Alstätte
Enthusiasmus und hohes Niveau

Sonntag, 10.04.2011, 17:04 Uhr

Ahaus-Alstätte - Hoch hinaus will der Alstätter Musikverein immer. Dirigent Ludger Niemeier und seine Musiker stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen. Die bringen schließlich den gewissen Kitzel, ohne den das Musizieren irgendwann langweilig würde. Am Samstagabend überraschten die Musiker ihr Publikum erneut mit einem ambitionierten Programm, das sie zudem hervorragend umsetzten. Bei der Veranstaltung „Musik, die nie verklingt“ zeigten auch der MGV „Eintracht“ und der Chor „Young Voices“ hohes Niveau.

Hoch hinaus gings gleich mit dem Auftaktstück, dem „Fliegermarsch“ von Hermann Dostal . Ein Konzertmarsch, dessen Musik eher fließt als dass sie schreitet. Feine Abstufungen in der Dynamik, von zurückhaltender, abwartender Gelassenheit bis zu stolzem Pomp, setzten die Musiker ausgezeichnet um.

„Musik, die nie verklingt“ ist kein Wunschkonzert. Mit der Darbietung der Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ von Franz von Suppè machte der Musikverein aber eine Ausnahme für Wilfried Hörst, der 60 Jahre lang aktiver Musiker war. Sehr schön, wie die Holzbläser die Motive kontrastierten, die die Blechbläser vorgestellt hatten, wie Melodieteile der Hauptthemen als Einsprengsel hörbar wurden und eine riesige Erwartungshaltung erzeugten (die populärsten Melodien der Operette waren - und sind es teils heute noch - regelrechte Gassenhauer). Die Übergänge gerieten sehr geschmeidig, das wunderbare Saxofon-Solo von Jens Feldkamp erzeugte lyrische Momente.

Wozu Jules Vernes Held noch 80 Tage benötigte, schafften die Alstätter Musiker in erheblich kürzerer Zeit: eine Reise um die Welt. Allerdings hatten sie den Vorteil, die Reise musikalisch antreten zu dürfen. Die Dampflok stampfte rhythmisch durch Europa, begleitet von landestypischen Melodien. Der Charakter der Musik änderte sich erheblich, als Indien erreicht wurde. Die Posaunen imitierten Elefantenlaute, die Dramatik nahm zu. Über Amerika („Wilder Westen“ mit Indianergeheul und - etwas anachronistisch - Sinatras „ New York , New York“) ging es Richtung London. Eine hochspannende musikalische Reise, die mit viel Beifall belohnt wurde.

Zwischendurch hatte der MGV seinen Auftritt mit einem russischen Kirchenlied, bei dem vor allem die Bässe ordentlich zur Geltung kamen. „Über sieben Brücken musst du gehen“ und „Memories (in Deutschland besser bekannt als „Heimweh“ von Freddy Quinn) folgten. Ihr Image als Gesangsverein nahmen die Männer abschließend kräftig auf die Schippe mit dem humorvollen Lied „Wir sind die alten Säcke“. Nun: Einige Stereotypen aus dem Lied mögen stimmen; der MGV zeigte aber auch, dass er sein Hobby ernsthaft betreibt und Sangeskunst auf gutem Niveau bietet.

Das gilt erst recht für die „Young Voices“. Die Sängerinnen bringen durch ihren großen Enthusiasmus immer wieder Schwung in die Bude. Vier Titel sangen sie. Die zeichneten sich nicht durch komplexe Harmonien, aber durch Tempo, Witz, Fröhlichkeit und hohe Textverständlichkeit aus. Große Spannung gabs bei „Thriller“. Mit tosendem Applaus dankte das Publikum.

Der Musikverein präsentierte ein weiteres Glanzstück mit Gershwins „I got Rhythm“. Wie in dem Arrangement von John Higgins mit dem Element Rhythmus umgegangen wird, hatte Klasse: Auf spielerisch anmutende Weise zauberten die Musiker dem Titelmotiv Marsch- und Revuecharaktere auf den Leib, ließen es im 6/8-Takt erklingen, vorlaute Trompeten schnatterten es, dann wieder schien das Motiv in einer japanischen Teezeremonie gelandet zu sein. Ein tolles Arrangement, ebenso fantastisch umgesetzt.

Romantisch geriet Andrew Lloyd Webbers „All I ask of you“, bevor das Swing-Medley „Jump Swing Fever“ erklang. In dem Titel war das einzige Manko im Programm der Musiker zu finden: Dem Stück fehlte - bei allem Tempo und Drive - der richtige Swing.

Die Perkussionisten durften sich bei dem Latin-Medley „Danzas Cubanas“ noch einmal von ihrer besten Seite zeigen. Mit einer Zusammenstellung etlicher seiner größten Hits erwiesen die Musiker schließlich dem kürzliche verstorbenen Filmkomponisten John Berry ihre Reverenz.

Mit dem Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ und dem Lied „Bis bald, auf Wiedersehen“ verabschiedeten sich alle Beteiligten und erhielten verdientermaßen donnernden Beifall eines rundum zufriedenen Publikums.

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