Bittlinger-Konzert
Wenn die Seele klingt

Ahaus-Alstätte -

Der Priester steht am Altar, als plötzlich das Mikrofon ausfällt. Er ruft dem hinten in der Kirche stehenden Küster zu: „Mit der Lautsprecheranlage stimmt etwas nicht.“ Die Gemeinde, die etwas anderes verstanden hat, antwortet: „Und mit deinem Geiste.“

Montag, 21.09.2015, 06:09 Uhr

Ganz bei sich: Clemens Bittlinger beim Vortragen des Liedes „Du bist ewig“ aus seiner CD „Perlen des Glaubens“, rechts im Hintergrund Percussionist David Kandert.
Ganz bei sich: Clemens Bittlinger beim Vortragen des Liedes „Du bist ewig“ aus seiner CD „Perlen des Glaubens“, rechts im Hintergrund Percussionist David Kandert. Foto: Monika Haget

Diese und viele weitere kleine Geschichten mit Witz und Humor erzählte kein Geringerer als der evangelische Pfarrer Clemens Bittlinger im Verlauf seines Konzertes am Freitagabend in der St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche. Die war voll besetzt, alle wollten den engagierten Liedermacher mit seinem neuen Konzert „Atem, Klang der Seele“ erleben.

Manche Menschen würden glauben, Kirche und Humor passten nicht zusammen, sagte Bittlinger, aber Evangelium hieße „Frohe Botschaft“, und wie solle die verkündet werden, wenn es keinen Humor gäbe. Mit fröhlichen, lebensbejahenden Liedern unterstrich er diese Einstellung nachhaltig.

Gleich zu Beginn forderte er die Gäste zum Mitsingen auf, die Texte konnten von einer Leinwand abgelesen werden. Unterstützung gab der Frauenchor „For Pleasure“, der sämtliche Lieder einstudiert hatte und sie stimmgewaltig zu Gehör brachte. Bittlinger lobte die Alstätter Frauenpower, seien es doch zudem ausschließlich Frauen, die den Abend vorbereitet hätten. Zum fünften Mal hatten die, allen voran Marion Vogelsang , den Pfarrer nach Alstätte geholt. „Es fühlt sich schon ein bisschen wie Heimat an“, meinte Clemens Bittlinger in seiner Begrüßung.

Dann nahm er die Anwesenden mit auf eine musikalische Reise durch viele verschiedene Themengebiete. Er sang ein Lob auf das Ehrenamt und ging auf die Flüchtlingssituation ein: „Es gibt keine Fremden, sondern nur Freunde, die du noch nicht kennengelernt hast“, sagte er und stimmte das Lied „Öffnet den Kreis weit“ an. Die Abhängigkeit von Smartphone und Facebook thematisierte er mit dem aktuellen Song „Gefällt mir“. Und einen weisen Spruch gab es obendrein: „Freunde und Diamanten haben eines gemeinsam: Erst wenn man sie aus der Fassung bringt, erkennt man ihren Wert.“

Beim Titel „Wenn wir miteinander singen, fängt die Seele an zu schwingen“, übertönte das kraftvolle Orgelspiel des Schweizer Musikers David Plüss ein bisschen den Gesang. Ein kleiner Wermutstropfen, auch drang aus akustischen Gründen nicht immer das gesprochene oder gesungene Wort verständlich bis in die hinteren Reihen.

Ganz leise wurde es dann aber, als Bittlinger aus seinem Album „Perlen des Glaubens“ den Titel „Du bist ewig“ sang. Für Gänsehautmomente sorgte auch ein Stück, bei dem Matthias Doer­sam Saxofon spielend langsam durch die Gänge lief. Das Ertönen des Instrumentes mal näher, mal weiter entfernt, dazu die klangvolle Stimme Bittlingers – eindrucksvoll!

Am Ende gab es stehenden Beifall für ein mitreißendes Konzert. Ganz an den Schluss stellte Clemens Bittlinger als Zugabe das stimmungsvolle „Sei behütet“. Dafür bat er die Gäste, sich an den Händen zu halten, auch über die Gänge hinweg. Fast alle konnten den Text mitsingen. Es war ein sehr besonderer Moment und ein schöner Abschluss eines Konzertes, das berührte und tatsächlich die Seele zum Klingen brachte.

  Foto: Monika Haget

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