Ludger Niemeier, Dirigent des Musikvereins, im Porträt
„Alle sind auf Zack“

Ahaus-Alstätte -

Ludger Niemeier ist leidenschaftlicher Dirigent des Musikvereins Alstätte. Zum Jubiläum des Vereins blickt er auf eine fast 40-jährige Amtszeit zurück, spricht über musikalische Vorlieben und äußert einen Wunsch.

Samstag, 13.06.2015, 08:06 Uhr

Mit Taktstock und einem Lächeln: Dirigent Ludger Niemeier.
Mit Taktstock und einem Lächeln: Dirigent Ludger Niemeier. Foto: Feldhaus Fotografen

Wenn Ludger Niemeier bei Auftritten des Musikvereins Alstätte vor seine Musiker tritt, umspielt fast immer ein Lächeln seine Lippen. Ein Lächeln, das eine gewisse Anspannung verrät – vor allem aber auch Vorfreude auf das, was er und seine Männer präsentieren werden. Denn den Dirigenten zeichnet eine große Leidenschaft für Musik aus. Und diese Leidenschaft ist ihm Anreiz, das Beste aus sich und dem Orchester herauszuholen. Seit 1977 teilte er sich für 18 Jahre das Dirigat mit seinem Vater Johann. 1995 wurde er alleiniger „Chef“ der über 80 Musiker.

„Die Liebe zur Musik hatte ich immer schon“, erzählt Ludger Niemeier. Der Bezug zum Dirigieren war familiär vorgegeben. „Ich habe meinen Vater als Kind oft zu den Proben begleitet.“ Das prägte. Aber zunächst wurde er selber praktizierender Musiker. Gleich drei Instrumente lernte er: Trompete, Klavier und Schlagzeug. „Das sollte sich später als ideal für meine Aufgaben als Dirigent erweisen. Denn ich weiß, wo die Herausforderungen bei den Blasinstrumenten liegen; durchs Klavierspielen bekam ich viel Wissen über Harmonik, und durch das Schlagzeugspielen wurden mir die Möglichkeiten und Grenzen dieser Instrumentengruppe klar.“ Ausgezeichnete Voraussetzungen für einen künftigen Dirigenten.

Pädagogisches Geschick

Aber gehört nicht auch pädagogisches Geschick dazu? Gewiss. Da profitierte er von den Erfahrungen mit seinem Vater und den eigenen Lehrern, die ihm auch im pädagogischen Bereich ein großes Vorbild wurden. „Ich hatte zum Beispiel einen tollen Trompetenlehrer.“ Rüstzeug erhielt er außerdem bei Lehrgängen. „Mitte der 70er-Jahre war ich auf einem dreiwöchigen Kurs am Bodensee “, erinnert er sich schmunzelnd. „Ich war der einzige Westfale, die anderen Teilnehmer kamen alle aus Schwaben. Ich brauchte eine Woche, bis ich die überhaupt verstanden habe“, schmunzelt er. Zum Glück sprach wenigstens der Dozent Hochdeutsch . . .

In jene Zeit fällt auch sein „Gastspiel“ bei den Glanerbrugger Musikanten, mit denen er sogar Platten aufnahm und in einer volkstümlichen Sendung im ZDF auftrat. „Mein Vater war damals völlig baff, als ich ihn anrief, als die Sendung im Fernsehen lief.“

1978 fungierte Ludger Niemeier erstmals beim Konzert in der Ahauser Stadthalle als Dirigent. Bis 1994 übernahmen Vater und Sohn je eine Hälfte des Musikverein-Parts bei der „Musik, die nie verklingt“. Vater Johann dirigierte die klassischen Stücke, Sohn Ludger die modernen.

Gab es nie Differenzen zwischen den beiden? „Nein. Mein Vater hat nie Einfluss auf meinen Stil und meine Richtung genommen. Und nur beim großen Zapfenstreich habe ich ihn um Rat gebeten, weil er mir da wirklich weiterhelfen konnte.“

Moderner Einschlag

Ludger Niemeiers Interesse an Big-Band-Musik führte 1977 zur Gründung der Nico-Mey-Big Band. Auch auf den Sound des Musikvereins hatte der Geschmack des jungen Dirigenten Auswirkungen. Er öffnete sich moderneren Stilrichtungen. „Das hat durchaus zu Diskussionen im Verein geführt“, erinnert er sich. Die moderneren Stile bedeuteten für die Musiker eine Umstellung. Für Synkopen muss man erst mal ein Gespür entwickeln. Doch der Erfolg gab ihm letztlich Recht.

„Es war damals oft nicht einfach, an die Noten von Stücken heranzukommen, die mich interessieren“, erinnert sich Niemeier. Heutzutage ist übers Internet fast alles erhältlich. Doch an die Arrangements so mancher Kompositionen, die er einstudieren wollte, kam er erst nach langer Suche. Manchmal musste er sie sich sogar aus den USA besorgen, und lagen die Partituren nur als Manuskript vor.

