Dr. Willi Adima berichtet über seine Arbeit in Uganda
Drei Wochen zu Fuß zum Augenarzt

Alstätte -

Mit einem Gottesdienst in der St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche hat der Eine-Welt-Kreis am Sonntag sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Anschließend hatte er in das Katharinenstift zu einem Empfang eingeladen.

Mittwoch, 11.10.2017, 06:10 Uhr

Die beiden Hochzeitsbitter Jörg Tenhündfeld (r.) und Bernd Brinkmann (l.) spendeten 800 Euro an Dr. Willi Adima (2.v.l.). Die beiden waren bei einer Silberhochzeit mit ihren Hüten herumgegangen. Cedric Winzek überreichte 1263 Euro aus seiner Tomatenaktion. Er hatte 600 Tomaten selbst gezüchtet und gegen eine Spende weitergegeben.
Die beiden Hochzeitsbitter Jörg Tenhündfeld (r.) und Bernd Brinkmann (l.) spendeten 800 Euro an Dr. Willi Adima (2.v.l.). Die beiden waren bei einer Silberhochzeit mit ihren Hüten herumgegangen. Cedric Winzek überreichte 1263 Euro aus seiner Tomatenaktion. Er hatte 600 Tomaten selbst gezüchtet und gegen eine Spende weitergegeben. Foto: Monika Haget

Eigens aus Uganda angereist war Doktor Willi Adima , der seit vielen Jahren vom Eine-Welt-Kreis unterstützt wird. Der Gründer der Vereinigung, Pastor Otto Büschleb, übermittelte Grüße aus Duderstadt. Wegen eines vollen Terminkalenders war ihm eine Teilnahme am Fest nicht möglich.

Die Messe stand unter dem Motto „Fairgeben, fairsorgen, fairteilen“. Im Fairen Handel sollten gerechte Löhne, gerechte Arbeitsbedingungen, gerechte Preise vorherrschen, betonten die Frauen des Eine-Welt-Kreises.

Besonders aufmerksam wurden die Messbesucher beim Verlesen der Klage eines afrikanischen Bauern, der sich seiner ehemaligen Felder beraubt sah und sagte: „Hier herrscht das kalte Recht des Stärkeren, Menschen und Natur werden ausgebeutet für den Profit anderer.“ Ein zweiter hielt seine Vision dagegen: „Ich sehe ein Land, in dem Frieden herrscht und in dem alle in Sicherheit leben können, welch eine schöne Perspektive.“ Stimmungsvoll mitgestaltet wurde die Messe vom Chor For Pleasure.

„Es erfüllt uns mit großer Dankbarkeit, dass wir Doktor Adima bei seiner Arbeit als Augenarzt in Uganda finanziell unterstützen können“, sagte Brigitte Nacke , Leiterin des Eine-Welt-Kreises. 20 Jahre Eine-Welt-Kreis sei ein Grund, danke zu sagen an alle Unterstützer. „Ohne Ihre Spenden wäre manche Hilfe nicht möglich gewesen. Danke, dass Sie uns über all die Jahre Ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Dann berichtete Willi Adima in englischer Sprache von seinem Wirken in Uganda, seine Tochter Anna übersetzte. Seit 2004 arbeite er im Westen Ugandas in einem großen Krankenhaus mit 600 Betten, erzählte Adima. In der Drei-Millionen-Stadt Arua sei er der einzige Augenarzt. Hinzu kämen über eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarstaat Sudan, wo Krieg herrsche.

Die meisten Patienten litten am grauen Star. Adima zeigte Fotos von Operationen und den Menschen, die oft tagelang vor dem Klinikgebäude warten, bis sie an der Reihe sind.

Mehrmals im Jahr fährt der Arzt mit seinem Team und der mobilen Augenklinik in entlegene Regionen zu den Ärmsten des Landes. Zuvor macht er auf Märkten und in Kirchen auf sein Kommen aufmerksam.

„Manche nehmen Fußmärsche von zwei bis drei Wochen auf sich, um zum Platz zu gelangen, wo wir Station machen“, berichtete Adima. Dabei habe jeder seine eigene Geschichte. So habe eine Frau fünf Mal den Termin des Arztes verpasst, bis sie ihn endlich erreicht habe und operiert werden konnte.

Ein Kind sei mit dem grauen Star geboren worden, erzählte der Arzt. Als es operiert wurde, war es bereits fünf Jahre alt und konnte danach zum ersten Mal seine Eltern sehen. „Das war für uns alle ein ganz berührender Moment“, sagte der Augenarzt. „Solche Momente gibt es viele.“

Vier bis fünf Tage dauert ein Einsatz mit der mobilen Klinik, dabei würden 50 bis 70 Personen operiert.

Er erklärte, wie er die Spendengelder des Eine-Welt-Kreises verwendet. Am Fahrzeug, das in die Jahre gekommen sei, seien immer wieder Reparaturen fällig. Benzin für die Fahrten über Land werde benötigt. Ein Generator sei angeschafft worden, da in den Provinzen oft kein Strom vorhanden sei. Und natürlich werde das Geld benötigt, um Operationsbesteck, Linsen, Nahtmaterial und Verbandszeug zu kaufen. Eine Operation kostet rund 100 Dollar, so Willi Adima.

„Da nehmen Leute wochenlange Fußmärsche auf sich, und wir beschweren uns manchmal, weil wir vielleicht zwei Stunden auf den Arzt warten müssen“, so Brigitte Nacke.

Beate Hofmann ergriff anschließend das Wort. Sie leitet den Eine-Welt-Laden in Ahaus und ist Sprecherin der Gruppe, die Ahaus zum Titel der Fair-Trade-Stadt verholfen hat. „Dazu hat auch Alstätte beigetragen“, sagte sie. Sie ermunterte die Gäste, öfter mal fair gehandelte Produkte zu kaufen. „Es gibt mittlerweile 350 verschiedene fair gehandelte Kaffeesorten, da sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein“, meinte sie. Der Vorteil fair gehandelter Waren sei unter anderem, dass ausbeuterische Kinderarbeit vermieden werde.

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