Begriff hat seinen Ursprung in einem Ereignis aus dem Jahr 1806
Alstätter hegen ihren Sandhasen

Alstätte -

Die Alstätter hegen und pflegen ihren Hasen – und das nicht nur zu Ostern. Sie lieben ihn, den Sandhasen. Als solche werden die Einwohner des Grenzdorfes gerne bezeichnet. „Der Alstätter kann sehr selbstironisch sein“, sagt Heinrich Holters, Vorsitzender des Heimatvereins, mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Freitag, 14.04.2017, 06:04 Uhr

Der Hase steht im Mittelpunkt der Figurenformation an der St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche. Die anderen Figuren, an denen die Heimatvereins-Mitglieder (v.l.) Alfons ter Huurne, Irene Render und Heinrich Holters stehen, symbolisieren die Kinderfreundlichkeit und Musikalität der Alstätter.
Der Hase steht im Mittelpunkt der Figurenformation an der St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche. Die anderen Figuren, an denen die Heimatvereins-Mitglieder (v.l.) Alfons ter Huurne, Irene Render und Heinrich Holters stehen, symbolisieren die Kinderfreundlichkeit und Musikalität der Alstätter. Foto: Rupert Joemann

Die Bezeichnung beruht auf einem Ereignis vom 14. Oktober 1806. Die protestantischen Preußen wollten in Alstätte Soldaten rekrutieren. „Die Preußen wollten immer große Kerle“, erzählt Heinrich Holters . Die Begeisterung der katholischen Alstätter hielt sich allerdings stark in Grenzen. Viele junge Männer flüchteten schnell über die nahe Grenze ins niederländische Buurse. Dabei sollen sie so schnell wie Hasen gewesen sein.

„Der Tag wurde später Groten Lop Tach, der große Lauftag, genannt“, sagt Heinrich Holters lächelnd. Der Sand im Sandhasen hat geologische Gründe. Der Alstätter Boden ist sehr sandig. „Hasen bevorzugen eine sandige Gegend“, erklärt Heimatvereins-Mitglied Irene Render . Dass in und um Alstätte der Boden relativ sandig ist, zeigt sich schon an der Sprache: „Hier wird ja Sandplatt gesprochen“, sagt Holters.

Erst nach einigen Tagen trauten sich die Männer aus dem sicheren Versteck im Nachbarland wieder zurück nach Alstätte. Vom Kriegsdienst blieben sie verschont. „Die Alstätter werden auch gerne auf Platt als gau bezeichnet. Das kann schnell oder aber auch gut heißen“, erklärt Heinrich Holters. Entweder waren sie am 14. Oktober 1806 schnell unterwegs oder sie waren gute Männer. Die Flucht vor dem aufgezwungenen Militärdienst der nicht gerade beliebten Preußen könnte so auch als eine gute oder clevere Entscheidung angesehen werden. Noch heute pflegen die Alstätter und Buurser eine gute Beziehung.

„Die Grenze war früher ein Nachteil für Alstätte, heute ist sie ein Vorteil“, meint Heinrich Holters. Er bezieht sich dabei auf die geografische Lage.

Die heute offene Grenze sei ein wirtschaftlicher Vorteil für Alstätte. Holters: „Die geschäftlichen Beziehungen werden immer enger.“ Unter anderem profitieren die Gastronomie-Betriebe davon. „Hier gibt es gutes und günstiges Essen“, sagt Irene Render. In den Niederlanden sei das Essen teurer. Zudem habe der Adventsmarkt Alstätte gerade bei vielen jungen Leuten bekannt gemacht, so Heinrich Holters.

Auch die Gewerbebetriebe profitierten von der offenen Grenze, so Holters. Die gute und zuverlässige Arbeit der Sandhasen sei im Nachbarland sehr gefragt.

Aber auch als Einkaufsort hat sich Alstätte bei den Niederländern einen Namen gemacht. Das stellte Tanja Saksens von der Uni Nijmegen bereits 2009 in ihrer Masterarbeit „Funktion und Struktur zweier Grenzdialekte: Alstätte und Buurse“ heraus. So merkte Saksens an, dass viele Buurser in Alstätte einkaufen. Ihre Vermutung für das Einkaufsverhalten der Niederländer: „In Alstätte gibt es große Läden, wie den Aldi-Markt und Edeka, während es in Buurse nur kleinere, teurere Läden und einen großen, aber ebenfalls teuren Laden gibt.“

Umgekehrt fahren die Alstätter gerne nach Enschede zum Einkaufen. In der Untersuchung von 2009 kauften die Alstätter zum damaligen Zeitpunkt aber am liebsten in ihrem eigenen Dorf ein, gefolgt von Ahaus sowie Gronau und Enschede, die beide gleiche Werte erreichen.

Für Heinrich Holters ist Alstätte „das Tor zu den Niederlanden“. Zwar hätte die Stadt Ahaus eine offizielle Partnerschaft mit Haaksbergen, doch die Alstätter Verbindung mit Buurse gehe „mehr von Mensch zu Mensch“.

Der Vorsitzende des Heimatvereins hebt die Eigenständigkeit Alstättes hervor. „Die lokale Selbstständigkeit wird bleiben. Alstätte hat dafür auch die Größe.“ Irene Render pflichtet ihm bei: „Wir sind Ahauser, fühlen uns aber als Alstätter.“

Dieses Empfinden hat wohl auch vor allem geografische Gründe, wie Tanja Saksens in ihrer Masterarbeit darlegt: „Die geografische Lage des Dorfes zeigt eine bestimmte Selbstständigkeit. Das Dorf wird geografisch gesehen von den deutschen Nachbarorten abgegrenzt. Vor einigen Jahrzehnten hatten die Menschen noch keine Autos und kamen also fast nicht aus dem Dorf heraus. Um Alstätte herum liegen nur einige noch kleinere Dörfer. Dahin brauchte man nicht zu gehen. Zur Stadt war es aber zu Fuß zu weit. Sowohl Ahaus, Gronau und Vreden auf deutscher Seite als auch Enschede auf niederländischer Seite liegen wenigstens 15 Kilometer von Alstätte entfernt. Alstätte war also immer auf sich selbst gestellt.“

Bis auf den 14. Oktober 1806. Da konnten sich die Sandhasen auf die niederländischen Nachbarn verlassen.

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