Gegner des Bürgerwindparks
Rauer Wind weht durchs Dorf

Ahaus-Alstätte -

Manch ein Alstätter ist mittlerweile gewissen Kummer gewöhnt. Die Geruchsbelästigung durch Massentierhaltung ist seit Jahren ein Reizthema, der Abriss der Alten Turnhalle wurde in den vergangenen Wochen zum Politikum und eine weitere Angelegenheit wird zumindest einen Teil der Bevölkerung über die nächsten Jahre hinweg beschäftigen: der Umgang mit dem Thema Windenergie.

Samstag, 06.04.2013, 06:04 Uhr

Auf der einen Seite haben sich im vergangenen Jahr einige Landwirte zusammengeschlossen, um einen Bürgerwindpark zwischen Alstätte und Ottenstein zu erschließen (WN berichteten), auf der anderen Seite gründeten besorgte Anwohner vor Kurzem eine Interessengemeinschaft gegen das Projekt. Streit im Dorf wollen beide Seiten nicht, schließlich gehe es um die Sache und gegen niemanden persönlich, versichern die Beteiligten.

Während für die potenziellen Investoren vor allem eine gute Anlagemöglichkeit im Vordergrund steht, sehen die Anwohner ihre Gesundheit bedroht und den Werterhalt ihrer Immobilien in Gefahr. Deswegen sind die Windpark-Gegner auch gewillt, alles zu tun, um den Bau der angedachten drei bis vier 180 Meter hohen Anlagen zu verhindern. „Wir sind nicht generell gegen Windkraft, wir wollen die Windräder nur nicht in so direkter Nachbarschaft“, erklärt An­dreas Render , einer von zwei Sprechern der Interessengemeinschaft.

Er fordert mindestens zwei Kilometer Abstand der Windkraftanlagen zu Anwohnern. Das steht auch auf dem Flyer, den die Gruppe Anfang Februar in allen Alstätter Haushalten verteilt hat. Den ersten Planungen der Windparkbefürworter zufolge würden die Anlagen knapp einen Kilometer von dem Baugebiet an der Leisnerstraße entfernt aufgebaut werden. Nach der Gesetzeslage ist das zumindest bezüglich der optischen Bedrängung ein ausreichender Abstand. Demnach müssen die Anlagen lediglich einen Abstand von dreifacher Höhe (540 Meter) zur geschlossenen Wohnbebauung aufweisen. Einzelne Höfe lägen jedoch deutlich näher an den geplanten Standorten der Windräder.

Allerdings würden die gesetzlich festgeschriebenen Lärmimmissionsrichtwerte von 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts nach Informationen der Anwohner teilweise überschritten werden.

Besichtigung von baugleicher Anlage in Lengerich

Ihre Bedenken sind den Mitgliedern der Interessengemeinschaft bei der Besichtigung einer baugleichen Anlage in Lengerich gekommen. Bevor sie Unterschriften gegen einen Bürgerwindpark gesammelt und den Flyer aufgesetzt haben, hatten sie sich dort vor Ort ein Bild gemacht und mit Anwohnern gesprochen: „Selbst in 1200 Metern Entfernung war die Anlage noch deutlich zu hören“, berichtet der zweite Sprecher, Herbert Leugermann , von den Eindrücken. „Wir waren schockiert“, ergänzt Andreas Render. Er ruft alle Skeptiker auf, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.

Neben den deutlich hörbaren Geräuschen fürchten die Anwohner tieffrequenten Schall, den der Mensch nur unterbewusst wahrnimmt. Dieser könne unter anderem Schlafstörungen zur Folge haben, heißt es in dem Flyer der Gruppe.

Auch der Schlagschatten der großen Anlagen sei ein Problem, sagt Render. Dieser darf gesetzlichen Bestimmungen zufolge höchstens 30 Minuten am Tag und 30 Stunden im Jahr auf Wohnbebauungen treffen. Nach Skizzen eines Windradherstellers, die der Interessengemeinschaft vorliegen, werde diese Zeit jedoch überschritten. Einer Abschaltautomatik, die den Schlagschatten zeitlich limitiert, wollen die Anwohner nicht trauen. „Wer sagt uns, dass die Anlage nach der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit wirklich abschaltet?“, fragt Leugermann.

Bürgermeister versprach gründliche Prüfung

Zuletzt hatte die Gruppe Bürgermeister Felix Büter und den Rat der Stadt Ahaus mit ihrem Anliegen konfrontiert. Büter versprach zumindest eine gründliche Prüfung. Seit März laufen im Rahmen des Leader-Projekts ohnehin zunächst einmal die einjährigen faunistischen Gutachten der Stadt Ahaus, die klären sollen, ob das Gebiet für eine Windvorrangzone tauglich ist. „Ein Gutachten von 1999 besagt, dass diese Stelle nicht geeignet ist. Deswegen gehen wir jetzt von demselben Ergebnis aus“, sagt Andreas Render.

Die Befürworter eines Bürgerwindparks weisen indessen in einer aktuellen Stellungnahme darauf hin, dass sie das Thema Bürgerwindpark vorerst zu den Akten gelegt haben, weil die Stadt ganz andere Ziele verfolge, als es die Gruppe bislang getan habe.

Das könnte sich bei einem günstigen faunistischen Gutachten jedoch schnell wieder ändern. In diesem Fall, so kündigen die Vertreter der Interessengemeinschaft an, werde man nicht davor zurückschrecken, mit rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen. „Ich lasse mir meine Gesundheit dadurch jedenfalls nicht kaputt machen“, gibt sich Andreas Render kämpferisch.

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