Stadt will bei der Bezirksregierung erneut eine sechste Eingangsklasse beantragen
An der Realschule droht ein Losentscheid

Ahaus -

An der Anne-Frank-Realschule droht beim Aufnahmeverfahren für das nächste Schuljahr ein Losentscheid. Eltern und Schülern dürfte das nicht gefallen.

Dienstag, 03.10.2017, 05:50 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 03.10.2017, 05:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 03.10.2017, 05:50 Uhr
Auf Rot könnte das Signal für einige Schüler stehen, wenn die Bezirksregierung den Antrag der Stadt auf eine sechste Eingangsklasse ablehnen sollte.
Auf Rot könnte das Signal für einige Schüler stehen, wenn die Bezirksregierung den Antrag der Stadt auf eine sechste Eingangsklasse ablehnen sollte. Foto: Markus Gehring

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schaut Beigeordneter Werner Leuker aktuell auf die Schulentwicklungsplanung in Ahaus. Im Mittelpunkt: die Anne-Frank-Realschule. Sie ist dermaßen beliebt, dass es zwei Schuljahre hintereinander eine Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung Münster für eine sechste Eingangsklasse gab. Bis zum 20. Oktober hat die Stadtverwaltung noch Zeit, bei der Bezirksregierung einen weiteren Antrag für eine sechste Eingangsklasse zu stellen. Die Erfolgsaussichten?

„Ich bin Realist“, sagt Werner Leuker. Die Bezirksregierung habe mitgeteilt, dass sie sich eine dritte Ausnahmegenehmigung nicht vorstellen könne. „Den Antrag wird die Stadt aber auf jeden Fall stellen.“ Sollte die Behörde eine sechste Eingangsklasse ablehnen, plant die Stadtverwaltung ein vorgezogenes Anmeldeverfahren an der Anne-Frank-Realschule. Vom 2. bis 8. Februar könnten Eltern ihre Kinder dann an der Schule anmelden.

Leuker: „Wenn mehr Schüler angemeldet werden, als die Realschule Kapazitäten hat, ist die Schulleitung in der Pflicht, Schüler abzuweisen. Dazu gibt es ein formalisiertes Verfahren im Schulrecht.“ Den Losentscheid.

Härtefälle und Geschwisterkinder würden von diesem Verfahren ausgenommen. Doch echte Härtefälle seien äußerst selten. Werner Leuker: „Ein Beispiel wäre eine alleinerziehende Mutter, die in der Nähe der Schule wohnt und ein Kind mit Betreuungsbedarf hat, der über das normale Maß hinausgeht.“

Alle anderen Schüler, Leuker rechnet mit einer Quote von 95 bis 98 Prozent, müssten ins Losverfahren. „Die Schulleitung muss dann unter ihnen genau so viele Schüler auslosen, wie die Schule aufnehmen kann.“

Würden fünf Eingangsklassen unter Berücksichtigung von Inklusionsschülern und mit vom Gymnasium zurückkehrenden Schülern gebildet und wäre die Anmeldezahl ähnlich hoch wie im aktuellen Schuljahr – „dann hätten wir einen Anmeldeüberhang von 30 bis 40 Schülern“, erläutert Werner Leuker.

Der Beigeordnete fasst das Dilemma zusammen: „Auswirkungen, die sich in Heek und Legden ergeben, die muss ich in Ahaus lösen. Eine schwierige Situation.“ Denn nicht nur die Ahauser Eltern wissen um die Vorzüge der AFR. Auch etliche Eltern der Viertklässler in Heek und Legden ziehen die Realschule in Ahaus der Schulform Sekundarschule vor.

Allein in diesem Schuljahr sind an der AFR über 30 Kinder aus Heek und Legden im fünften Jahrgang. Ist das Losverfahren gelaufen, erhalten die Eltern der angenommenen und abgelehnten Kinder in der Woche darauf vom Ergebnis Kenntnis. Das Regelanmeldeverfahren an der Gesamtschule, dem Alexander-Hegius-Gymnasium und der Canisiusschule findet vom 19. bis 23. Februar statt.

Werner Leuker setzt auf die Kraft der Worte in Heek und Legden. Dort sollen die Eltern nochmals über das Schulsystem Sekundarschule informiert werden. Doch wo die Eltern ihre Kinder letzten Endes anmelden, darüber kann Werner Leuker nur spekulieren. „Viele werden wohl zur Realschule tendieren.“ Die Stadtverwaltung will die Ahauser Eltern darum frühzeitig über mögliche Konsequenzen bei der Schulwahl „Realschule“ informieren.

Trotz der Beliebtheit der Anne-Frank-Realschule kann Werner Leuker die Probleme, die sich durch die steigenden Anmeldezahlen ergeben, nicht ausblenden. „Wären wir im dritten Jahr hintereinander sechszügig, dann stoßen wir an Raum- und Kapazitätsgrenzen.“ Fachräume würden zunehmend zu Klassenräumen. Werner Leuker: „Wir müssen aufpassen, dass der Bildungsauftrag nicht hintenangestellt wird.“

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