Alstätte
Aus reiner Menschlichkeit

Mittwoch, 24.06.2009, 17:06 Uhr

Heek-Nienborg - Aus reiner Menschlichkeit hätten sie und ihr Vater gehandelt, und „damals waren wir ja auch noch jung“, sagt Klara Bruns ganz selbstverständlich und bescheiden. Dabei war das, was sie und ihr Vater Josef Bruns zwischen 1937 und 1941 getan haben, leider alles andere als selbstverständlich: Als das jüdische Ehepaar Siegmund und Rosa Gottschalk durch die Zwangsversteigerung ihres Hauses obdachlos wurde, nahmen die Bruns die beiden bei sich auf, trotz der massiven Drangsalierung jüdischer Mitbürger während des Nationalsozialismus.

Für diesen mutigen Einsatz zum Schutz jüdischer Mitbürger wurden Klara Bruns und posthum auch ihr Vater Josef am Mittwoch mit der Goldenen Gemeindeplakette der Gemeinde Heek geehrt. Im Haus Hugenroth übergab Bürgermeister Dr. Kai Zwicker die Plaketten samt Urkunden. Ihr Handeln mache Klara und Josef Bruns besonders, sagte der Bürgermeister und betonte, dass der Beschluss für diese Ehrung im Gemeinderat einstimmige und unbedingte Zustimmung erfahren habe. Die anwesenden Gäste, darunter Verwandte und Bekannte von Klara Bruns, Frauen von der Seniorengemeinschaft Nienborg sowie zahlreiche Vertreter des Gemeinderats, spendeten herzlich Beifall.

Dass die Geschichte der Gottschalks und der Bruns neue Beachtung gefunden hat, ist sechs Realschülerinnen aus Ahaus, Heek und Nienborg zu verdanken. Sie schlugen ihrem Geschichtslehrer Hermann Löhring vor, die Geschichte jüdischer Nienborger zu erforschen. Also gründeten sie eine freiwillige AG und befassten sich ein Jahr lang mit dem Thema, sammelten Informationen aus Archiven und vom Heimatverein Nienborg. Schließlich, so erzählte Hermann Löhring im Rahmen der Feierstunde, seien sie auf die Zeitzeugin Klara Bruns gestoßen. Dank ihrer Mithilfe entstand die Gedenkschrift „Uroma, wer waren die Gottschalks?“.

Auch wenn sie die Gottschalks letztlich nicht retten konnten - sie wurden im Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort wahrscheinlich ermordet - hätten die Bruns in unmenschlichen Zeiten sehr menschlich gehandelt, betonte Löhring. „Dass sie dafür heute geehrt werden, ist wirklich überfällig“, so der Lehrer von der Anne-Frank-Realschule in Ahaus.

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