Zeltfestival Karpaten
Feiern auf 5500 Quadratmetern

Alstätte -

Karpaten – das Zeltfestival gibt es seit nunmehr 55 Jahren. Veranstalter sind die Familien Ellerkamp und Niemeier aus Alstätte, die eigens eine GmbH dafür gegründet haben. Gefeiert wird sieben Mal zwischen Ostersamstag und dem 13. Mai.

Mittwoch, 12.04.2017, 07:04 Uhr

Bevor die Partygäste in den Zelten feiern, müssen die Veranstalter zahlreiche Vorbereitungen treffen.
Bevor die Partygäste in den Zelten feiern, müssen die Veranstalter zahlreiche Vorbereitungen treffen. Foto: Rupert Joemann

Karpaten ? Wer im westlichen Münsterland groß geworden ist, dem fällt dazu noch vor dem Hochgebirge das Zeltfest ein. Zwar ist an der ehemaligen Gaststätte Karpaten Jans elf Monate lang ebenso wenig los wie im Gebirge, aber die restliche Zeit geht die Post ab.

An diesem Abend merkt man noch nicht viel davon. Stefan Herbers steht inmitten der menschenleeren Zeltstadt. Dort, wo in den nächsten Wochen vermutlich insgesamt mehr als 40 000 Menschen bei Livemusik feiern.

Der 37-Jährige schildert, was für ein Aufwand betrieben wird, damit in der Wildnis die Party abgeht. Begonnen hat alles 1962. Ein Herr Ellerkamp und ein Herr Niemeier bauten für den Tanz in den Mai und den 1. Mai ein gut 200 Quadratmeter großes Zelt am Ausflugslokal auf. Stefan Herbers: „Dann kam eine Kapelle rein und man suchte eine Heidekönigin. Dabei gab’s eine Art Schützenfest.“

Die Zeltfläche wuchs über die Jahre und Jahrzehnte. In den 80ern kam ein zweites Zelt dazu. In den 90ern wurde Karpaten landesweit bekannt und wuchs weiter. Heute bietet das Zeltfestival eine Feierfläche von gut 5500 Quadratmetern.

Der Aufbau beginnt etwa zwei bis drei Wochen vor dem Auftakt. Start ist am 15. April. Noch ist also Ruhe vor dem Sturm. Das wird daran deutlich, dass in einer Zeltecke noch etliche Rollen Teppichboden eingepackt liegen. Dabei ist nach Karpaten vor Karpaten.

„Wir planen das ganze Jahr“, sagt Stefan Herbers. Er wurde im Jahr 2000 gefragt, ob er das Familien-Unternehmen bei den Karpaten nicht unterstützen wolle. Herbers, damals Landjugendvorsitzender, wollte natürlich. „Ich war im passenden Partyalter.“ Neben der Feierei blieb auch noch Zeit für Zwischenmenschliches.

Stefan Herbers lernte im Rahmen des Zeltfestes eine Niemeier-Tochter kennen, später wurde geheiratet. Herbers ist nun Teil des Familien-Unternehmens und lobt den Zusammenhalt der Ellerkamps und Niemeiers. Ohne den sei eine solche Großveranstaltung über nun schon mehr als fünf Jahrzehnte nicht reibungslos über die Bühne zu bringen.

Wenn die Familie zusammensitzt – sei es bei einer Taufe oder einer Kommunion –, dann geht am Thema Karpaten kein Weg vorbei. Die Ellerkamps und die Niemeiers machen sich Gedanken übers Verbessern. „Der eine hat hier was Neues gesehen, der andere dort.“ Neu ist in diesem Jahr zum Beispiel, dass die Seitenwände der Zelte deutlich höher sind. „So lässt es sich noch schöner feiern.“ Auch bei den Lichteffekten gibt es Neuerungen. Damit Tausende Gästen sich bei Karpaten wohlfühlen, haben alle Familienmitglieder ihre Schwerpunkte.

Der eine kümmert sich um die Theken, der andere um die Stromversorgung, der nächste um die Toiletten. Bei Zusammenkünften berichten alle aus ihren Abteilungen. „Wenn der Elektriker sagt, er braucht 1000 Meter Stromkabel, dann erklärt er warum, und dann wird gekauft.“

Um mehr als 5000 Quadratmeter Zeltfläche mit diversen Bühnen und Theken zu beleuchten und die Technik mit Strom zu versorgen, ist schon eine gewisse Stromlogistik erforderlich. „Allein für die Bühne im Livezelt brauchen wir fünf Mal 63-Ampere-Sicherungen.“ Dass das Stromnetz zusammenbricht, davon geht Stefan Herbers nicht aus. „Das erste, was hier zusammenbricht, ist das Handynetz.“ Dafür können die Ellerkamps und Niemeiers aber nun wirklich nichts.

Ein paar Tage vor dem Start, steht Stefan Herbers da eigentlich unter Strom? „Alle sind bis in die Haarspitzen motiviert“, antwortet er. „Das setzt Energie und Kraft frei.“

Ein bisschen Kraft ist auch vonnöten, um die kilometerlangen Strom-, Wasser- und Bierleitungen zu verlegen. Stefan Herbers hebt eine Bodenabdeckung hoch. Die darunter liegende Bierleitung ist aus Kunststoff und daumendick.

Das mit dem Bier ist auch so eine Sache. Der Gerstensaft fließt von einer zentralen Kühlwagenstation zu den einzelnen Zapfanlagen. Zwölf Fässer hängen gleichzeitig an der Leitung. Entwickelt hat die Technik die Familie Ellerkamp, die einen Bierverlag führt. Stefan Herbers: „Sogar von der Arena Auf Schalke waren Leute hier und haben sich unsere Biertechnologie angesehen.“

Ansehnlich ist auch die Bandbreite an Musik, die bei Karpaten gespielt wird. Worauf Stefan Herbers besonderen Wert legt, ist die Livemusik. „Das zeichnet das Zeltfestival aus. Hier spielen Bands, die weltweit unterwegs sind. Eine Band kommt direkt aus Dubai zu uns und fliegt nach dem Auftritt weiter nach Curaçao.“

Gespielt wird, was gefällt. „Die Leute stehen jetzt wieder auf Schlager. Der hatte zwischenzeitlich kein gutes Image.“ Herbers erinnert an die Mallorca-Szene, Party-dominierend in den Jahren zwischen 2005 und 2010. „Wenn sie da Mickie Krause gebucht hatten, war die Bude garantiert voll.“ Dann kam die Zeit der Dance-Charts-Bands und heute ist mehr elektronische Tanzmusik (EDM) angesagt.

Musik, für die die Gäste aus allen Ecken des Münsterlandes und aus dem Ruhrgebiet anreisen. Die Altersstruktur der Besucher reicht von 18 bis knapp über 50. „Kernalter ist zwischen 20 und 35 Jahren.“

Hermann Niemeier ist seit Mitte der 70er-Jahre bei der Karpaten-Planung dabei. „Wir gehen bei beiden Familien in die dritte Karpaten-Generation“, sagt er und lacht. „Der Fortbestand ist gesichert, wenn die Gäste mitspielen.“

Dass sie das auch diesmal tun werden, davon ist auszugehen. Gut 1000 Parkplätze gibt es am Gelände. „Die meisten kommen mit Taxis und Bussen. Nur wenige mit dem Rad“, erklärt Stefan Herbers. Viele Wege führen nach Rom – wohl ebenso viele zu Karpaten.

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