Alleiniger Entscheidungsträger

Über die Zusammenstellung des Programms entscheidet er übrigens alleine. Keine einfache Aufgabe. Er hört viel Musik. CDs und im Internet. Und er liest Fachliteratur. „Maßgeblich ist für mich, ob ein Stück gut arrangiert ist. Dann muss ich auf die Schwierigkeitsstufe achten. Wir gehen im Verein schon an die Grenzen des Machbaren, aber wenn ich ausschließlich Stücke der Höchststufe aussuchen würde, wären die Musiker überfordert. Dann würde ihnen das Musikzieren keinen Spaß mehr machen.“

Um die 50 Stücke kommen vor einem Konzert in die engere Auswahl. Als Beraterin fungiert in dieser Phase seine Ehefrau, die ihn sozusagen als Stellvertreterin des späteren Publikums auch bei der Reihenfolge der Titel wertvolle Tipps gibt.

Niemeier übernimmt eine hohe Verantwortung, indem er alleine die Auswahl trifft. „Wenn es schief geht, nehme ich das natürlich auf meine Kappe. Aber bislang hat‘s eigentlich immer geklappt.“

Harte Probenarbeit

Bei den Proben versucht er, ein Klangideal zu verwirklichen, das er im Kopf hat. Die langen Kompositionen werden in mehreren Abschnitten einstudiert. „Es ist ein regelrechtes Puzzle. Es ist schon vorgekommen, dass ein Titel erstmals bei der Generalprobe an einem Stück gespielt wurde.“

Die Musiker kommen einmal wöchentlich am Sonntagvormittag zur Probe zusammen. In der heißen Phase, in den sechs Wochen vor den Konzerten, steigt die Zahl der Proben. Montags, mittwochs, freitags, Registerproben – da wird es dann durchaus zeitintensiv. Für ihn, aber auch für die Musiker, die ja auch regelmäßig außerhalb der Orchesterproben zu Hause im (dann nicht mehr so) stillen Kämmerlein üben müssen.

Ist er nervös vor den Konzerten? Ein wenig Anspannung ist da. „Aber ich weiß, was wir draufhaben“, sagt Ludger Niemeier. Dennoch ist es spannend, ob die Musiker die schwierigen Passagen schaffen. „Je schwerer die Stücke, desto besser klappt es“, ist seine Erfahrung.

Qualität braucht Zeit

Das Orchester entwickelt sich immer weiter. Auf eine Weise, dass Niemeier sich an Arrangements wagen kann, die er den Musikern vor einigen Jahren noch nicht zugemutet hätte. „El camino real“ von Alfred Reed zum Beispiel war eine Komposition, deren Realisierung er erst im vergangenen Jahr erfolgreich umsetzte. Für ihn ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

Das Instrumentarium wurde im Lauf der Zeit ebenfalls immer umfangreicher. Auch der Wunsch nach Röhrenglocken („um den Klang des Orchesters abzurunden“) konnte vor einigen Jahren erfüllt werden. Zwei Vereinsmitglieder fuhren extra zu einer Instrumentenmesse nach Ludwigsburg. Dort konnten sie die Röhrenglocken als Ausstellungsstück nämlich gleich ein ganzes Stück günstiger bekommen . . .

In jedem Konzert gibt es einige Soli. „Die Kandidaten spreche ich jeweils an. Ich stelle ihnen das in Frage kommende Stück vor und gebe ihnen Bedenkzeit.“ Selten, dass da jemand absagt. . .

Als Dirigent muss man hinter dem ganzen Orchester stehen. Auch in der Phase – meistens zur Hälfte der Probenzeit – wenn man den Eindruck hat, es geht irgendwie nicht weiter. Über diesen toten Punkt muss der Dirigent die Musiker hinwegbringen. Durch gutes Zureden, durch Anspornen.

Wunschlos glücklich

„Es ist schon ein toller Verein“, resümiert Niemeier. „Die sind alle voll auf Zack .“ Vor allem den Vorstand hebt er hervor. „Die machen ihren Job wirklich klasse.“ So gut dass ihm – gefragt, ob er sich denn im Bezug zum Musikverein etwas wünsche – erst mal gar nichts einfällt. Was will man auch: Der Verein ist lebendig, Musiker unterschiedlicher Altersklassen und mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund machen mit. Das Interesse ist weiterhin groß: Mindestens 20 junge Menschen stehen auf der Warteliste.

Ach, und dann fällt ihm doch noch ein Wunsch ein: Ein Marimbaphon, das wär‘s noch. Aber wenn, dann ein qualitativ gutes. Damit es zum Niveau des Orchesters passt. . .

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