Kommunalwahl 2020 in NRW: Ascheberg/Herbern
Geschwister sind politische Rivalen

Ascheberg/Herbern -

Frank und Silke Hegemann schmunzeln und sind sich geschwisterlich einig: Konkurrenz von ihrer großen Schwester haben sie nicht zu erwarten. Schließlich machen sie die sich schon gegenseitig.

Dienstag, 04.08.2020, 18:30 Uhr
Silke und Frank Hegemann kandidieren für den Gemeinderat
Silke und Frank Hegemann kandidieren für den Gemeinderat Foto: Theo Heitbaum

Frank und Silke Hegemann schmunzeln und sind sich geschwisterlich einig: Konkurrenz von ihrer großen Schwester haben sie nicht zu erwarten. „Sie wohnt nicht in der Gemeinde Ascheberg“, sagen sie gemeinsam. Das Duo hingegen schon. Silke Hegemann ist mit 22 Jahren die jüngste Kandidatin für ein Mandat im Gemeinderat, Bruder Frank (24) gehört zu einem Trio des Jahrgangs 1996, das am 13. September auf dem Wahlzettel stehen wird. Neben der Tatsache, dass sie die jüngsten Bewerber und zudem Geschwister sind, ist bemerkenswert: Frank tritt für die CDU an, Silke für die FDP . „Aber nicht in einem Wahlkreis. Gegeneinander anzutreten wäre noch etwas ganz anderes als für zwei Parteien zu kandidieren“, erklärte Silke in der Diele des elterlichen Bauernhofes an der Nordicker Straße in Ondrup.

Frank Hegemann ist staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt und bewirtschaftet einen Hof mit Kühen, Bullen und Mastschweinen. „In meiner Lehre war ich ein Jahr auf dem Hof Silkenbömer in Ascheberg. Mit Franz hatte ich einen sehr guten Lehrherrn. Dort ist oft über Politik gesprochen worden“, berichtet Hegemann. Im Falle einer Wahl könnte er quasi Nachfolger seines Lehrherrn werden, denn Franz Silkenbömer hat mit dem Verzicht auf eine weitere Kandidatur seinen Abschied aus dem Gemeinderat eingereicht. Hegemann ist wie er ein Streiter für die Interessen der Landwirtschaft, fühlt sich für die Art des aktuellen Wirtschaftens zu Unrecht an den Pranger gestellt und wirbt für Gespräche. Nicht nur hier hat der Ondruper die meisten Schnittstellen zwischen seinen Ansichten und Positionen der CDU gesehen: „Wenn ich auf den Haushalt und die geplanten Investitionen blicke, dann geht es der Gemeinde gut und daran war die CDU nicht unbeteiligt.“

Silke Hegemann hat sich schon in der Schule für Politik interessiert, hat sich erfolgreich zur Groß- und Außenhandelskauffrau ausbilden lassen und studiert berufsbegleitend. Im BWL-Studium hat sich die junge Frau fürs Controlling entschieden. Ihre im Laufe der Jahre entwickelten politischen Ansichten fand sie besonders in der FDP wieder. Deswegen besuchte sie einen Ortsparteitag und „wurde mit offenen Armen empfangen“. Die Liberalen setzten sie gleich auf den dritten Platz der Reserveliste, was unterstreicht, dass die junge Herbernerin mehr als willkommen ist in der FDP Ascheberg: „Ich habe mich da sofort akzeptiert gefühlt.“

Bruder Frank hat sich in einem Gespräch mit Maximilian Sandhowe entschlossen, in die Politik zu gehen und zu kandidieren. Als das Duo in den Bekanntenkreisen verkündet hatte, dass man für den Gemeinderat aufgestellt worden sei, habe es anerkennende Worte gegeben. „Wir können nicht immer nur sagen, dass mehr junge Leute in der Politik mitmachen sollen. Wir müssen es selbst tun“, erklärt Silke. Frank bekam auch Gründe fürs Nichttun genannt: „Wenn ich mich umhöre, heißt es immer, ich habe keine Zeit. Oder: Es lenkt vom Beruf ab.“ Silke ist mit ihm der Meinung, dass es sich um eine eher schwache Ausrede handelt: „Man muss wollen, dann geht das“, erklärt sie und ergänzt: „Ich war gerade auf einem Termin der FDP und diesen Gesprächstermin haben wir vor zwei Tagen ausgemacht. Wo ist das Problem?“

In einem Punkt decken sich ihre Ansichten. Die Hegemanns wünschen sich Wohnraum für junge Leute in der Gemeinde. „Es ist schwer bezahlbare Wohnungen zu finden. Sie sind jungen Leuten zu teuer. Es muss mehr Angebote geben“, fordert Silke, die neue Wohngebiete verlangt und so die Wohnungsnachfrage marktwirtschaftlich lösen möchte: „Ich halte nichts davon Menschen zu bevormunden.“

Frank Hegemann übernimmt den Wahlbezirk 13 , den vor sechs Jahren der inzwischen verstorbene Stefan Jehle mit 49,2 Prozent vor Dr. Elisabeth Koch (UWG) und SPD-Fraktionschef Christian Ley gewann. Die Messlatte von Silke Hegemann sind 4,4 Prozent, die Guido Seiler 2014 für die FDP im Wahlkreis 14 holte.

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