Golfplatz leidet unter Dürre und Dauerhitze
Grün ist’s nur noch auf dem Grün

Alstätte -

Die Grüns grünen noch. Trotz der Dürre und der Dauerhitze. Doch auch nur sie. Ansonsten sieht es blass aus auf dem Golfplatz in Alstätte.

Donnerstag, 09.08.2018, 06:00 Uhr

Mit einem Messgerät ist Greenkeeper Thomas Lepping auf dem Golfplatz unterwegs und überprüft, ob die Grüns genug Wasser haben. Während der Rasen ums Loch noch grünt, sind viele andere Stellen der Spielbahnen blass und teilweise vertrocknet.
Mit einem Messgerät ist Greenkeeper Thomas Lepping auf dem Golfplatz unterwegs und überprüft, ob die Grüns genug Wasser haben. Während der Rasen ums Loch noch grünt, sind viele andere Stellen der Spielbahnen blass und teilweise vertrocknet. Foto: Mareike Meiring

Die Grüns grünen noch. Trotz der Dürre und der Dauerhitze. Doch auch nur sie. Die Rasenfläche rund um den Abschlag ist blass und an manchen Stellen vertrocknet, teilweise bilden sich auf den Spielbahnen erste Risse im trockenen Boden. Thomas Lepping ist seit sieben Jahren Head-Greenkeeper auf dem Golfplatz in Alstätte. „Aber so ein Extrem kannte auch ich bislang noch nicht“, sagt er, während er mit dem Golfcard von Spielbahn zu Spielbahn kurvt. „In einem normalen Sommer ist hier alles grün.“

Das soll nun zumindest für den Bereich rund ums Loch auch weiterhin gelten. Denn die Golfer lassen sich auch von der Hitze nicht vom Sport abhalten. Gerade einmal vier Millimeter sind die Halme auf dem Grün lang, „bei einem normalen Hausrasen sind es vier bis fünf Zentimeter“, sagt Lepping. Und diese kurzen Halme trocknen schnell aus.

Deshalb bekommen sie über Nacht Wasser durch die computergesteuerte Bewässerungsanlage. Hier kann der Greenkeeper genau einstellen, wie viel es sein soll. Das ist von Grün zu Grün und von Tag zu Tag anders. Manche Grüns haben mehr vom Schatten, manche weniger. 1,5 Hektar Grün gilt es auf dem Golfplatz zu pflegen, insgesamt ist dieser über 100 Hektar groß.

Die Greenkeeper bewässern nicht einfach nach Gefühl. Thomas Lepping hat ein spezielles Messgerät, mit dem er die Feuchtigkeit im Boden bestimmen kann. 14,5 Prozent zeigt es an diesem Morgen für eine Stelle im Grün an, „das ist wenig“, kommentiert Lepping die Zahl. In Ordnung seien im Schnitt etwa 20 Prozent. Das heißt Arbeit für die vier Regner am Abend. „Durch das Messgerät kann ich dann auch feststellen, ob die Regner vernünftig funktionieren.“

Über Tag gibt es nur mal ab und an ein paar Spritzer Wasser für die Flächen – dann, wenn auch die Pflanzen mal eine Abkühlung benötigen. „Denn auch wir müssen Wasser sparen“, unterstreicht Lepping. „Wir haben wasserrechtliche Genehmigungen, wie viel wir entnehmen dürfen.“ Ob das auch in diesem Sommer reicht? „Wir hoffen es. Das aktuelle Extrem ist für uns Neuland.“

Viel Pflege benötigt zudem der neue Nordplatz, auf dem der Rasen noch wachsen muss. „Die Neueinsaat dort ist sehr empfindlich, daher ist es wichtig, dass wir diese am Leben halten.“ Der Golfplatz wird derzeit um neun Spielbahnen auf dann 36 Bahnen erweitert – das sind dann auch 36 Grüns, die nach Wasser dürsten. Dazwischen gibt es zum Beispiel wechselfeuchte Mulden für die Natur – doch auch von denen sind aktuell rund 80 Prozent ausgetrocknet. Ebenso nach Wasser lechzen die rund 100 Bäume, die im vergangenen Jahr neu gepflanzt wurden.

Besondere Tricks, um den Rasen am Leben zu halten, hat Lepping nicht. Sein Retter ist die Bewässrungsanlage. Aber er sagt: „Man kann den Rasen düngetechnisch ein wenig aufs Wetter vorbereiten.“ Denn ab etwa 30 Grad „hat auch die Pflanze Stress“. Dann bekommt sie bestimmte Nährstoffe nicht mehr, die der Greenkeeper ihr stattdessen über den Dünger zuführen kann.

Was nun schlimmer ist, Hitze oder Nässe? „Beides ist gleich schlimm“, meint Lepping. „Entweder muss das Wasser weg, oder das Wasser muss drauf.“ Aber einen Wunsch hat er: einen schönen, satten Landregen, am besten verteilt über ein paar Tage. Wenn der nicht kommt? Lepping ist optimistisch. „Ich bin überzeugt, das fast alles wiederkommt. Nur hier und da müssen wir vielleicht ein wenig nachsäen“, sagt er mit Blick auf einige vertrocknete Stellen. Und der Greenkeeper schiebt lachend hinterher: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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