Red Dot Award
Ringe auf den Punkt gebracht

Ahaus-Alstätte -

Wovon andere ihr Leben lang nur träumen, ist Jutta Ulland schon in jungen Jahren gelungen.

Samstag, 24.10.2015, 08:10 Uhr

Goldschmiedin Jutta Ulland in ihrer Werkstatt.
Goldschmiedin Jutta Ulland in ihrer Werkstatt. Foto: Rupert Joemann

Der Goldschmiedin und Schmuckgestalterin wurde von einer internationalen Jury ein „roter Punkt“ verliehen, ein Red Dot Award. Der Preis gilt als einer der weltweit wichtigsten Designer-Auszeichnungen. Die vier Goldringe ihrer Serie sind ein Jahr lang im Red-Dot-Design-Museum in der Essener Zeche Zollverein ausgestellt.

Doch annehmen konnte die Alstätterin den renommierten Preis selbst gar nicht. Aus einem schönen Grund: Die 29-Jährige brachte ihre Tochter Luise zu der Zeit zur Welt. Sie dürfte ihre Ringe sogar in Tokio ausstellen. „Das fällt natürlich jetzt auch aus“, sagt die junge Mutter lächelnd. Leid tut ihr das offensichtlich nicht. Es gibt halt noch Schöneres im Leben als schönen Schmuck .

Seit 2010 arbeitet Jutta Ulland selbstständig. Nach ihrer Ausbildung bei Niessing in Vreden und einer Station bei Engels in Ahaus schloss sie ihre Meisterprüfung ab. Anschließend bildete sie sich in Pforzheim weiter zur Schmuckgestalterin.

Jutta Ulland kramt in einer kleinen Kiste. Die ganze Kiste ist voll mit weißen, zusammengeklebten höchstens ein Zentimeter schmalen Zettelchen – ihre ersten Entwürfe. Ihre erste Kollektion lehnte sich an die Natur an. In der zweiten Kollektion sollten die Schmuckstücke kreisrund sein. „Rund ist vollkommen und harmonisch“, begründet sie ihre Entscheidung.

Die Ringe von Jutta Ulland, die mit dem Red Dot Award ausgezeichnet wurden.

Die Ringe von Jutta Ulland, die mit dem Red Dot Award ausgezeichnet wurden. Foto: Rupert Joemann

Wichtig ist der 29-Jährigen, die vor fast zwei Jahren mit ihrem Mann Werner ein Haus in Alstätte bezog, eine individuelle Gestaltung. Die Award-Ringe zum Beispiel scheinen keinen Anfang und kein Ende zu haben. Auf den ersten Blick ist nicht einmal klar, wie herum die Ringe angesteckt werden. „Das sind eher Stücke für Ausgeh-Anlässe“, sagt die junge Mutter.

Beim Entwerfen fängt Jutta Ulland mit dem Anhänger an. Dann kommen die passenden Ohrstecker und ganz zum Schluss die Fingerringe. „Ich möchte nicht einen einfachen Ring mit einem Stein oben drauf machen. Es muss tragbar sein, aber was haben“, beschreibt sie ihre Philosophie. Ein wenig stolz ist die 29-Jährige, wenn sie Frauen mit ihrem Schmuck sieht.

Ihre Ideen entwickelt sie häufig beim Spazierengehen. Anschließend wird mit Papier „ausgetestet, was man machen kann“. Die volle Kiste zeigt, dass das nicht mal so nebenbei geschieht. Hat sich die Goldschmiedin für ein Modell entschieden, wird erst einmal ein Probeexemplar aus Messing angefertigt. Das ist schließlich viel günstiger als das sonst verwendete 750er-Gold.

Selbst dann kommt es noch vor, dass sie die Idee verwirft. „Manchmal sieht das in Metall blöd aus“, erzählt Ulland. Erst wenn alles passt, verwendet sie Geld- und Weißgold oder 925er-Silber. Noch hochwertigeres 900er-Gold verarbeitet die Alstätterin ganz bewusst nicht. Es ist ihr zu weich zum Tragen. „Da kommen schnell Macken rein und es verbiegt sich schneller.“

Ihre Ringe haben keine Macken. „Diese Ringe bezaubern mit ihrer zarten, verschlungenen Gestaltung, die je nach Perspektive immer wieder anders und neu wirkt“, begründet die Jury die Auszeichnung.

Dass Jutta Ulland daran überhaupt teilgenommen hat, ist eher ein Zufall. Erst als sie erfuhr, dass junge Designer in ihren ersten fünf Jahren der Selbstständigkeit kostenlos daran teilnehmen dürfen, reichte sie ihre Stücke ein. „Sonst ist die Teilnahme und das Verwenden des Red Dot-Logos teuer“, sagt die Goldschmiedin. Doch diesen besonderen „roten Punkt“ nimmt Jutta Ulland niemand mehr.

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