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Heimat aus allen Himmelsrichtungen

Münster -

Vor wenigen Jahren klang der Begriff „Heimat“ noch irgendwie altbacken, rückwärtsgewandt, nostalgisch. Längst aber ist das, was wir Heimat nennen, wieder in aller Munde und bietet Diskussionsstoff. Weil wir Menschen erleben, die die Heimat verloren haben. Weil wir deren Recht auf Heimat anerkennen. Weil die nachfolgende Generation, die vielleicht früher die „Alten“ müde belächelte, nun erfassen kann, was die Eltern oder Großeltern verloren haben. Wie dem auch sei: Die Heimat und das, was wir darunter verstehen, bringt in den Menschen viele Saiten zum Klingen. Und so hat unsere Serie, die Anfang Dezember 2015 begann und zugleich einen Schreibaufruf enthielt, ein großes, überzeugendes Echo erlebt.

Freitag, 08.04.2016, 17:04 Uhr

Heimat hat viele Gesichter: In über 100 Beiträgen und Interviews haben Leser aller Altersstufen und prominente Zeitgenossen aus der Region darüber berichtet, was für sie Heimat bedeutet. Darunter der Schauspieler Gerd Böckmann, Schriftsteller Burkhard Spinnen, Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura, der Religionssoziologe Detlef Pollack und der Autor und Schauspieler Hannes Demming (v.l.). Auch Senioren aus Dyckburg und Handorf begaben sich auf Heimatsuche.
Heimat hat viele Gesichter: In über 100 Beiträgen und Interviews haben Leser aller Altersstufen und prominente Zeitgenossen aus der Region darüber berichtet, was für sie Heimat bedeutet. Darunter der Schauspieler Gerd Böckmann, Schriftsteller Burkhard Spinnen, Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura, der Religionssoziologe Detlef Pollack und der Autor und Schauspieler Hannes Demming (v.l.). Auch Senioren aus Dyckburg und Handorf begaben sich auf Heimatsuche. Foto: kal/loy/pp/privat

Der Titel „Heimat ist nicht nur ein Ort“ war und ist dabei in zwei Betonungsversionen zu lesen. Denn in den Berichten scheint – fast schon erwartungsgemäß – durch, dass viele Menschen sich an mehreren Orten heimisch fühlen. Das kann zum Beispiel die alte Heimat in Schlesien sein und die neue im Münsterland. Manche haben auch über zehn Umzüge hinter sich, und alle Orte haben Spuren in der Biografie hinterlassen. Zugleich ist Heimat nicht nur ein Ort im Sinne einer Straße, eines Dorfes oder einer Landschaft, sondern auch eine geistige Behausung. Zum Beispiel ein Konzertsaal oder eine Theaterbühne, wie der Burgschauspieler Gerd Böckmann erläutert. Das Klavier und seine Bücher bieten Münsters Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura eine Heimat, zumal dieser seit 30 Jahren schon als musikalischer „Gastarbeiter“ durch Europa zieht und überall schnell heimisch werden muss.

Ludger Hecking aus Havixbeck schilderte in seiner Heimatgeschichte den Kosmos einer vom Krieg überschatteten Jugend in Bocholt. Die vormals heile Welt fiel in Trümmer. Seelische Trümmer mussten viele Vertriebene zeitlebens mit sich herumschleppen, wie etwa Margret Brinker aus Friesoythe, die aus Ostpreußen ins Oldenburgische kam, oder Eberhard Gehwald aus Münster, der bei der Vertreibung aus Glatz als kleiner Junge seine Mutter aus den Augen verlor – und glücklicherweise wenig später wiederfand. Etwas, das sich eingebrannt hat.

Buchprojekt

Aus den Beiträgen wird ein Buch erstellt. Mehr dazu: hier .

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Viele dieser Geschichten münden aber auch in die Erkenntnis, eine neue Heimat gefunden und mit den Menschen, die ebenfalls als Vertriebene in die alte Heimat einwandern mussten, Freundschaft geschlossen zu haben. Hannes Demming hat sich mit heimeligen „Gerüchen“ beschäftigt, Hans-Peter Boer schrieb auf Platt über ein Porzellan-Service „Maria Weiß“, hinter der die rührende Geschichte einer armen schwangeren Bauernmagd steckte, der nur ein trauriges, kurzes Leben in hartherziger Umgebung beschieden war. Quintessenz: Nein, die angeblich so gute alte Zeit war eben häufig gar nicht gut, sondern trübe und zuweilen herzlos.

Heimat-Serie

In einer Serie widmet sich unsere Zeitung dem Thema Heimat. Weitere Geschichten finden Sie in unserem Online-Special .

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Die Journalistin Ulla Wolanewitz verbrachte eine Nacht vor Weihnachten in der Flüchtlingsherberge in Nottuln, und auch Schulklassen beugten sich nachdenklich und schreibend über das Thema „Heimat“. So die Klasse 8a der Hermann-Leeser-Schule in Dülmen, die Klasse 9a der Anne-Frank-Realschule Ahaus und eine Mittelstufe des Adolph-Kolping-Berufskollegs in Münster.

Nicht nur erlebte, auch einige fiktionale Geschichten lassen tief in die unterschiedlichen Heimatvorstellungen unserer Zeit blicken.

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