Möhnen stürmen die Verwaltungsbrücke
Kreuzfahrt ohne den Kapitän

Everswinkel -

Eigentlich wollte er auf große Fahrt gehen. Kapitän Sebastian Seidel hatte alles für die Kreuzfahrt vorbereitet. Doch ein Sturm machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Ein Möhnensturm. Die wilden Weiber entrissen ihm die Schlüssel für die „MS Everswinkel“ und übernahmen die Macht an Bord.

Freitag, 21.02.2020, 07:45 Uhr aktualisiert: 21.02.2020, 15:16 Uhr
Da
Da Foto: Klaus Meyer

Es sind stürmische Zeiten. Uta, Victoria, Sabine – etliche aufbrausende Tiefdruck-Damen sind in diesem Jahr schon hierzulande unterwegs gewesen. Doch was ist das alles gegen den jährlich wiederkehrenden Sturm, den Sandra, Steffi und Co. in hiesigen Breiten entfesseln? Zugegeben, es ist ein lokales Wetterereignis, doch die Auswirkungen sind gravierend. Den Kapitän der Rathaus-Mannschaft bläst es mit schöner Regelmäßigkeit von der Kommandobrücke. Am Donnerstag, just als Sebastian Seidel schon die Leinen gelöst hatte, machten ihm die stürmenden Weiber einen Strich durch die Kreuzfahrt-Rechnung.

Singend und tanzend kaperten die Möhnen die Yacht „Everswinkel“, kletterten an Bord, ließen vergnügt „99 Luftballons“ steigen und verlangten nach der Macht.

Sebastian wir kommen zu Dir,

Sebastian wir kommen zu Dir,

denn ab heute ist das unser Revier.

Die Everswinkeler Möhnen enterten mit „99 Luftballons“ das Kreuzfahrtschiff von Kapitän Sebastian Seidel.

Die Everswinkeler Möhnen enterten mit „99 Luftballons“ das Kreuzfahrtschiff von Kapitän Sebastian Seidel. Foto: Klaus Meyer

Die Obermöhnen Sandra Jurdeczka und Steffi Vorsthove schlugen Kapitän Seidel die Fakten des vergangenen Jahres um die Ohren: etwa die Jubiläen von Verbundschule,, Spielmannszug und Löschzug Alverskirchen oder den „Jahres-Gewinner“, den Eichenprozessionsspinner. Schon jetzt trauern die Möhnen um einen sich anbahnenden Verlust:

Das Geschäftsleben in unserem Dorf wird leider immer kleiner,

schließt doch tatsächlich zum Herbst hin unser Heiner.

Der Platz an der Theke immer heiß begehrt,

und jeder von ihm einen kecken Spruch bekam beschert.

Heiner du wirst uns fehlen,

ich glaube da spreche ich aus allen Seelen.

Natürlich war auch das Gemeindeentwicklungs-Konzept ein Thema:

Sebastian so wahr wie wir hier stehen,

können wir sagen wo wir uns in zehn Jahren sehen.

In unserem schönen Ort, der größer wird werden,

denn für uns ist das der schönste Winkel auf Erden.

 

Hier wird Vereinsleben noch groß geschrieben,

und immer mehr Bürger sind zugestiegen.

In diesem Sinne lassen wir es heute krachen,

Sebastian gib uns nun den Schlüssel, lasst uns gemeinsam singen, tanzen, lachen!

Für Käpt‘n Seidel wurde es eine Geschichte vom Traumschiff-Glück zum Enter-Albtraum.

Was für ein Geschrei –

die Möhnen steh’n am Kai!

Woll’n das Ruder übernehmen,

Spaß und Bier sind ihre Themen.

Auf meinem Schiff

bin ich der Chef!

Die Segel sind gesetzt.

Jetzt geht es los auf große Fahrt: Ihr habt mich unterschätzt!

Zu den Zaungästen des Machtwechsel gehörten auch die Blau-Weißen Funken. (weitere Bilder in der Fotogalerie)

Zu den Zaungästen des Machtwechsel gehörten auch die Blau-Weißen Funken. (weitere Bilder in der Fotogalerie) Foto: Klaus Meyer

 

Oben von seiner Kommandobrücke öffnete sich ihm der Blick auf neue Häuser an Königs- und Bergkamp und auf Highlights wie Heimatpreis und Dorf-Musikfest. Leider auch auf den Eichenprozessionsspinner.

Zu den üblichen Bekämpfungsweisen,

setzen wir dies‘ Jahr auf – Meisen!

Nistkästen müssen her –- gesagt, getan.

So ist jedenfalls der Plan.

Wenn viele es genauso machen,

hab‘n die Raupen nichts zu lachen.

Den Kurs für seine Kreuzfahrt ins Glück hat der Kapitän schon fest im Blick, und auch die möglichen Klippen, die es zu umschiffen gilt, sind ihm bewusst.

Seniorenwohnungen wär’n schön.

Die Busse sind wohl ein Problem.

 

Der eine oder andere Platz

ist vielleicht ein echter Schatz:

Zum Essen, Plaudern, zum Verweilen;

um Lebenslust zu teilen.

Weiß man die grobe Richtung dann,

geht’s weiter im Detail voran.

Da steckt der Teufel leider oft:

es geht nicht so schnell, wie erst gehofft.

Doch nach und nach wird’s uns gelingen,

unser‘n Ort voranzubringen.

Natürlich braucht’s auch etwas Mut –

dann wird das richtig gut.

Man wird sehen. Jetzt sind die Möhnen am Steuer. „Girls just wanna have fun“, triumphierten sie und gingen auf große Fahrt. Käpt‘n Seidel hat Landgang. Vier Tage lang. Dann kehrt er auf die Brücke zurück. Kurs Kommunalwahl und Everswinkels Zukunft.

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