Stadion von Eintracht Ahaus
Nazi-Schmierereien und Vandalismus

Ahaus -

Stefan Kappenstiel, Vorsitzender von Eintracht Ahaus, ist noch immer entsetzt. Auch jetzt noch. Tage später, nachdem er am Freitag im Stadion selbst gesehen hat, was dort Unbekannte angerichtet hatten: Hakenkreuze, SS- und andere Nazi-Symbole, Namen an Kabinen und Tribünenwänden, herausgerissene oder verschobene Sitzschalen – ein Bild von mutwilliger Zerstörung. Passiert sein müsse es, so mutmaßt Kappenstiel, in den vergangenen 14 Tagen zwischen den beiden Heimspielen.

Freitag, 31.05.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 02.06.2019, 18:21 Uhr
Schmierereien haben die Täter an einigen Stellen im Stadion hinterlassen.
Schmierereien haben die Täter an einigen Stellen im Stadion hinterlassen. Foto: Eintracht Ahaus

Das, was in anderen Spielstätten schon häufiger zu beklagen war, für den Ahauser Verein ist es ein ganz neues Problem, was aber offenbar dort jetzt häufiger vorkommt. Auf der Facebook-Seite der Eintracht heißt es dazu: „Man muss sich schon fragen, was in den Köpfen einiger Idioten so vor sich geht. In letzter Zeit werden im Bereich des Hauptplatzes und der Tribüne immer wieder Dinge mutwillig zerstört oder Schmierereien angebracht, die weder kreativ noch in irgendeiner Form lustig sind.“

Ein solches Ausmaß wie beim aktuellen Fall hat es bislang allerdings nicht gegeben. Eine Idee, wer dafür verantwortlich ist und erst recht, welche Gründe es für ein solches Verhalten gibt, hat Stefan Kappenstiel nicht: „Es war ein erschreckendes und unerträgliches Bild.“ Verdächtigen will er niemanden, gleichwohl habe man in der Vergangenheit häufiger auf der Tribüne eine Gruppe von Heranwachsenden beobachtet, die ganz offensichtlich nicht zum Verein gehöre. Daraufhin habe man das so auch der Polizei mitgeteilt, bei der man auch Anzeige erstattet habe.

„Die wird jetzt stärker ein Auge auf die Arena haben“, sagt der Vereinschef. Und auch er selbst will häufiger dort präsent sein: „Ich kann doch von einem Platzwart nicht erwarten, dass er auf eine Gruppe Jugendlicher zugeht.“ Die verstärkte Präsenz, auch der Polizei, werde wohl abschreckend wirken. Stefan Kappenstiel stellt aber auch klar, dass es keinen Generalverdacht gegen Jugendliche geben soll.

Inhaltlich hat sich die Eintracht bereits von den „Texten“ distanziert „und verurteilt die Zerstörungen aufs Schärfste“.

Der Staatsschutz wurde eingeschaltet. „Die Kollegen haben die Ermittlungen aufgenommen“, hieß es von der Pressestelle der Polizei in Münster. Es handele sich um rechtsradikale Schmierereien und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

In diesem Zusammenhang sieht Stefan Kappenstiel aber auch die Stadt in der Verantwortung: „Seit Jahren ist die Einzäunung des Stadions ein Thema, aber außer Gesprächen ist nichts passiert.“ Eine solche Einzäunung, da ist er sich sicher, hätte das Ganze verhindert.

Das sieht die Stadt etwas anders. Pressesprecherin Anna Reehuis: „Auch eine Einzäunung bedeutet keinen hundertprozentigen Schutz vor Vandalismus und Schmierereien.“

Anna Reehuis verweist auf die 2017 beschlossene Sportstättenplanung: „Viele Projekte daraus laufen oder sind in Planung. Unter anderem soll aus dem Gelände am Stadtpark eine leichtathletische Anlage Typ B werden – daraus wird sich eine stärkere Nutzung ergeben. Um Problemen mit dem Schallschutz vorzubeugen, wurde ein Emissionsschutzgutachten in Auftrag gegeben. Dieses liegt nun vor und wird zeitnah in der nächsten Sitzung der Lenkungsgruppe vorgestellt. Um den Vandalismus einzudämmen, würde die neue Anlage dann eingezäunt werden.“

Auch für Stefan Kappenstiel ist klar, dass ein Zaun alleine das Problem nicht beseitigt. Mit der Gesamtproblematik werde man sich auch im Verein noch intensiver beschäftigen: „Wir sind erstmalig damit konfrontiert und steigen in weitere Überlegungen ein.“

Die Höhe der Kosten für die Beseitigung der Schmierereien und die Reparatur der Tribünenplätze kann Kappenstiel nicht beziffern, befürchtet aber, dass der Verein sie tragen muss.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6656738?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F146%2F
Nachrichten-Ticker