Ladenbauer
„Ein Laden muss eine Geschichte erzählen“

Mettingen - Holz, Edelstahl, Plexiglas, Farben und Licht – das sind die Materialien, aus denen die Geschichten sind, die Carsten Schemberg erzählt. Manchmal kommen auch noch Musik und Duft hinzu. „Ein Einzelhändler muss eine Marke sein, seine Ladeneinrichtung sollte dem Kunden eine Geschichte erzählen“, sagt Schemberg, Vize-Präsident des Deutschen Ladenbauverbandes. Was ein wenig poetisch klingt, ist klar durchdacht und kühl kalkuliert.

Donnerstag, 17.09.2015, 13:09 Uhr

Für Carsten Schemberg, Vize-Präsident des Deutschen Ladenbauverbandes, muss eine Geschäftseinrichtung authentisch sein. Nötig sei „ein stimmiger Gesamteindruck von Produkt, Personal und Präsentation“.
Für Carsten Schemberg, Vize-Präsident des Deutschen Ladenbauverbandes, muss eine Geschäftseinrichtung authentisch sein. Nötig sei „ein stimmiger Gesamteindruck von Produkt, Personal und Präsentation“. Foto: Martin Ellerich

Nur der Einzelhändler habe in der Zukunft wirklich eine Chance, der sich sehr genau auf seine Zielgruppe ausrichtet – mit seinen Produkten, aber eben auch mit der Art, wie er sie präsentiert. „Es muss authentisch sein, ein stimmiger Gesamteindruck von Produkt, Personal und Präsentation.“ Ein Auftritt, der zur „Marke“ des Einzelhändlers passt.

Wobei der Mettinger Ladenbau-Fachmann den Anteil seiner Arbeit nicht überschätzt. „Im Mittelpunkt steht das Produkt, dann kommt der Verkäufer und erst dann der Laden.“ Ein Beispiel? Der Wochenmarkt: „Am wichtigsten ist die frische Ware, der knackige Apfel, dann kommt die Marktfrau, die ihre Kunden anspricht und dann erst der Marktstand.“ Der mag aus einfachen Holzböcken, einigen rohen Brettern und einem Stück weiß-rotem Segeltuch bestehen, aber er passt zu Produkt und Verkäuferin – eine authentische Geschichte eben.

Was ist also der schönste Laden? „Es geht nicht darum, den schönsten Laden zu bauen, sondern den, in dem die Produkte am besten zur Geltung kommen“, berichtigt der Mettinger Unternehmer, dessen Theodor Schemberg Einrichtungen GmbH mit ihren 100 Mitarbeitern europaweit für so bekannte – und unterschiedliche – Unternehmen baut wie C&A, DM, Westlotto , Aldi-Süd oder Fjällräven .

In seinem Unternehmen stellt Carsten Schemberg Ladeneinrichtungen für so unterschiedliche Kunden wie Aldi-Süd, C&A und Fjällräven her.

In seinem Unternehmen stellt Carsten Schemberg Ladeneinrichtungen für so unterschiedliche Kunden wie Aldi-Süd, C&A und Fjällräven her. Foto: Martin Ellerich

Zielgruppe im Blick

Wie muss also ein Laden aussehen, mit dem der Einzelhandel auch in Zukunft noch gute Geschäfte machen kann? So, dass sich die Zielgruppe auf Anhieb wohlfühlt – also je nach Zielgruppe immer wieder anders.

Das kann raues Holz wie von der Baustelle, ein Stück Bordsteinkante und vielleicht sogar der Anschein von Asphalt für den Skater-Laden mit seinen jungen Kunden bedeuten. Für ältere Kunden – und davon gibt es künftig immer mehr – ist ganz anderes wichtig: „Die Produkte müssen gut erreichbar sein – ohne viel Bücken und Strecken“, sagt Schemberg. Bloß keine Kanten im Boden, über die man stolpern kann. Anders als im Skater-Laden lieber keine Elektro-Beats, am besten gar keine Musik, die Kunden sollen schließlich die Verkäufer gut verstehen können. Höhere Sitzgelegenheiten in den Umkleidekabinen. „Und wenig Hell-Dunkel-Kontraste“, sagt Schemberg.

Sicherheit geht vor

Zugunsten der Sicherheit der älteren Kunden müssen die Ladenbauer da auf eines ihrer Lieblingswerkzeuge weitgehend verzichten: mit Licht Akzente zu setzen. „Ein heller Spot, der hinten an der sonst dunklen Rückwand des Ladens das beste, wichtigste, schönste Produkt in Szene setzt – so etwas zieht die Kunden weiter hinein“, weiß Schemberg, der Mitglied in der Jury des Wettbewerbs „Stores of the year“ ist, mit dem der Handelsverband HDE die besten Läden auszeichnet.

Ins rechte Licht rücken

Überhaupt: das Licht. Waren wollen ins rechte Licht gerückt werden. Gerade darauf achte mancher Einzelhändler zu wenig. Schwarz und Blau müsse – insbesondere auch der ältere – Kunde im Textilgeschäft klar unterscheiden können. Aber: „Leuchtmittel verändern mit der Zeit ihre Farbe, wenn die zu spät gewechselt werden, wirkt alles gelb im Geschäft“, warnt Schemberg.

Der schönste, pardon beste Laden nutzt aber nichts, wenn es müffelt. Wer in ein Herrenschuhgeschäft geht, erwartet einfach den Duft von Leder. Wo es den nicht gibt, „weil vielleicht die Klimaanlage zu gut arbeitet“, wird zuweilen mit Düften nachgeholfen. Im Ausland – etwa in den USA – sei das aber viel verbreiteter als hierzulande.

Auch auf Details kommt es an: Carsten Schemberg in seiner Werkstatt.

Auch auf Details kommt es an: Carsten Schemberg in seiner Werkstatt. Foto: Martin Ellerich

Wenn es eng wird . . .

Weiteres Problem in manchen Läden: „der Warendruck“ – zu viel Ware auf zu wenig Raum. Wer alles auf einmal präsentieren will, der zeigt am Ende gar nichts richtig.

Aber das hänge natürlich sehr vom einzelnen Händler ab: „Wo der Kunde sofort von der Verkäuferin in Empfang genommen wird und Waren individuell empfohlen bekommt, da ist auch die Ärmelparade kein Problem.“ „Ärmelparade“, so nennt es Schemberg, wenn die Jacken in Reih und Glied hängen. Wie war das? „Der Laden muss zur Marke des Händlers passen.“

Der Händler als Marke

Und mancher Händler sei eine „Marke“ im doppelten Sinne – und das meint Schemberg durchaus positiv im Sinne von: ein pfiffiges Original. Und so ein findiger Geist, der den Finger am Puls seiner Stammkunden hat, der könne sogar auf dem Land trotz der Konkurrenz der Großstadt mit ihrem Einkaufserlebnis bestehen.

So wie jener Händler, der seine Stammkunden regelmäßig mit Attraktionen wie Pokerturnieren unterhält. Der neben den üblichen und gängigen großen Marken regelmäßig noch das ein oder andere Produkt kleiner Anbieter im Programm hat, die er irgendwo auf der Welt entdeckt hat und die es sonst nicht gibt. Und dessen Verkäufer schon zur passenden Größe greifen, wenn der Kunde noch 50 Meter entfernt ist. Da stört den Kunden die „Ärmelparade“ dann wenig.

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