Schäferei Moorhof öffnete Tore
Flaschenkinder, Filz und Führung

Graes -

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ – heißt für den Schäfertag auf dem Moorhof in Graes: Wer rechtzeitig den Weg in den Stall gefunden hatte, wurde am Sonntagmorgen noch Zeuge der Geburt eines kleinen Lämmchens. Eines der letzten aus der Herde, die mit über 850 Tieren (400 Schafen und 450 Lämmern) für dieses Jahr nun fast komplett.

Montag, 10.04.2017, 08:04 Uhr

Alle zwei Jahre öffnet die Biologische Station die Tore der Schäferei Moorhof, „um den Menschen die Schäferei und alles, was damit zusammenhängt, ein wenig näher zu bringen“, so stellvertretende Geschäftsführerin Elke Happe.
Alle zwei Jahre öffnet die Biologische Station die Tore der Schäferei Moorhof, „um den Menschen die Schäferei und alles, was damit zusammenhängt, ein wenig näher zu bringen“, so stellvertretende Geschäftsführerin Elke Happe. Foto: Susanne Menzel

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ – heißt für den Schäfertag auf dem Moorhof in Graes: Wer rechtzeitig den Weg in den Stall gefunden hatte, wurde am Sonntagmorgen noch Zeuge der Geburt eines kleinen Lämmchens. Eines der letzten aus der Herde, die mit über 850 Tieren (400 Schafen und 450 Lämmern) für dieses Jahr nun fast komplett ist.

Alle zwei Jahre öffnet die Biologische Station Zwillbrock die Tore in der Schäferei Moorhof, „um den Menschen die Schäferei und alles, was damit zusammenhängt, ein wenig näher zu bringen“, erklärt Elke Happe , stellvertretende Geschäftsführerin der Biologischen Station Zwillbrock. Und in diesem Jahr hatten die Organisatoren besonderes Glück: Das Wetter hätte besser nicht sein können, viele der Tiere waren erst ein paar Tage alt und entlockten so den großen wie den kleinen Gästen mehr als einmal den Seufzer: „Nein, was sind die süüüüß.“

Die Stations-Helfer hatten auch gerade die Schaustände und die Spielstationen aufgebaut, als bereits um kurz vor 10 Uhr die Besucher mit der Fiets heranradelten. Der erste Gang führte zunächst in den Schafstall. Begrüßt von einem Blöken in allen Tonlagen gab es hier jede Menge Tiere anzuschauen – und natürlich zu streicheln. Schäfer Patrick Schudnagis, seit zwölf Jahren in Diensten am Moorhof, kam gar nicht schnell genug nach, alle Fragen zu beantworten. Etwa die, warum einige der kleinen Lämmer bunte Farbtupfer auf dem wollig-weißen Fell haben. „Das sind Lämmer, die von uns in die Flaschengruppe einsortiert wurden. Entweder, weil die Mütter sie verstoßen haben, oder deshalb, weil sie mit einem Zwilling zur Welt gekommen sind und die Mutter für beide nicht genug Milch geben kann.“ Wie im Kindergarten werden die kleinen Vierbeiner dann halt aufgeteilt. Und jede Lämmergruppe hat statt einem Namen eine bunte Markierung.

Die Flaschenkinder waren es dann auch, die die Herzen der Kids höher schlagen ließen. Einzeln holte sie Patrick Schudnagis aus dem Stall und brachte sie in ein außen liegendes Gehege. Dort konnten die Mädchen und Jungen die „Flaschenkinder“ selbst füttern. Ein Erlebnis, das sich kaum ein Kind entgehen lassen wollte. Wie etwa der zweieinhalbjährige Leonard: „Er trinkt morgens selbst die Milch noch aus der Flasche“, lachte seine Mutter und unterstützte ihren Sohn tatkräftig dabei, dem zappelnden Lämmchen den Sauger ans Maul zu halten.

Die Flaschenkinder hatten es den Besuchern besonders angetan.

Die Flaschenkinder hatten es den Besuchern besonders angetan. Foto: Susanne Menzel

Wer darüber hinaus den Tag noch weiter in der freien Natur genießen wollte, hatte an der Schäferei dazu am Sonntag reichlich Auswahl. Während die Kinder auf einem Strohballen herum hüpften und ihn schnell in seine Einzelteile zerlegt hatten, probierten die Großen gerne einmal vom Schafsgulasch und der Schafswurst. Zum Thema Schafswolle wurden gefilzte Produkte präsentiert – und auch das Spinnen selbst war nicht nur für die Frauen von Interesse.

Schäfer Patrick Schudnagis mit einem gerade geborenen Lamm.

Schäfer Patrick Schudnagis mit einem gerade geborenen Lamm. Foto: Susanne Menzel

Viele machten sich anschließend zudem bei den Führungen mit auf den Weg durchs Moor. In wenigen Tagen wird ein Teil der Herde dorthin nach draußen getrieben, wo die Tiere dann als nützliche Rasenmäher für die Verjüngung der Heidelandschaft sorgen. „Die Arbeit, die die Schafe dort leisten, kann keine Maschine ersetzen“, erklärte Schäfer Patrick Schudnagis. „Die Moorschnucken sind von der Statue her besonders klein – und an nährstoffarmes Futter, wie es die Region hier bietet, gewöhnt.“ Auf den abgetorften hügeligen Mooren, die sich schon längst nicht mehr in ihrem natürlichen Zustand präsentieren, wachsen vielfach Birken und Pfeifengras statt der erwünschten Heide. Patrick Schudnagis: „Diesen Bewuchs fressen die Tiere kahl, beziehungsweise herunter, und dadurch kommt wieder Licht an die Erdoberfläche. Die natürlichen Pflanzen erhalten so wieder die Chance zu wachsen.“

Für den vierjährigen Lucas waren diese Infos allerdings nebensächlich: „Ich fand es am Schönsten, mal ein Lamm im Arm zu halten und das ganz flauschige Fell zu streicheln“, lächelte der junge Besucher selig.

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