Kommunalwahl 2020 in NRW: Münster
Temporeicher Schlagabtausch beim OB-Check

Münster -

Auftritte auf großer Bühne haben die Spitzenkandidaten in diesem Kommunalwahlkampf in der Corona-Zeit eher nicht. Am Mittwochabend aber gab es doch eine Gelegenheit. Die drei aussichtsreichsten OB-Kandidaten präsentierten sich bei einem Polit-Talk in der neuen Geschäftsstelle der Westfälischen Nachrichten am Picassoplatz. Zuschauer waren per Internet-Stream live dabei.

Mittwoch, 02.09.2020, 23:10 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 15:35 Uhr
Polit-Talk in der WN-Geschäftsstelle: Die Moderatoren Kristina Sehr (v.l.), Ralf Repöhler und Dirk Anger (r.) mit den OB-Kandidaten Dr. Michael Jung (3.v.l.) Markus Lewe (3.v.r.) und Peter Todeskino (2.v.r.)
Polit-Talk in der WN-Geschäftsstelle: Die Moderatoren Kristina Sehr (v.l.), Ralf Repöhler und Dirk Anger (r.) mit den OB-Kandidaten Dr. Michael Jung (3.v.l.) Markus Lewe (3.v.r.) und Peter Todeskino (2.v.r.) Foto: Oliver Werner

„Früher war mehr Lametta“, hätte der große Loriot gesagt. Früher, das war die Zeit vor Corona, als vor Wahlen aufwendig produzierte Elefantenrunden vor großem Publikum stattfanden.

Aber stop: Das technische Equipment, das für einen Disput der drei aussichtsreichsten Oberbürgermeister-Kandidaten im Livestream-Format am Mittwochabend gebraucht wurde, war gewaltig. Die neue Geschäftsstelle der Westfälischen Nachrichten war rundum verkabelt worden – kilometerweise Strippen, vier Standkameras, Mischpulte, insgesamt zwei Transporter voll Technik waren installiert worden, um Amtsinhaber Markus Lewe (CDU) sowie Dr. Michael Jung ( SPD ) und Peter Todeskino (Grüne) in diesem notgedrungen kontaktarmen Corona-Wahlkampf live und damit fast leibhaftig den Münsteranern nahezubringen. Die Zuschauer saßen nicht im Saal, wie bei der Wahlveranstaltung der WN vor fünf Jahren, sondern verfolgten den Schlagabtausch am Computer oder Handy.

Alle Kandidaten sind eloquent

Für die Hauptpersonen eine zentrale Veranstaltung im Wahlkampf, geben die drei vor dem Startschuss zu erkennen. Peter Todeskino trägt als einziger eine Krawatte – grün gemustert – und demonstriert in dem von Ralf Repöhler und Dirk Anger, Leiter der WN-Lokalredaktion Münster, moderierten Polit-Talk das Selbstbewusstsein eines langgedienten Verwaltungsexperten. Das schnelle Internet, auf das man in Münster noch vielerorts wartet? „Wird von mir zur Chefsache erkoren“, verkündet der Münster-Rückkehrer.

OB-Check mit drei Kandidaten: Markus Lewe, Dr. Michael Jung und Peter Todeskino

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  • Am 13. September wird in Münster nicht nur ein neuer Stadtrat gewählt, sondern auch ein neuer Oberbürgermeister.

    Foto: Oliver Werner
  • Die aussichtsreichsten Kandidaten haben sich am Mittwochabend in einem fast zweistündigen Livestream den Fragen der WN-Moderatoren und der Leser gestellt.

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  • Die Diskussionsveranstaltung, die aufgrund der Coron-Pandemie ohne Zuschauer stattfinden musste, fand in der neuen WN-Geschäftsstelle am Picassoplatz statt.

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  • Und weil keine Zuschauer vor Ort waren, wurde die Diskussion mit mehreren Kameras Live auf Youtube und auf der Homepage der Westfälischen Nachrichten übertragen.

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  • Zu Beginn hat Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann zunächst die Zuschauer begrüßt.

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  • Und dann ging es auch direkt inhaltlich los mit einer gegenseitigen Analyse der Wahlplakate, die teils doch sehr angriffslustig sind.

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  • Aber wer hat da eigentlich alles miteinander diskutiert?

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  • Peter Todeskino, Oberbürgermeisterkandidat der Grünen.

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  • Der amtierende Oberbürgermeister Markus Lewe, CDU.

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  • Und der SPD-Kandidat, Dr. Michael Jung.

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  • Moderiert wurde der Abend von dem Leiter der Stadtredaktion Münster, Ralf Repöhler (r.), von Kristina Sehr (l.)...

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  • ... sowie von dem stellvertretenden Leiter der Stadtredaktion Münster, Dirk Anger (r.), hier vor dem Livestream im Gespräch mit Dr. Norbert Tiemann – beide natürlich vorbildlich mit Maske.

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  • Es gibt zwar noch mehr Oberbürgermeister-Kandidaten, doch die Bewerber von CDU, SPD und den Grünen haben die realistischsten Chancen.

