Zwei weitere Hebammen im St.-Marien-Krankenhaus
Umzug der Geburtshilfe nach Ahaus beendet

Ahaus -

Der Umzug der Geburtshilfe vom Stadtlohner Krankenhaus zum St.-Marien-Krankenhaus Ahaus ist abgeschlossen. Doch was bedeutet das für die Hebammen, die vormals bei der Stadtlohner Geburtshilfe gearbeitet haben?

Dienstag, 09.04.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2019, 18:00 Uhr
Den Frauen, die künftig im St.-Marien-Krankenhaus entbinden wollen, stehen nach Ende der Umbaumaßnahmen modernisierte Räume zur Verfügung.
Den Frauen, die künftig im St.-Marien-Krankenhaus entbinden wollen, stehen nach Ende der Umbaumaßnahmen modernisierte Räume zur Verfügung. Foto: dpa

Der Umzug der Geburtshilfe vom Stadtlohner Krankenhaus zum St.-Marien-Krankenhaus Ahaus ist mit der Renovierung der Räume abgeschlossen worden. Das gab jetzt das Klinikum Westmünsterland bekannt.

Im Zuge der Zusammenlegung „konnte die Anzahl an Vollzeitkräften um circa zwei (Hebammen) erhöht werden“. Das teilte Tobias Rodig , Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland, auf WN-Anfrage mit. Derzeit arbeiten zwölf Hebammen im Ahauser Krankenhaus. Davon sind nicht alle in Vollzeit beschäftigt. Zudem sind 15 Hebammen in Bocholt und zwölf Hebammen in Borken innerhalb des Klinikverbunds beschäftigt.

Die Stadtlohner Hebammen hatten im Rahmen der Schließung der dortigen Geburtshilfe angeboten bekommen, innerhalb des Klinikums Westmünsterland wechseln zu können. Dabei durften sie ihren Arbeitsort (Ahaus, Borken, Bocholt) frei wählen. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtlohner Geburtshilfe, das heißt auch alle Kinderkrankenschwestern und Hebammen, sind weiterhin im Klinikum Westmünsterland beschäftigt“, so Tobias Rodig.

Wie der Pressesprecher erklärt, arbeiteten die beiden neuen Ahauser Hebammen zuvor in Stadtlohn. Wie viele Hebammen in Stadtlohn zuletzt arbeiteten, darüber wollte Rodig keine Aussage machen. Genauso wenig, ob und wenn ja in welcher Form es Rufbereitschaftsdienste in der Ahauser Geburtshilfe gibt. Tobias Rodig wollte sich „zu den genauen Stellenplänen nicht im Detail äußern“.

Christophorus-Kliniken: Hebammen beraten online

Immer wieder finden Schwangere und junge Mütter keine Hebamme. Die Christophorus-Kliniken in Coesfeld gehen seit dem 15. Februar bei der Betreuung neue Wege. Das Haus arbeitet mit dem Berliner Unternehmen Kinderheldin zusammen, dessen Hebammen entweder telefonisch oder per Internet-Chat Tipps geben. „Die adäquate Versorgung durch Hebammen gestaltet sich zunehmend schwieriger. Die Rahmenbedingungen verschlechtern sich und die Arbeitsbelastung für uns Hebammen nimmt spürbar zu“, heißt es in einem Schreiben des Krankenhauses an die umliegenden Hebammen. Immer häufiger hätten die Frauen keine Hebamme für die Nachsorge gefunden. „Bei uns im Kreißsaal sowie auf den Stationen nimmt die Zahl der Anrufe und Fragen, oft wegen Kleinigkeiten, deutlich zu und wir können nicht allen gerecht werden“, heißt es in dem Schreiben weiter. Deshalb habe sich die Christophorus-Kliniken für die Zusammenarbeit mit Kinderheldin entschieden. Seit dem 15. Februar können nun alle Frauen, die in Coesfeld entbinden, „bis zum ersten Geburtstag ihres Kindes bis zu 30 Mal kostenlos online beraten lassen. Hierfür wird allen Eltern ein Gutschein für die Nutzung von Kinderheldin ausgehändigt.“

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Das Krankenhaus Maria-Hilf Stadtlohn hatte im vergangenen Jahr 477 Geburten, das Krankenhaus Ahaus 366. Die Mütter, die bisher in Stadtlohn entbunden haben, müssen nun auf umliegende Krankenhäuser ausweichen. Die von Stadtlohn nächstgelegenen Krankenhäuser mit einer Geburtshilfe-Station sind Ahaus (13 Kilometer), Borken (18 Kilometer), Coesfeld (22 Kilometer) und Gronau (28 Kilometer).

„Auch wenn die fachliche Versorgung in Ahaus durch ausreichend Hebammen auf sehr gutem Niveau gesichert ist, ist es durchaus denkbar, dass auch zukünftig das pflegerische Personal in Ahaus nach dem tatsächlichen Bedarf, vor allem aber auch nach der Verfügbarkeit der Fachkräfte weiter aufgestockt wird“, erklärt Pressesprecher Rodig.

Das Klinikum Westmünsterland strebe eine möglichst intensive Betreuung der werdenden Mütter durch die Hebammen während der Geburt an, so Rodig. Der Pressesprecher sagt: „Diese intensive Geburtsbetreuung, das ausreichende Vorhalten von Hebammen und Ärzten, ist nicht nur kostenintensiv, sondern angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels eine echte Herausforderung, der sich alle geburtshilflichen Kliniken in Deutschland stellen müssen.“

Kommentar: Überlastung nimmt zu

-Von Rupert Joemann-. Frauen haben immer häufiger Schwierigkeiten, eine Hebamme zu finden. Die Arbeit für die Hebammen verdichtet sich zusehends. Das liegt zuweilen auch an den oft verunsicherten Frauen selbst. Die Frauen erwarten zum Teil, dass die Hebammen ständig erreichbar sind und prompt reagieren. Auch Kleinigkeiten müssen sofort geklärt werden, egal zu welcher Uhrzeit. Aus Sicht der Frau ist das alles nachvollziehbar. Jedoch wird dabei nicht beachtet, dass die Hebamme mehr als nur eine Frau betreut. Zum Teil liegt die Schuld auch an den Krankenhäusern, die die Mütter aus Kostengründen schon sehr früh entlassen. Statt die Mütter anfangs auf der Station an ihre neue Rolle heranzuführen, wird die Aufgabe an die Hebammen abgeschoben. Das bedeutet noch mehr Arbeit, vor allem in der betreuungsintensiven Anfangszeit. Konsequenz der Arbeitsüberlastung: Immer mehr Hebammen verringern ihre Stundenzahl im Kreißsaal und/oder betreuen weniger Frauen zu Hause. Die Christophorus-Kliniken Coesfeld reagieren auf die angespannte Situation mit Gutscheinen für eine telefonische oder online Beratung. Ein persönlicher Kontakt besteht dann zwischen Mutter und Hebamme gar nicht mehr. Die Zahl der Hebammen könnte in den nächsten Jahren noch weiter sinken. Ab 2021 soll die Ausbildung an einer Hochschule erfolgen. Das Fachabitur ist dann Voraussetzung. Damit wird der Kreis der Kandidatinnen verringert. Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Studentinnen dann für ein Medizinstudium entscheiden, da die Verdienstmöglichkeiten dort besser sind. Das Problem wird sich also vermutlich in den nächsten Jahren verschärfen.

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