Enver Gürbüz von der Türkisch Islamischen Kulturgemeinde tritt Vorurteilen entgegen
„Mit dem Islam hat das nichts zu tun“

Ahaus -

Ob Paris oder Köln – für Enver Gürbüz sind das verurteilenswerte Taten. Ohne Wenn und Aber. Mit Religion, mit dem Islam, habe das aber nichts zu tun, sagt der Ahauser Geschäftsmann und Vorsitzende der Türkisch Islamischen Kulturgemeinde (Aksa-Moschee). „Das verstößt gegen jede Religion“, sagt er.

Donnerstag, 21.01.2016, 07:01 Uhr

Nicht nur in der Ahauser Moschee rücken sie enger zusammen: Brigitte Watermeier (l.), Enver Gürbüz (2.v.l.), Thomas Frank (4.v.l.), Imam Ismail Cayiroglu (5.v.l.) und Mitglieder der Türkisch Islamischen Kulturgemeinde.
Nicht nur in der Ahauser Moschee rücken sie enger zusammen: Brigitte Watermeier (l.), Enver Gürbüz (2.v.l.), Thomas Frank (4.v.l.), Imam Ismail Cayiroglu (5.v.l.) und Mitglieder der Türkisch Islamischen Kulturgemeinde. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

In der Flüchtlingsfrage, spätestens aber seit den dramatischen Ereignissen in der Silvesternacht in Köln, sieht sich Gürbüz aber wie auch seine Glaubensbrüder und -schwestern in der Rechtfertigungsposition. Rund 2700 Muslime gehören aktuell zur muslimischen Glaubensgemeinschaft in Ahaus.

Darunter sind zahlreiche wie Enver Gürbüz mit deutschem Pass und seit vielen, vielen Jahren in Deutschland zu Hause. „Wir sind hier Nachbarn, Bekannte, Kollegen geworden und waren von den schrecklichen Ereignissen genauso betroffen wie alle anderen.“

Dass die muslimische Religion ein erzkonservatives Frauenbild pflege und damit die „Nährlösung“ sein könnte für die sexuell motivierten Taten am Kölner Hauptbahnhof, lässt Gürbüz nicht gelten: „Jede Frau ist Gottes Geschöpf, ein Mensch, und die Würde des Menschen ist auch nach dem Koran unantastbar.“ Angriffe gegen Frauen würden auch in Istanbul geahndet, wie er gerade im türkischen Fernsehen habe verfolgen können, berichtet Gürbüz.

Der Deutsche mit türkischen Wurzeln – er selbst spricht von Vater- und Mutterland – ist aber auch Realist. „Die Mehrheit der Flüchtlinge braucht Schutz, aber natürlich sind unter ihnen auch Menschen, die die Situation ausnutzen“, sagt er und fügt hinzu: „Wie eben in jeder Kultur, in jeder Nationalität.“

Für ihn gilt die Devise, die er auch bei den vielfältigen Begegnungen mit Flüchtlingen immer vertritt: „Das Land, in dem wir leben, ist unsere Heimat. Wir haben die Verpflichtung, die Sprache zu lernen und die Rechtsgrundlagen des Landes anzuerkennen.“ Integration ist für ihn daher eine Kombination aus gesellschaftlicher, aber auch privater Verantwortung.

Angesichts wachsender Vorurteile gegenüber Muslimen sieht er aber auch eigene Versäumnisse. Tage der offenen Tür in der Moschee, Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten bei Stadtfesten und mehr – das allein reiche wohl nicht mehr aus. Geplant sind daher künftig noch mehr Angebote zu religionsübergreifenden Begegnungen. Vieles sei in Ahaus schon erfolgreich umgesetzt, wie die Zusammenarbeit mit Feuerwehr oder DLRG, aber: „Wir müssen uns noch stärker öffnen, noch mehr miteinander ins Gespräch kommen.“

Jüngstes Projekt, bei dem sich Enver Gürbüz und „seine“ Gemeinde einbringen wollen, ist die Betreuung von unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen. Das Konzept von Kreisjugendamt Borken und Evangelischer Jugendhilfe Münsterland wurde gerade in Gescher vorgestellt. Für Gürbüz ist dies sein Beitrag für das Allgemeinwohl, dem er sich verpflichtet sieht.

„Sie sind zwischen zwölf und 18 Jahren alt und brauchen vielfältige Betreuung“, sagt Brigitte Watermeier (Kreisjugendamt Borken). Gemeint sind „unbegleitete“ Flüchtlinge. Gemeinsam mit Thomas Frank von der Ev. Jugendhilfe hat Watermeier ein Konzept entwickelt. Erster Schritt: Eröffnung einer Klärungsgruppe für acht Flüchtlinge in der Blommelstraße am 15. Februar. Außerdem werden Pflegefamilien gesucht. Kontakt: frank@ev-jugendhilfe.de oder b.watermeier@kreisborken.de.

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