70. Jahrestag der Bombardierung Alstättes
Der Tod lauerte in den Wolken

Ahaus-Alstätte -

Der Angriff aus der Luft dauerte nur wenige Augenblicke, doch die Folgen waren verheerend. 81 Menschen, darunter 51 Alstätter ließen am 22. März 1945 bei der Bombardierung des Dorfes ihr Leben.

Samstag, 21.03.2015, 07:03 Uhr

Elf alliierte Bomber des Typs „Mitchell“, begleitet von 18 „Spitfire“ Jagd-Flugzeugen, die ihrerseits von keinerlei Feindberührung berichteten, zerstörten vor 70 Jahren große Teile Alstättes .

Dabei war der Zweite Weltkrieg schon fast vorbei, als das Handwerkerdorf ins Visier der alliierten Streitkräfte geriet. Als Hintergrund für die Bombardierung vermuten Historiker die im Münsterland und den östlichen Niederlanden befindlichen Abschussrampen für V1- und V2-Raketen, mit denen die Nationalsozialisten zunächst aus Frankreich unter anderem London anvisierten. Da die Raketen in den Zielorten erst spät erkannt und nicht abgefangen werden konnten, verbreiteten sie trotz verhältnismäßig geringer Wirkung Angst und Schrecken. Über 10 000 dieser Raketen wurden alleine auf England abgeschossen. Aus dem Münsterland waren die Ziele gegen Ende des Krieges aufgrund der beschränkten Reichweite hauptsächlich die Verkehrszentren in Lüttich, Brüssel und Antwerpen.

Bei Alstätte befand sich ein Pufferlager für die deutschen Stellungen in den Niederlanden und in Heek. Aufgrund der guten Eisenbahnanbindung wurden von hier aus unter anderem Abschusseinrichtungen in der Twente versorgt. Über verschiedene Spionagenetzwerke wussten die Alliierten davon. Ein direkter Zusammenhang zwischen Alstättes Rolle als Pufferlager und der Bombardierung am 22. März 1945 konnte jedoch nie durch Dokumente belegt werden. Zumal das heutige Handwerkerdorf auch in einem Angriffskorridor liegt, der von der englischen Luftwaffe mit Präventivschlägen für den Einmarsch von Bodentruppen vorbereitet wurde.

Gänzlich unerwartet kam der Bomberangriff auf Alstätte an jenem Märzmorgen jedenfalls nicht. Bereits einen Tag zuvor wurden Stadtlohn und Vreden von Bomberstaffeln verwüstet. Einige wenige Alstätter verließen, veranlasst durch eine am Vortag von einem „Schwarzsender“ herausgegebene Warnung das Dorf und versteckten sich in den Wäldern und Bauernhöfen ringsum. Diese Entscheidung rettete ihnen womöglich das Leben. Denn um 10.22 Uhr überzogen die „Mitchell“-Bomber das Dorf mit über 80 todbringenden Fliegerbomben. Je nach historischer Quelle ist von 20 bis 44 Tonnen Bombenmaterial die Rede, das über dem Dorf ausgeklinkt wurde.

23 Häuser mit 48 Wohnungen lagen nach dem Angriff in Trümmern, weitere 15 Häuser hatten großen Schaden erlitten. Die Gebäude in der Kirchstraße, der Langen Straße, der Friedhof-straße, sowie der Bahnhof existierten von einem Moment auf den anderen nicht mehr. Überall stiegen Rauchsäulen empor. Von der Pfarrkirche war nur noch ein Skelett übrig. „Das Dach war ganz abgedeckt, das Gewölbe eingestürzt, die linke Seitenwand vollständig abgerissen, die Bänke auch zum größten Teil zerstört“, heißt es in der Kirchenchronik.

Die örtliche Schule war kurz vor dem Angriff evakuiert worden. Sonst hätte es vermutlich noch mehr Tote gegeben als ohnehin schon. Glück im Unglück hatten zudem die vielen Verletzten. Das leicht abseits gelegene Krankenhaus hatte den Bombenabwurf im Gegensatz zu den Krankenhäusern in Vreden und Stadtlohn nahezu unbeschadet überstanden. Lediglich ein paar Fensterscheiben waren zersplittert. Doch der Arzt konnte die vielen Verwundeten noch mit den vorhandenen Mitteln medizinisch versorgen und sogar operieren.

Denjenigen, die im Sterben lagen, spendeten Vikar Depenbrock und Pater Termathe die Krankensalbung und den Toten die letzte Ölung. Sie wurden einen Tag später in einem Massengrab beigesetzt. Seit 1950 schmückt eine Reliefskulptur die Massengräber auf dem Friedhof, die letzte Ruhestätte der Bombenopfer.

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