Heilig-Geist-Bild
Ein Werk von lichter Leichtigkeit

Ahaus-Alstätte -

Das Licht in der Marienkapelle tanzt. Allerdings nicht an der Wand, sondern auf dem Boden. So gilt mein erster Blick diesem Lichtspiel neben dem Taufstein und erst der zweite dem Heilig-Geist-Bild, wegen dem ich eigentlich gekommen bin.

Samstag, 16.06.2012, 11:06 Uhr

Heilig-Geist-Bild : Ein Werk von lichter Leichtigkeit
Trotz seiner Größe strahlt das Heilig-Geist-Bild eine überraschende Leichtigkeit aus. Kleine Bilder (v. l.): Von unten ist die Montage des Bildes über drei Ebenen gut erkennbar. Der Blick des Betrachters landet immer wieder beim Gesicht Marias. Nachmittags liefert das Sonnenlicht auf dem Boden neben dem Taufbecken ein unerwartetes Farbspiel. Foto: Frank Zimmermann

Bei Matthias Dornbusch , Küster und Mitglied im zuständigen Sachausschuss, habe ich die Begeisterung für das Bild schon gespürt, als es noch in Arbeit war. Während der Montage habe ich erlebt, wie die Arbeiter mit den Dimensionen des Kunstwerks zu kämpfen hatten, der Größe der Glasscheiben und ihrem Gewicht. Jetzt bin ich gekommen, um mir einen eigenen Eindruck vom Heilig-Geist-Bild zu verschaffen.

Gerade weil ich die Montage miterlebt habe, überrascht mich jetzt die Leichtigkeit , die das Werk auf den ersten Blick ausstrahlt. Vom Fuß des Bildes, entlang der violetten Linie auf der mittleren Platte gleitet mein Blick nach oben. Gefangen genommen wird er dort vom Gesicht Mariens. Ihr Antlitz ist mit wenigen Strichen umrissen und trotzdem von großer Ausdruckskraft. Ruhe strahlt es aus. Obwohl – oder gerade weil – um sie herum etwas Tiefgreifendes geschieht, wirkt sie völlig entspannt, hat die Augen vertrauensvoll geschlossen.

Auf die Spur dessen, was da geschieht, komme ich über die Betrachtung der Hände: Maria hält sie gekreuzt, die Handflächen sind nach oben hin geöffnet. Entströmt ihnen etwas? Mit den Augen folge ich dem grünen, ätherisch wirkenden Farbauftrag nach oben. Dort wird die Farbe kräftiger und umschließt eine weiße Taube, die wie im Sturzflug auf Maria gerichtet ist. – Weil ich die entsprechenden Informationen habe, weiß ich, dass die Taube den Heiligen Geist symbolisiert, den Maria empfängt. Jetzt verfolge ich das ätherische Grün wieder zurück zu Mariens Händen: Es umfließt ihren Kopf und scheint in ihre Brust zu strömen.

Ich zwinge mich, meinen Blick von den Details zu lösen und wieder auf das ganze Bild zu richten. Immer noch halte ich Abstand, obwohl ich den Reiz verspüre, nah ranzugehen, um noch dichter an die Einzelheiten zu kommen. Nun sind es vor allem die beiden halbrunden Scheiben, die in meinem Kopf ein Assoziationskino auslösen: Maria hat riesige Engelsflügel. Oder schwebt sie im Himmel? Befindet sie sich im Zentrum vor einem großen (Gottes-)Auge? Vielleicht liegt sie aber auch – zart wie eine Libelle – auf einer überdimensionalen blauen Blume?

Endlich gehe ich nah an das Heilig-Geist-Bild heran. Aus der Froschperspektive erkenne ich die Montage der fünf Glasscheiben auf drei verschiedenen Ebenen. Von Nahem sehe ich nun, wie sich die überlagernden Schraffuren in Blau und Violett im Auge des Betrachters mischen. Aus diesem Blickwinkel bekommt die Linienführung des Bildes eine ganz andere, fast bedrohliche Dynamik.

Doch meine Neugier für technische Details und das Spiel mit der Perspektive hält nicht lange vor. Deshalb kehre ich hinter den Taufstein zurück, schaue aus der Distanz. Und wieder wird mein Auge geradezu magisch von der Mitte des Bildes angezogen, von diesem ebenen, jungen Gesicht mit den geschlossenen Augen und den Lippen, die ein hauchzartes Lächeln umspielt. Was mich daran fasziniert, ist das tiefe, freudige Gottvertrauen, das diese junge Frau ausstrahlt.

Wie Matthias Dornbusch bin auch ich am Ende vom Heilig-Geist-Bild der Künstlerin Kerstin Hofmann begeistert. Von seiner Ausdrucksstärke, seiner Detail- und Bedeutungsvielfalt, seiner Wechselwirkung mit dem Raum, mit der Perspektive des Betrachters und dem Spiel des Sonnenlichts. Das alles macht das Bild sehenswert – immer wieder.

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