Goldene Buch war i-Tüpfelchen
Vor fast einem Jahr holten sich die Young Voices den Titel „Bester Chor im Westen“

Alstätte -

Aus einer Laune heraus nahm alles den Anfang. Eine Laune, die im Dezember vergangenen Jahres für einen Ausnahmezustand sorgte. Nicht nur bei dem Chor Young Voices, sondern auch im Ort Alstätte. Rückblickend sind die Sängerinnen des Chors noch immer überwältigt, wenn sie an den 15. Dezember 2017 denken.

Samstag, 08.12.2018, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2018, 18:48 Uhr
Ihren letzten Auftritt hatte der Chor Young Voices auf dem Adventsmarkt in Alstätte. Diesen mussten die Sängerinnen im vergangenen Jahr absagen, da sie zu sehr beim WDR-Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“ eingespannt waren.
Ihren letzten Auftritt hatte der Chor Young Voices auf dem Adventsmarkt in Alstätte. Diesen mussten die Sängerinnen im vergangenen Jahr absagen, da sie zu sehr beim WDR-Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“ eingespannt waren. Foto: Monika Haget

Aus einer Laune heraus nahm alles den Anfang. Eine Laune, die im Dezember vergangenen Jahres für einen Ausnahmezustand sorgte. Nicht nur bei dem Chor Young Voices, sondern auch im Ort Alstätte. Busshuttle, Rudelgucken, Kirchenglocken, Polizeieskorte: Rückblickend sind die Sängerinnen des Chors noch immer überwältigt, wenn sie an den 15. Dezember 2017 denken. Der Freitag, an dem sie den Titel „Der beste Chor im Westen“ nach Alstätte holten.

„Es war ein Sog, in dem man in den Tagen drin war“, erzählt Chorleiterin Martraud Leeners nach fast einem Jahr Abstand. Seit nunmehr 25 Jahren leitet die heute 44-Jährige bereits die Young Voices, aber der WDR-Wettbewerb im vergangenen Jahr war „das krasseste in meiner ganzen Laufbahn“, gibt sie ohne Umschweife zu.

Der Sog begann schon mit der Teilnahme am Vorentscheid in Bielefeld, und wurde umso größer, je näher das Halbfinale und später dann das Finale im Studio in Köln rückten. Normal war in den Wochen bei den Sängerinnen nichts mehr. Für Adventsvorbereitungen hatten die Chormitglieder keine Zeit, sie mussten proben, sich eine Choreographie ausdenken, Interviews geben, vor der Kamera stehen. „Wie viel Zeit und wie viel Arbeit dahinter steckt, bekommt ein normaler Zuschauer gar nicht mit“, sagt die 25-jährige Vorsitzende Katharina Gerwing. „Für einen Einspieler, der 30 Sekunden dauerte, haben wir einen Tag lang gedreht“, nennt sie als Beispiel.

Ein Jahr später dagegen ist alles anders – ruhiger, entspannter, ohne großes Publikum. Erst vor wenigen Tagen traten die Frauen auf dem Alstätter Adventsmarkt auf, dazwischen singen sie mal auf Hochzeiten oder Geburtstagen. „Dieses Jahr sind wir froh, einfach in unserem schönen Alstätte zu singen“, sagt Martraud Leeners. Ohne Druck, ohne Jury, ohne große Bühne.

Ob sie daran gedacht haben, noch einmal an dem Wettbewerb teilzunehmen? „Natürlich nicht“, sagt Martraud Leeners und lacht. „Wir können uns ja nur verschlechtern.“ Zwar schaue sie den Wettbewerb derzeit noch ab und an. „Aber man guckt es natürlich mit anderen Augen und weiß nun, was hinter den Kulissen läuft“ – wie die Jurymitglieder reagieren etwa, welche Fragen der Moderator stellt, was hinter der Bühne abläuft.

Die 10 000 Euro Preisgeld haben die Sängerinnen bislang noch nicht ausgegeben. Zumindest zum größten Teil noch nicht. „Etwas ist bereits für das Freibier an dem Abend draufgegangen“, sagen Martraud Leeners und Katharina Gerwing. Mit dem restlichen Preisgeld wollen sie wahrscheinlich eine Chorfahrt organisieren – „bei 100 Sängerinnen relativiert sich der Betrag ja auch schnell“, sagen beide.

Sie müssen schmunzeln, wenn sie an die Siegesfeier noch in der Nacht in Alstätte denken. Im Dorfgasthof Wissing hatten sie den Triumph begossen, mit einer Fanschar, auf die sie bis heute stolz sind. „Als wir auf der Rückfahrt in Ahaus ankamen, konnten wir nur noch schreien“, erinnert sich Katharina Gerwing. „Wir wurden empfangen wie eine Nationalmannschaft.“

Weil es auch Kritik an dem Sieg der Young Voices gab, freute sie das umso mehr. Es brauchte die Alstätter Fans, die den Sängerinnen schnell die zunächst etwas getrübte Freude zurückbrachten. „Wir wussten ja, dass der Bonner Chor technisch klar der beste Chor war,“ sagt Gerwing. „Aber wir hatten eben die coolsten Fans.“ Jene, die am öftesten zu den Hörern griffen und für die Alstätter Frauen stimmten. Dass das bei dem ein oder anderen die Telefonrechnung in die Höhe getrieben hat, schätzen die Sängerinnen umso mehr. „Rückwirkend ist es das Schönste zu wissen, wie gut Alstätte hinter uns gestanden hat“, betont Martraud Leeners.

Noch immer werden sie von manchen angesprochen, ob sie nicht „die von dem Chor seien“. Die Gesichter aus der ersten Reihe sind vielen Zuschauern bis heute präsent. „Wir haben uns mit dem Sieg wohl in Alstätte verewigt“, sagt die Chorleiterin. Und nicht nur dort in den Erinnerungen, sondern auch auf dem Papier im Rathaus. Denn das i-Tüpfelchen des Erfolgs war der Eintrag ins Goldene Buch, sind sich die Sängerinnen einig.

Wo der Pokal nun steht? „Der geht so rum“, sagen die beiden. Irgendwann soll er jede Vitrine der fast 100 Sängerinnen einmal von innen gesehen haben.

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