Keine Gaststätte mehr
Das Ende einer Ära: „Hof zum Ahaus“ schließt

Wüllen -

Seit fast 300 Jahren gibt es in Wüllen die Gaststätte „Hof zum Ahaus“. Diese Tradition endet zum 1. Oktober. Günter und Silvia Hof zum Ahaus erklären, welche Gründe dafür maßgeblich sind.

Donnerstag, 28.09.2017, 12:09 Uhr

Günter und Silvia Hof werden die Gaststube, das Restaurant und die Kegelbahn zum 1. Oktober schließen. Den Hotelbetrieb führt das Paar weiter.
Günter und Silvia Hof werden die Gaststube, das Restaurant und die Kegelbahn zum 1. Oktober schließen. Den Hotelbetrieb führt das Paar weiter. Foto: Christian Boedding

Tradition verpflichtet, heißt es. Doch Günter Hof zum Ahaus will sich nicht mehr verpflichten lassen. Ein Jahr ist es her, dass der 53-jährige Inhaber des Hotels „Hof zum Ahaus“ an der Argentrestraße einen Schlaganfall erlitt. „Das muss ich nicht noch mal haben.“ Das ist aber nur einer von mehreren Gründen, die zu erheblichen Veränderungen in der Wüllener Kneipenlandschaft führen. Denn: „Wir geben zum 1. Oktober unseren Gastronomiebetrieb auf“, erklären Günter Hof zum Ahaus und seine Ehefrau Silvia .

Personalmangel, ausstehende Renovierungen, die noch ungeklärte Nachfolge – und vor allem zu wenig Kundschaft nennt das Ehepaar als Argumente für seinen Entschluss. „Das war ein schleichender Prozess“, erläutert Günter Hof zum Ahaus. „Wir sind kein Restaurant, sondern eine Gaststätte. Hier sitzen auch Stammtische. Da kommt doch keiner, der in Ruhe etwas essen möchte.“

Das Paar versuchte es mit verschiedenen Angeboten wie der „Fischbar“ oder zuletzt mit „Steak & friends“. Vergeblich. „Entweder gehen die Leute für etwas mehr Geld essen oder sie gehen in die Pommesbude oder Pizzeria.“ Die von Günter Hof zum Ahaus angebotene gutbürgerliche Küche – Schnitzel mit Beilage für zwölf Euro – lag irgendwo dazwischen.

Nächster Punkt: „Die Gäste sterben weg.“ Die Altersstruktur der Kundschaft liege bei „60 plus“, berichtet das Ehepaar. „Die Jüngeren kommen einmal im Monat am Wochenende zu uns. Davon kann man nicht leben.“ Es lohne sich nicht, dauerhaft für vier oder fünf Leute an der Theke die Kneipe offenzuhalten.

Ebenfalls ein gewichtiger Grund für die Schließung der Kneipe ist die Personalsituation. „Wir haben zwei Angestellte auf einen Schlag verloren. Beide Servicekräfte kündigten im August mit Wirkung zum Oktober.“ Eine der Mitarbeiterinnen nahm einen Acht-Stunden-Job als Kellnerin in Südlohn an, die zweite arbeitet künftig in Borken-Marbeck, muss eine deutlich kürzere Strecke pendeln und abends und an den Wochenenden nicht mehr arbeiten.

„Um Ersatz haben wir uns nicht mehr gekümmert“, sagen Günter und Silvia Hof zum Ahaus. „Wir wollten sowieso einen Schnitt machen.“ Der sollte geplant erst Ende nächsten Jahres erfolgen, „aber die Personalsituation hat das Ganze beschleunigt.“ Denn neues Personal sei gar nicht so einfach zu bekommen. „Keiner will mehr am Wochenende arbeiten, und keiner für zehn Euro.“ Die Gaststätte zu renovieren, war ebenfalls keine Option. „Das wäre rausgeschmissenes Geld.“ Ob die Kinder, heute 18 und 15 Jahre alt, eines Tages den Betrieb übernehmen wollen, steht in den Sternen.

Fazit: Das Ehepaar schließt Ende September das Restaurant, die Gaststube und die Kegelbahn. Das Hotel mit seinen 20 Zimmern und fünf Apartments wird zum „Hotel Garni“ (Übernachtung/Frühstück). Lediglich montags gibt es noch eine kleine Auswahl an Speisen für die Hotelgäste. Die Kegelklubs sind informiert, die Stammgäste ebenso. Günter Hof zum Ahaus: „Viele waren von unserer Entscheidung geschockt.“ Schließlich gibt es künftig nur noch eine Gaststätte in Wüllen: Höstenpumpe. Mit Günter Hof zum Ahaus endet die 300-jährige Gastwirts-Tradition der Familie. „Das geht einem schon leid ab. Aber nach dem Schlaganfall hätte ich auch im Rollstuhl sitzen können. Dann wäre hier sowieso Schluss gewesen.“

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