Schöppingen mit Unterstützung von CDU und UWG angetreten war. Er war zuvor Kämmerer der Gemeinde. Mehr als deutlich war auch der Vorsprung von Thomas Kerkhoff (CDU) in Gescher, der 71,8 Prozent bekam. Mechtild Schulze Hessing (CDU) in Borken, die bisherige Erste Beigeordnete und Stadtkämmerin, kam auf 67,8 Prozent. In Reken stellt die CDU wie bisher den Bürgermeister. Für Heiner Seier kommt Manuel Deitert. Der bisherige Kämmerer holte 66,2 Prozent. In Rhede, wo der bisherige grüne Bürgermeister Lothar Mittag nicht mehr antrat, setzte sich der von CDU und FDP unterstützte Jürgen Bernsmann durch.

In Ahaus kommt es zur Stichwahl zwischen CDU-Kandidat Christoph Almering (36,3 Prozent) und der überraschend starken parteilosen Karola Voß (33,8).

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