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  • Während des Abends mussten sie sich den Fragen aus unterschiedlichen Themenbereichen stellen.

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  • Es ging etwa um die Bewältigung der Corona-Pandemie, um den (heiß diskutierten) Bereich Mobilität...

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  • ... um das Thema Wohnen, um Wirtschaft und Finanzen und auch um den Bereich Bildung, Kultur und Sport.

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  • Vor jedem Thema spielte die Technik kurze Einspieler mit Zuschaueranregungen und Zuschauerfragen ein.

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  • Und Kristina Sehr bündelte während des Livestreams die zahllosen Fragen der Zuschauer.

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  • Eins wurde auf jeden Fall deutlich:

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  • Während sich die Kandidaten bei einigen Themen doch recht nah sind, gehen ihre Ansichten bei anderen Themen weit auseinander.

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  • Genug Möglichkeiten für die Wähler also, in anderthalb Wochen den Kandidaten rauszusuchen, der am besten zu den eigenen Ansichten passt.

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  • Und da gleichzeitig auch noch der Stadtrat gewählt wird, bleibt es auch in puncto Koalitionen und Zusammenarbeit mit dem dann entweder neuen oder alten Oberbürgermeister spannend.

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  • Da diese Bilderstrecke nicht reicht, um alle Inhalte des zweistündigen Livestreams wiederzugeben, sei an dieser Stelle an die Aufzeichung des Livestreams (Abrufbar auf Youtube und auf wn.de) und auf unsere Berichterstattung zu dem Thema verwiesen.

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  • Muss sich der amtierende Oberbürgermeister-Kandidat Sorgen um seine Wiederwahl machen oder nicht? Diese Frage wird erst der 13. September beantworten.

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  • Denn am 13. September ist Kommunalwahl – daher abschließend der Aufruf: Gehen Sie wählen. Entweder am 13. September oder schon vorher per Briefwahl oder in einem der bereits geöffneten Wahlbüros.

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Eloquent sind die Kandidaten alle: Wären die drei zu einem Schnellsprechwettbewerb angetreten, wäre die Goldmedaille wahrscheinlich an den SPD-Kandidaten Michael Jung gegangen, aber auch Lewe kann Hochgeschwindigkeits-Rede. Die war aber auch vonnöten, denn wer in weniger als zwei Stunden die Fülle drängender Themen wie Corona, Verkehr, Wohnen, Wirtschaft, Bildung und Kultur abhandeln und dabei eine Auswahl der 269 von Zuschauern gestellten Fragen beantworten will, muss schon auf die Tube drücken.

Realität in virtueller Wahlkampfzeit

Es wird deutlich: Wer auch immer die OB-Wahl gewinnt , es gibt viel zu tun in der Stadt, und auch dafür ist die Zeit knapp. Man weiß nicht, ob es die für die Videoproduktion aufgestellten Scheinwerfer oder die vielen Fragen sind, die die Kandidaten am Ende ins Schwitzen bringen. In Rage redet sich keiner, aber stellenweise flammt Leidenschaft auf. Bei Lewe, als es um sein Herzensthema Musikcampus geht, den die Kontrahenten eher ablehnen. Bei Todeskino, als es um den Ausbau der B 51 geht, den er unbedingt verhindern will. Bei Jung beim Thema Wohnen, das für alle in Münster möglich sein müsse.

Kommentar

Auf Augenhöhe

Kontrovers, aber fair – so könnte man den Schlagabtausch der drei Oberbürgermeisterkandidaten von CDU, SPD und Grünen am Mittwochabend zusammenfassen. 100 Minuten lang diskutierten sie auf Einladung unserer Zeitung im Livestream. Natürlich gab es Meinungsverschiedenheiten, aber niemand war sich zu schade, Gemeinsamkeiten zu betonen, wenn es der Sache angemessen war.

Interessant war zu beobachten, welche Strategien der Amtsinhaber Markus Lewe (CDU) und seine beiden Herausforderer Michael Jung (SPD) und Peter Todeskino (Grüne) verfolgten. Lewe gab sich sehr präsidial. Gern betonte er das große Ganze, verlor aber nie die Kontrolle. Todeskino lag viel daran, sich als erfahrenen Behördenlenker zu präsentieren. Jung wiederum, der SPD-Fraktionschef, legte größten Wert darauf, die Versäumnisse der vergangenen Jahre gleichermaßen der CDU und den Grünen anzulasten, um sich so vom inzwischen zerbrochenen Ratsbündnis abzugrenzen.

Einen Punktsieger gab es nicht. Der Livestream hat die Wahlentscheidung nicht leichter gemacht. (Klaus Baumeister)

...

Die Wähler machen sich immer wieder durch die von Co-Moderatorin Kristina Sehr übermittelten Fragen bemerkbar. Aber draußen auf dem Picassoplatz schleicht sich doch ein stellenweise reales Publikum ins Bild. Einige Leute bleiben stehen, zücken das Handy – und schauen dem OB-Kandidaten-Check zu. Ein Stückchen Realität in virtueller Wahlkampfzeit.

Der komplette OB-Check im Video:

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