Tag voller Glücksmomente
Unheilbar kranke Silvia Domjahn freut sich über Musical-Besuch

Alstätte -

Silvia Domjahns Stimme ist schwach – eine Folge ihrer schweren Krankheit. Wenn sie aber von diesem besonderen 22. Dezember spricht, wird sie kraftvoll. Ihrem Tag bei Starlight Express.

Dienstag, 08.01.2019, 18:00 Uhr
Mit den beiden Hauptdarstellern und ihrer Familie freute sich Silvia Domjahn (4.v.l.) über den Musical-Besuch.
Mit den beiden Hauptdarstellern und ihrer Familie freute sich Silvia Domjahn (4.v.l.) über den Musical-Besuch. Foto: Arbeiter-Samariter-Bund

Silvia Domjahn hat Krebs, unheilbar. Zum Ursprungstumor im Magen sind jetzt Metastasen in anderen Organen dazugekommen. Wie viel Zeit sie noch hat? Die 51-Jährige weiß es nicht. Nur, dass es nur noch eine kurze Lebenszeit ist. „Es kann morgen schon zu Ende sein“, sagt sie. Gegen die Angst und die Schmerzen hat sie Medikamente.

Als ihre vier Kinder die schlimme Diagnose erfahren, ist das ein Schock, aber auch der Impuls, sich Gedanken zu machen, wie man der Mutter den schweren Alltag leichter machen könnte.

„Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, welchen Wunsch wir ihr erfüllen können“, erzählt Sohn Michael (33). Er, wie auch seine Geschwister Kati (35) und Markus (38), stammen aus der ersten Ehe seines Vaters Dietmar, die jüngste im Bunde, Sarah (21), aus der jetzigen.

Von Helfern des ASB-Wünschewagens wurde Silvia Domjahn nach Bochum gefahren.

Von Helfern des ASB-Wünschewagens wurde Silvia Domjahn nach Bochum gefahren. Foto: Arbeiter Samariter Bund

Michael Domjahn: „Ganz egal, Silvia ist unsere Mama.“ Und deren Wunschliste kennen die Geschwister. „Schloss Neuschwanstein ist so ein alter Wunsch, die Reise nach Bayern schien uns aber zu anstrengend“, erinnert er sich. Und auch das Rollschuh-Musical Starlight Express in Bochum steht auf der Liste.

„Ich habe das oft im Fernsehen gesehen und fand es toll, aber irgendwie war dafür nie Zeit, es gab immer Wichtigeres“, erzählt Silvia Domjahn am Telefon. Eine große Familie, ein großer Haushalt sind zu versorgen, und außerdem hat sie noch eine Putzstelle in der Schule in Graes.

Dass sie dann doch noch die Gelegenheit zu einem Besuch in Bochum bekommen sollte, ist letztlich der Initiative von Tochter Kati und dem ASB-Wünschewagen zu verdanken. Der Anruf von Kati Domjahn stößt nämlich beim Wünschewagen-Team in Münster sofort auf offene Ohren.

Plötzlich geht alles ganz schnell und statt Januar soll der Ausflug schon im Dezember stattfinden: sozusagen ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.

Für Silvia Domjahn ist dieser Tag noch immer unfassbar: „Als ich da war, konnte ich gar nichts denken.“ Für ihre Kinder und Ehemann Dietmar ist es aber auch eine Ausnahmesituation. Eine, die sie im Nachhinein in fünf Worten zusammenfassen: „ein toller, aufregender, bewegender Tag.“

Morgens um 10 Uhr trifft man sich – das ehrenamtliche Wünschewagen-Team, darunter auch eine Krankenschwester, und die Familie Domjahn in Alstätte. Am späten Vormittag geht es dann los in Richtung Bochum, die Eltern im Wünschewagen, die Kinder im privaten Auto.

Und nach der Ankunft im Theater gibt es schon vor Beginn der Vorstellung die nächste Überraschung: Im VIP-Bereich, zu dem auch die Kinder Zutritt haben, begegnen sich die Domjahns und die beiden Hauptdarsteller von Greaseball und Dinah. Michael Domjahn: „Für alles war gesorgt, Getränke und Imbiss gab es selbst für uns, für die das Geschenk ja gar nicht war.“

Silvia Domjahn ist überglücklich, aber auch erschöpft, muss sich mittags hinlegen. Das Musical selbst lässt dann nicht nur ihre Augen leuchten. Als sie dann auch noch von den Darstellern signierte Rollen ihrer Rollschuhe geschenkt bekommt, ist das der emotionale Höhepunkt. „So glücklich haben wir unsere Mutter schon lange nicht gesehen“, sagt Sohn Michael.

Dass sie das zusammen mit ihren Kindern erleben durfte, ist für sie das größte Geschenk. „Ich habe tolle Kinder.“ Alle helfen mit, der Ehefrau, Mutter, Oma, es so leicht wie möglich zu machen. „Mal putzt der eine die Fenster, der nächste etwas anderes, ich bin so furchtbar stolz.“

Ihr selbst fehlt für vieles die Kraft, 30 Kilo hat sie abgenommen, oft liegt sie oder sitzt im Rollstuhl. Die Schmerzen seien das Schlimmste, sagt sie. Wenn das Morphium-Pflaster nicht mehr genügend Wirkung zeigt, hat sie noch Tabletten. Auch welche, damit sie schlafen kann. Nur an diesem Abend ist das anders. Zurück zu Hause, da ist sie glücklich, aber auch fix und fertig. „Zum ersten Mal brauchte ich keine Tabletten zum Schlafen.“

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