Medizinstudenten diskutieren
Die Suche nach Patientenpapieren

Ahaus -

Hört man den medizinischen Nachwuchs im St.-Marien-Hospital reden, mag man kaum glauben, dass es in Zukunft einen Ärzteschwund auf dem Land geben könnte. „Wenn man aus der Region kommt, dann will man auch gerne hierher zurück“, heißt es.

Freitag, 29.09.2017, 06:09 Uhr

Zu einem Meinungsaustausch trafen sich Medizinstudenten und Mitarbeiter des Ahauser Krankenhauses sowie die CDU-Landtagsabgeordnete Heike Wermer (r.).
Zu einem Meinungsaustausch trafen sich Medizinstudenten und Mitarbeiter des Ahauser Krankenhauses sowie die CDU-Landtagsabgeordnete Heike Wermer (r.). Foto: Susanne Menzel

Und: „Auf dem Lande ist der Kontakt zwischen Arzt und Patient noch sehr persönlich. Man kennt sich, kennt die Familien. Das ist ein ganz anderer Bezug zueinander.“

Die rund 15 angehenden Mediziner, die einer Einladung des Krankenhauses zum Gespräch und Erfahrungsaustausch gefolgt sind, stammen alle aus dem Altkreis Ahaus – und studieren momentan verstreut über die ganze Republik.

Zum dritten Mal treffen sich die Ärzte nunmehr mit ihren zukünftigen Kollegen. Ein Stück weit Bindung steckt hinter diesem Gedanken. Aber auch kollegiale Hilfe. „Es macht viel aus, erfahrene Fachleute zu Fällen aus der Praxis befragen zu können und von ihnen Rat einzuholen“, zollt ein Student diesem Projekt Lob, das von Dr. Moritz Meier (Chefarzt der Chirurgie), Dr. Christiane Bäcker (Geriatrie), Dr. Martin Ledeler (Chefarzt der Diabetologie) sowie von Hermann Niemeier (Assistent der Pflegedirektion) begleitet wird. „Sicherlich liegt unsere Intention auch darin, die jungen Menschen durch diese Form der Zusammenarbeit an das Haus zu binden“, gibt Moritz Meier zu. „Aber es ist auch ein sehr fruchtbarer Austausch.“

Besonders beim Thema „Digitalisierung in der Medizin“ treffen immer noch alt hergebrachte Methoden auf den digitalen Fortschritt. So ist es für die Mediziner derzeit oft noch sehr mühsam, alle notwendigen Informationen über ihre Patienten zusammenzutragen. „Wenn wir Glück haben, weiß der Patient, was mit ihm los ist und hat seine kompletten Unterlagen dabei. In der Regel aber müssen wir uns auf die Suche machen“, so die Ärzte.

Dabei sei in der Regel eine Praxismitarbeiterin einen halben Tag lang damit beschäftigt, Befunde einzusammeln. Und das an fünf Tagen in der Woche. Das Fax sei derzeit noch das gängigste Kommunikationsmittel, um Befunde von einer Praxis zur anderen zu schicken. Obwohl: Erlaubt ist diese Methode aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht.

Deshalb sehen die Mediziner der Einführung der sogenannten E-Health-Karte auch mit Spannung entgegen: „Obwohl da eine gigantische Aufgabe auf uns zukommt.“ Auf dieser Gesundheitskarte sollen die wesentlichen Patientendaten gespeichert sein, sie wird eine Art „elektronische Patientenakte“, bei der der Inhaber selbst entscheiden kann, welche Daten aufgenommen werden und wer darauf Zugriff hat.

Wesentlich wird aber auch das Ziel sein, dass die Datensysteme der Vertragsärzte mit denen der Krankenhäuser sowie der Kranken- und Pflegekassen in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Dass viele Skeptiker vor dem gläsernen Menschen warnen, ist nicht für alle Mediziner nachvollziehbar. Christiane Bäcker weist darauf hin, „dass viele ihr ganzes Leben in allen Details in den sozialen Netzwerken posten, aber bei der elektronischen Gesundheitskarte Bedenken haben“.

Von Jahr zu Jahr wichtiger in der Medizin wird nach Meinung der Fachleute das Smartphone: „Immer häufiger fragen Patienten zuerst Doktor Google.“ 100 000 Gesundheits-Apps sind in Deutschland auf dem Markt. Einige brauchbar (unter anderem mit Puls- und Herzfrequenzmessung) andere nach Meinung der Doktoren völliger Unsinn.

Doch Technik hin oder her, einhellige Meinung der Teilnehmer war: „Kein noch so guter Computer ersetzt das persönliche Gespräch mit dem Arzt.“

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