Alstätter Gemeinschaftskonzert „Musik, die nie verklingt“
In allen musikalischen Sprachen zu Hause

Ahaus-Alstätte/Legden -

Das kürzeste Stück des Abends war auch das witzigste – und außerdem das mit dem außergewöhnlichsten Instrument: einer Triumph-Adler. Kenner wissen, dass es sich dabei um einen fast schon antiken Gegenstand handelt: eine mechanische Schreibmaschine. Die sich mit ein wenig Fantasie auch als Perkussionsinstrument nutzen lässt. Leroy Anderson setzte diese Idee 1950 um, und es entstand die Komposition „The Typewriter“. Der Musikverein Alstätte führte das Stück am Samstagabend im Rahmen des Gemeinschaftskonzerts „Musik, die nie verklingt“ auf. Und zwar mit Humor: Wer hätte gedacht, dass das Stimmen der Schreibmaschine sich so aufwendig gestalten würde? Schließlich intonierte Solist Tobias Niemeier aber ein lupenreines „A“ – so zumindest der riesige Buchstabe, den er stolz auf seinem Schreibmaschinenpapier präsentierte. Die Musiker hatten die Lacher im Audimax in Legden auf ihrer Seite.

Montag, 07.04.2014, 07:04 Uhr

Das launige Intermezzo passte gut in das abwechslungsreiche Programm, das Dirigent Ludger Niemeier mit seinen Musikern einstudiert hatte. Zum Auftakt wie immer ein Marsch. Aber kann man den Florentiner Marsch von Julius Fucik eigentlich so benennen? Er kam so leichtfüßig daher, dass alles Erdverhaftete von ihm abfiel. Das Stück hob quasi ab. Niemeiers Musiker kitzelten die Leichtigkeit sehr schön heraus, ließen die Kontraste zwischen Holz- und Blechregistern spielerisch-beschwingte Urständ feiern. Mediterranes Flair verbreitete sich. Auch beim folgenden Titel, dem „Camino Real“. Dessen Charakter geht allerdings deutlich mehr ins Iberische: Das musikalische Feuer Spaniens brach sich Bahn mit Flamenco und Fandango, stolzes Selbstbewusstsein versprühend. Kastagnettentöne ertönten – manchem Zuhörer wäre fast ein „Olé“ als Kommentar herausgerutscht...

Die Alstätter Musiker verstehen sich aber auf noch deutlich mehr klangliche Idiome: In die schottischen Highlands entführte „Merida“ mit elegisch-klagenden Weisen der schottisch-irischen Folkmusik. Und genauso stilecht repräsentierten sie die Titel des „King of Mambo“, Perez Prado: Temporeich, rhythmisch auf dem Quivive, einfach mitreißend.

Musiker verstehen sich sogar aufs Regenmachen. Zumindest bei dem Titel „In a Gentle Rain“ vermittelten sie die Illusion eines sanften Schauers, der mit dem Pladdern dicker, einzelner Regentropfen beginnt (erzeugt durch Fingerschnipsen der Musiker). Akustisch schiebt sich eine Regenwolke vor den Himmel, und es entwickelt sich ein erfrischender Sommerregen.

Welches Potenzial in dem Orchester steckt, zeigte sich bei der Bearbeitung des Concertos für vier Hörner von Heinrich Hübler. Manch Symphonieorchester wäre froh, wenn alle Instrumentengruppen so gut besetzt wären wie die beim Musikverein Alstätte . Verstärkt durch Martin Gericks (der seine ersten instrumentalen Schritte beim Musikverein Alstätte machte) legten Jürgen Dingslaken, Oliver Völker und Simon Becking eine reife Leistung hin. Umso mehr als das Horn ein schwierig zu intonierendes Instrument ist. Moderator Ludger Gesenhues zitierte einen Witz: „Warum ist das Horn ein göttliches Instrument? Ein Mensch bläst zwar hinein, aber Gott allein weiß, was herauskommt.“ Am Samstag war Gott zumindest auf Seiten der Alstätter: Das Resultat klang göttlich . . .

Mit einer Bearbeitung von Gershwins „Strike up the band“, und einem treibenden Medley von Rock- und Pophits von „Earth, Wind & Fire“, Phil Collins und „Deep Purple“ demonstrierten die Musiker ihre enorme Bandbreite. Den Schlusspunkt setzten bekannte Melodien aus James-Bond-Filmen.

Aber der Musikverein stand natürlich nicht allein auf der Bühne. „Musik, die nie verklingt“ ist schließlich ein Gemeinschaftskonzert . Die Nachwuchsmusiker von „Next Generation“ hatten das Konzert eingeläutet. Der Männergesangverein „Eintracht“ unter Leitung von Henriette Eikenaar verabschiedete sich in „Arcobaleno“ endgültig vom Winter. Diesem eher traditionellen Lied folgte der schwungvolle Spiritual „Soon ah will be done“ und schließlich erwiesen sich die Sänger mit einer kraftvollen Serenade als charmante italienische Liebhaber. Sehr schön auch der maritime Charakter, der bei „Santiano“ durchklang.

Der Auftritt des Frauenchors „For Pleasure“ schloss sich auch thematisch gut dem Pop/Rock-Medley des Musikvereins an: „Viva la Vida“ von Coldplay (zu dem das Publikum auf Geheiß von Dirigent Karl-Heinz Höper die fünfte Stimme beisteuerte) und „Just Give Me a Reason“ von Pink sangen die Frauen frisch von der Leber weg. Besondere Klasse hatte das Medley von Adele-Titeln, das mit einem besonderen Feeling für den Soul des Originals gebracht wurde. Die Solistinnen erwiesen sich als sehr stimmstark.

Das Konzert endete mit dem Versprechen, 2015 eine Neuauflage zu liefern. Dann in einem besonderen Rahmen, denn der Musikverein Alstätte feiert sein 125-jähriges Bestehen.

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