Zu Besuch in der Werkstatt von Ewald Uhling
Ein Tüftler vom alten Schlag

Alstätte -

Das lohnt nicht mehr. Dieser Satz würde Ewald Uhling niemals über die Lippen kommen. Für ihn lohnt sich jedes Schrauben, jedes Hämmern, jedes Schleifen. Der Alstätter ist ein Tüftler. Bis heute. Mit mittlerweile 85 Jahren.

Samstag, 22.09.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 22.09.2018, 06:00 Uhr
Die Schleifmaschine läuft, Ewald Uhling ist in seinem Element: In seiner Werkstatt fühlt sich der 85-Jährige am wohlsten.
Die Schleifmaschine läuft, Ewald Uhling ist in seinem Element: In seiner Werkstatt fühlt sich der 85-Jährige am wohlsten. Foto: Mareike Meiring

Das lohnt nicht mehr. Dieser Satz würde Ewald Uhling niemals über die Lippen kommen. Für ihn lohnt sich jedes Schrauben, jedes Hämmern, jedes Schleifen. Egal, wie lange er an einer Lösung grübeln muss, wie viele Versuche er starten muss, bis er auf dem richtigen Weg ist – der Alstätter bringt fast alles wieder zum Laufen.

„Wenn andere die defekte Maschine schon aufgegeben hatten, kamen die Alstätter zu uns“, erinnert sich Ewald Uhling. „Uns“, damit meint er seinen verstorbenen Vater und sich. Ewald Uhling als gelernter Landmaschinenschlosser, sein Vater als gelernter Hufschmied wussten stets mit Werkzeug umzugehen. Und statt aufzugeben, fingen sie an zu tüfteln. Das tut Ewald Uhling bis heute. Mit mittlerweile 85 Jahren.

Über dem Schmiedefeuer hat Ewald Uhlings so einiges geschaffen.

Über dem Schmiedefeuer hat Ewald Uhlings so einiges geschaffen. Foto: Mareike Meiring

Uhlings Werkstatt an der Eschstraße ist gerade mal so groß wie eine Doppelgarage. Und doch ist sie nicht nur ein Paradies für Heimwerker. Sie ist auch ein Sammelsurium an Antiquitäten. So könnte es bei Daniel Düsentrieb ausgesehen haben, denkt man sich, wenn man sich entlang der Maschinen, Regale und Werkbänke drängt. In jeder Ecke steht die nächste Entdeckung. Maschinen, die Uhling allein für seine Zwecke erfunden hat, eine von Rost angefressene Lampe, die er aus den Teilen einer BMW Isetta gebastelt hat.

Es war kurz nach dem Krieg, 1949, als Ewald Uhling die Lehre zum Landmaschinenschlosser begann. Er war gerade 16 Jahre alt, zuvor hatten er und seine Familie einige Jahre in Enschede gewohnt. 1958 dann begannen die Uhlings mit dem Hausbau an der Eschstraße, dort entstand schließlich auch die Werkstatt, in der Vater wie Sohn noch Stunden nach Feierabend an den Maschinen standen. Wussten die Alstätter nicht mehr weiter, suchten sie Rat bei Familie Uhling.

Ein Schritt in die Werkstatt genügt, schon dreht sich die erste Maschine. Manuell bedient, ohne Automatik, ohne Display, ohne Computer. Die ersten Kunststoffreste fallen zu Boden. Bis heute verarbeitet Ewald Uhling fast jedes Material, das er in die Hände bekommt. Holz, Kunststoff, Eisen – aus allem hat er schon etwas Neues hergestellt.

„In der Werkstatt fühle ich mich am wohlsten“, sagt der Alstätter. Dabei bedarf es diesen Satzes eigentlich gar nicht. Denn das ist nicht zu übersehen, wenn man ihm auf Schritt und Tritt an seinem Lieblingsort begleitet.

Einen Namen hat seine Werkstatt längst: Opa GmbH

Einen Namen hat seine Werkstatt längst: Opa GmbH Foto: Mareike Meiring

Dass der Mann mittlerweile 85 Jahre ist, fällt zwischen den Maschinen kaum auf. „Hier habe ich ein, zwei Stunden am Tag ein wenig Bewegung.“ Und wenn es nur die Schritte von der einen Maschine zur nächsten sind. Während die Schleifmaschine noch jault, erzählt er von seiner nächsten Erfindung. Der sogenannten Nutenstoßmaschine, mit der sich kleine Ecken in Scheiben stoßen lassen. Allein für deren Entwicklung und Bau hat er über ein halbes Jahr gebraucht.

Einen Schritt weiter steht das nächste Gerät á la Ewald Uhling: eine große, halb automatische Säge. Warum kaufen, wenn man es auch selbst machen kann, muss sich der Alstätter wohl so einige Male gedacht haben.

Der Amboss steht nur einen Schritt weit vom Schmiedefeuer in der Werkstatt entfernt.

Der Amboss steht nur einen Schritt weit vom Schmiedefeuer in der Werkstatt entfernt. Foto: Mareike Meiring

Was nicht alles aus seinen Händen stammt. Der aktuelle Wandervogel für die Schützen in Alstätte, Gronau und Epe, Treppengeländer aus Schmiedeeisen, Besteck für den Kamin, Verzierungen für alte Lampen. Auch an dem Taubenschlag seines Sohnes hat er tatkräftig mitgewirkt, erst vor Kurzem hat er ihm zudem eine genau auf sein Fahrrad zugeschnittene Anhänger-Kupplung angefertigt. Nicht nur seine zwei Kinder, auch seine zwei Enkelinnen profitieren immer wieder von seinem Heimwerker-Gen.

Seinen eigenen Firmennamen hat Ewald Uhling längst. „Opa GmbH“, steht auf dem Holzschild in seiner Werkstatt. Und wenn seine Gesundheit mitspielt, tüftelt er wohl auch in den nächsten Jahren dort noch so einiges aus.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6068578?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F146%2F
Frau bei Verkehrsunfall gestorben
(Symbolfoto) 
Nachrichten-Ticker