2019 sollen Brennelemente aus Garching in Ahaus zwischengelagert werden
Terrorschutz am Zwischenlager

Ahaus -

Die ersten abgebrannten Brennelemente aus dem Forschungsreaktor München II (FRM II) sollen im zweiten Halbjahr 2019 nach Ahaus gebracht werden. Das erklärte jetzt auf Anfrage Andrea Voit, Sprecherin des FRM II.

Freitag, 13.04.2018, 20:48 Uhr

Bis 2020 wird rund um das Brennelemente-Zwischenlager eine 500 Meter lange und zehn Meter hohe Betonmauer errichtet. Sie soll das Zwischenlager vor terroristischen Angriffen schützen.
Bis 2020 wird rund um das Brennelemente-Zwischenlager eine 500 Meter lange und zehn Meter hohe Betonmauer errichtet. Sie soll das Zwischenlager vor terroristischen Angriffen schützen. Foto: Markus Gehring

Dafür erforderlich sind drei Genehmigungen: die verkehrsrechtliche Zulassung für den Transport- und Lagerbehälter Castor MTR-3, die Aufbewahrungsgenehmigung im Zwischenlager Ahaus für die Behälter mitsamt Inventar und die Beförderungsgenehmigung von Garching nach Ahaus. Andrea Voit : „Wir gehen davon aus, alle drei Genehmigungen bis etwa Mitte 2019 zu erhalten.“ Der erste Transport werde dann „zeitnah“ erfolgen.

Wir gehen davon aus, alle drei Genehmigungen bis etwa Mitte 2019 zu erhalten.

Andrea Voit

Am Forschungsreaktor in Garching lagern zurzeit 44 abgebrannte Brennelemente. Von diesen könnte nach Auskunft von Andrea Voit aufgrund der notwendigen Abklingzeit vor Ort rund die Hälfte in den nächsten Jahren nach Ahaus transportiert werden. Die verbrauchten Brennelemente aus dem Forschungsreaktor enthalten hoch angereichertes Uran. Sie sollen mit dem sich noch im Genehmigungsverfahren befindlichen Transportbehälter MTR-3 von Garching nach Ahaus transportiert werden. „Mit einer Genehmigung wird für das zweite Quartal 2018 gerechnet“, heißt es dazu in einer gutachterlichen Stellungnahme zum Forschungsreaktor München II. Die Stellungnahme wurde im Auftrag des Nationalen Begleitgremiums vom Wiener Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften erstellt.

Vorgesehen ist, dass die Brennelemente aus dem Forschungsreaktor in Bündeln zu je fünf Elementen in einem Castor-MTR3-Behälter eingelagert werden. Ein Brennelement ist etwa 1,1 Meter hoch, hat einen Durchmesser von rund 22 Zentimetern und wiegt etwa 50 Kilogramm. Jedes der Brennelemente enthält 8,3 Kilogramm hochangereichertes Uran. Ein voll beladener MTR-3 wiegt etwa 16 Tonnen. Ein MTR-3 kostet rund 800 000 Euro. Die Kosten für den Transport nach Ahaus sind noch nicht bekannt. Für die Zwischenlagerung wird mit Kosten von rund 25 000 Euro pro Jahr und MTR-3-Behälter gerechnet.

Kundgebung am Mahner

Im April 1986 kam es zu einer Nuklearkatastrophe in Tschernobyl. Über Tschernobyl und die Folgen wird am morgigen Sonntag ab 13.30 Uhr die KFD am Mahner neben der Kirche berichten. Im Anschluss wird die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ ab 14 Uhr über den Umgang mit radioaktivem Abfall in Deutschland sprechen. „30 Jahre später hat die Ukraine dort ein Zwischenlager für die nächsten 100 Jahre errichtet, in dem auch Atommüll anderer Länder aufgenommen werden soll“, schreibt die Bürgerinitiative. „Aber nicht nur die Ukraine geht verantwortungslos mit dem Atommüll um. Auch Deutschland hat keine sichere Perspektive für die weitere Lagerung von Atommüll entwickelt. Die Politik hat ein Netzwerk von Behörden, Ämtern und Kommissionen eingerichtet, von denen aber kein Mensch verantwortlich ist.“

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Die gutachterliche Stellungnahme bewertete auch die mit der Zwischenlagerung in Ahaus möglichen Gefahren: Muss damit gerechnet werden, dass Terroristen Brennelemente stehlen, um daraus eine Kernwaffe zu bauen? Die Experten nahmen unter anderem das Risiko eines Diebstahls eines Transportbehälters und das Risiko eines Diebstahls eines Brennelementes unter die Lupe. Bei beiden Optionen wird davon ausgegangen, dass der Angreifer das Zwischenlager betreten und wieder verlassen kann.

Laut Gutachten enthält ein Castor MTR-3 genügend Material für mindestens eine Kernwaffe, nach einer anderen Berechnungsmethode sogar für fünf Kernwaffen. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass das künftig in Ahaus lagernde, hoch angereicherte Uran aus dem Forschungsreaktor „sehr attraktiv für mögliche Proliferatoren“ ist. Damit ist die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen gemeint. Der Abtransport eines MTR-3 könne mit einem handelsüblichen Lkw durchgeführt werden, stellen die Gutachter fest.

Für den Diebstahl eines Brennelementes ist den Gutachtern zufolge ein Zeitaufwand zwischen 15 und 30 Minuten erforderlich. Die radiologische Barriere – die Gefahr einer Verstrahlung – stelle dabei kein unüberbrückbares Hindernis dar. Der Abtransport eines 50 Kilogramm schweren Brennelementes sei vergleichsweise einfach. Das Fazit: „Das Risiko eines Diebstahls eines Brennelementes des FRM-II aus dem Zwischenlager in Ahaus ist nicht ausgeschlossen.“

Doch erst einmal müssen die Brennelemente von Garching nach Ahaus gebracht werden. „Es hängt noch viel an der Planung und den erforderlichen Genehmigungen“, erklärte Burghard Rosen, Leiter Unternehmenskommunikation der Gesellschaft für Zwischenlagerung. Die Gesellschaft ist für die Zwischenlagerung in Ahaus zuständig. Als erster Transporttermin sei, wie von Andrea Voit genannt, 2019 vorgesehen.

Zur Risikobewertung erklärte Burghard Rosen, dass es die Aufbewahrungsgenehmigung vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit nur gebe, wenn das Zwischenlager „allen Anforderungen hinsichtlich der Anlagensicherung“ entspreche. Dazu gehöre, dass der Terrorschutz entsprechend abgedeckt sei.

Aktuell wird das Zwischenlager nachgerüstet. So entsteht bis 2020 rund um das Gebäude eine 500 Meter lange und zehn Meter hohe Mauer aus Beton. Sie soll das Lager vor terroristischen Angriffen schützen. Teile der Schutzwand sind an der Nord- und Westseite des Zwischenlagers bereits fertiggestellt.

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