Belinda Dokter
Neue Kraft nach Schicksalsschlag

Ahaus-Alstätte -

Als ihr Mann im Mai an einem Hirntumor starb, war Belinda Dokter vom Schmerz wie gelähmt. An Arbeiten war einige Wochen lang nicht zu denken. Eine E-Mail aus Dänemark brachte die Künstlerin schließlich dazu, neuen Mut zu fassen. Das Ergebnis können sich Interessierte am Sonntag ansehen.

Samstag, 27.09.2014, 06:09 Uhr

Es war Februar, als ihr Mann die verhängnisvolle Diagnose bekam. Ein Hirntumor . Martin Dokter kämpfte, doch er verlor. Nur drei Monate später starb er. Mit gerade mal 43 Jahren.

Der Verlust traf Belinda Dokter hart. Ein wichtiger Teil ihres Lebens war plötzlich fort. „Wir haben doch immer alles zusammen gemacht,“ sagt sie, „alles gemeinsam aufgebaut.“ Und nun war sie alleine.

Vom Schmerz gelähmt

An Arbeiten war erst einmal nicht zu denken. Der Schmerz lähmte die Künstlerin. Sie überlegte, alles aufzugeben, zurück nach Enschede zu gehen. Wie sollte sie, von der Trauer gefangen, weiter diese Skulpturen schaffen, die doch ein Inbegriff der Fröhlichkeit sind?

Doch dann kam eines Tages eine E-Mail aus Dänemark . Eine bekannte, große Galerie fragte, ob Belinda Dokter ihre Werke dort ausstellen wollte. Die Künstlerin überlegte nicht lange. Sie wollte.

Wenige Tage später reisten „ihre Frauen“ gen Norden. Und kamen nicht mehr zurück: Innerhalb kurzer Zeit waren alle Skulpturen verkauft. An Kunden aus aller Welt. Überwältigt von diesem Erfolg, beschloss Belinda Dokter, weiterzumachen. Manchmal, sagt sie, passieren nach schlimmen Dingen auch wieder gute Dinge. „Das muss man annehmen.“

Mit einer kleinen Skulptur wollte sie wieder anfangen. Sie nahm etwas Ton, weniger als sonst, und stellte die Musik in ihrem Atelier an, leiser als sonst. Doch es fühlte sich falsch an. Als wäre mit ihrem Mann auch ihre Kreativität verloren gegangen.

Ein Werk voller Gefühl

Aber dann, sagt Belinda Dokter, habe sie sich einen Ruck gegeben. Martin hätte es gewollt, dass sie weitermacht. Also drehte sie die Musik lauter, wie sie es sonst auch gemacht hatte, und nahm einen neuen Klumpen Ton. Was dabei herauskam, sei eine ihrer schönsten Arbeiten, sagt die Künstlerin. Ein Werk voller Gefühl. Sie nannte es „The First Time“ und ließ es in Bronze gießen.

Von da an fasste Belinda Dokter neuen Mut. Sie wollte gerne in Alstätte bleiben, an dem Ort, an dem sie nach dem Tod ihres Mannes auch so viel Unterstützung erfahren hatte. Also stürzte sie sich in ihre Arbeit. Ihre Galerie, die erst im Frühjahr fertig geworden war, schloss sie wieder. Die braucht sie nun nicht mehr, denn ihre Skulpturen gehen weiter nach Dänemark. Sie machte ein kleines Wohnzimmer daraus.

Kurse bringen neue Energie

Stattdessen vergrößerte sie ihr Atelier. Hell und freundlich gestaltete sie es, mit großen Fenstern und Blick auf den Garten. Gut zwölf bis 14 Leute finden dort nun Platz. Bei ihren Kursen zum Beispiel. Die gibt sie fünf Mal die Woche. Samstags bietet sie auch Ganztagsworkshops an. Erwachsene kommen zu ihr, aber auch Kinder. Belinda Dokter findet es toll, Menschen etwas beibringen zu können. Viele hätten Interesse an Kunst, aber Sorge, sie seien untalentiert. „Wenn sie dann hier rausgehen, sind sie völlig überrascht, was sie selbst geschafft haben.“ Das gibt ihr neue Energie.

Ihr Mann, da ist Belinda Dokter sich sicher, wäre stolz darauf gewesen, was sie nun geschafft hat. „Manchmal denke ich, er war es, der die E-Mail aus Dänemark losgeschickt hat.“

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