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Thomas Zumnorde im Interview: „Der Kunde entscheidet“

Eine Traditions-Adresse mit über 125 Jahren Handelserfahrung – das Schuhhaus Zumnorde mit Sitz in Münster und knapp 30 Niederlassungen bundesweit. Vor drei Jahren ging das Familienunternehmen zusätzlich einen neuen Weg – den ins Internet. Unser Redaktionsmitglied Norbert Tiemann sprach mit Geschäftsführer Thomas Zumnorde über die neue Unternehmens-Strategie.

Montag, 12.10.2015, 10:10 Uhr

Simply Local : Thomas Zumnorde im Interview: „Der Kunde entscheidet“
Gern im Geschäft, aber mit der gesamten Produkt-Palette auch offensiv im Internet-Verkauf unterwegs: Thomas Zumnorde, Geschäftsführer des traditionsreichen Schuhhauses Zumnorde. Foto: Matthias Ahlke

Das Kaufverhalten der Menschen befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Sind Sie als Schuhfachgeschäft mit einer Vielzahl von Niederlassungen davon auch betroffen?

Zumnorde : Ja, der Umbruch ist in der Tat epochal. Wir sehen, dass immer mehr Kunden den digitalen Weg nutzen; das ist heute schon genauso alltäglich wie früher das Aufsuchen eines Geschäftes. Wir stellen fest, dass sich viele Kunden vorab im Internet informieren oder auch, anders herum, sich stationär im Ladenlokal beraten lassen, um dies dann im Nachhinein mit Informationen aus dem Internet anzureichern. Ich bin der festen Überzeugung, dass es hier zu keinerlei Kannibalisierung kommt, dass also der Handel im Internet dem stationären Handel quasi nichts klaut. Wir müssen das ganzheitlich betrachten: Letztendlich entscheidet doch der Kunde, ob er einen Artikel in einem Geschäft vor Ort kauft oder ihn im Internet bestellt.

Wie haben Sie in Ihrem Unternehmen auf diese Entwicklung reagiert?

Zumnorde: Wir sind mit unserem Schuhhaus vor drei Jahren online gegangen, zunächst aber nur für sogenannte Restanten. Dabei haben wir die gesamten digitalen Prozesse von der Finanzbuchhaltung bis hin zur Logistik geradezu trainiert, um dann vor zweieinhalb Jahren mit einem eigenen Shop unter www.zumnorde.de im Internet zu starten, der die gesamte Angebotspalette umfasst.

Ihr Online-Shop verschafft dem Kunden diese Komplett-Übersicht. Was ist Ihnen lieber – der Kunde kommt ins Geschäft, nimmt Beratung in Anspruch, oder bestellt von zu Hause aus das neue Paar Schuhe?

Zumnorde: Ich persönlich gehe als Kunde offen gestanden lieber ins Geschäft. Auch, weil ich den direkten Kontakt mit den Menschen mag. Wichtig ist, dass der Kunde am Ende, unabhängig von der Frage, ob er im Geschäft oder digital gekauft hat, mit unseren Produkten eine positive Erfahrung verbindet. Heute bestimmen die Lebensumstände des Kunden das Kaufverhalten. Der Kunde entscheidet, wie er sich in seiner Freizeit verhält und seine Einkäufe tätigt.

Inwieweit hat sich das Kundenverhalten denn tatsächlich verändert? Das Produkt Schuhe zum Beispiel ruft doch geradezu nach einem Vor-Ort-Einkauf mit Beratung und vor allem Anprobe ...

Zumnorde: Wir sehen das natürlich so und wir beraten jeden einzelnen Kunden im Geschäft sehr intensiv und ausführlich. Aber natürlich kann man ein neues Paar Schuhe auch zu Hause anziehen und anprobieren. Aber die Fachberatung, ob zum Beispiel ein Schuh an einer Stelle geweitet werden müsste, ist natürlich ein Sachverhalt, der sich heute im Internet über eine Hotline nicht abbilden lässt. Aber dafür gibt es dann eben auch nach dem Internetkauf noch den Weg ins Ladenlokal. Wir erleben ein ganz unterschiedliches Käuferverhalten; bei uns bestellen Menschen quasi aus der Nachbarschaft in Münsters Kreuzviertel ebenso ihre Schuhe im Internet wie Kunden aus Magdeburg . Gleichzeitig erleben wir immer häufiger, dass Kunden mit einer ausgedruckten Seite unseres Online-Shops ins Geschäft kommen und sagen: „Diesen Schuh hätte ich gern“.

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Die neue Internet-Plattform „ Simply local “ möchte als digitaler Marktplatz für die Region  insbesondere dem mittelständischen Einzelhandel helfen, das stationäre Geschäft mit dem Internet-Einkauf sinnvoll zu verbinden. Was halten Sie von diesem Konzept, wird es sein Ziel erreichen können?

Zumnorde: Auf alle Fälle. Wenn ich mir die Kostenstruktur des Mittelstandes ansehe, dann ist nicht jedes Unternehmen und jede Struktur geeignet, einen eigenen Online-Shop auf die Beine zu stellen. Denn meistens sind dafür Investitionen im sechsstelligen Bereich nötig, die kann nicht jeder stemmen.Umso wichtiger ist es eben, eine gemeinsame große Plattform zu haben, die diese Technik bietet, über die dann der Einzelhändler seine Umsätze generieren kann. Wichtig ist natürlich, dass möglichst viele Händler an einer solchen Plattform teilnehmen, damit auch die gesamte Vielfalt des Handels abgebildet wird. Wenn alle mitmachen, dann wird etwas großes Ganzes daraus.

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