Zwischenlager in Ahaus
106 Atommüll-Fässer fehlen

Ahaus -

Im Zwischenlager Ahaus sollen sich mehrere Atommüll-Fässer befinden, die rostig oder deformiert sind. Auf Anfrage der Grünen erwidert die Landesregierung, es gebe keine Sicherheitsbedenken. Die Frage, wo weitere 106 Fässer verblieben sind, bleibt allerdings offen.

Mittwoch, 19.06.2019, 19:30 Uhr
Grüne Aktivisten protestieren mit symbolischen Atommüll-Fässern. Um die echten Gebinde ist eine Diskussion entbrannt.
Grüne Aktivisten protestieren mit symbolischen Atommüll-Fässern. Um die echten Gebinde ist eine Diskussion entbrannt. Foto: Federico Gambarini/dpa

„Was tut die Landesregierung gegen rostige Atommüll-Fässer in Ahaus?“ Mit dieser Frage hat sich Wibke Brems , Abgeordnete und Sprecherin für Anti-Atom-Politik der Grünen im Landtag, an die schwarz-gelbe Landesregierung gewandt. Die sagt, alles sei in Ordnung. In ihrer Stellungnahme fehlt allerdings eine Angabe zu 106 Fässern mit Atommüll.

Im vergangenem Jahr hat Brems‘ Parteikollegin Miriam Staudte an die niedersächsische Landesregierung eine ähnliche Anfrage gestellt. Dabei ging es unter anderem um „auffällige Fässer“ im Zwischenlager Gorleben (ALG), welche die schwach- und mittelradioaktive Abfälle beinhalten. Diese seien rostig oder ausgebeult gewesen. Aufgrund der Räumung des ALG müssen bis Mitte dieses Jahres alle 1309 Fässer ausgelagert sein.

1181 Fässer nach Jülich und Ahaus gebracht

Dem Antwortschreiben des niedersächsischen Umweltministeriums auf Staudtes Anfrage im vergangenen Jahr nach, seien im März 2018 725 Fässer aus dem ALG ausgelagert gewesen: „Nach den Vorstellungen des Betreibers BGZ sollen die restlichen Gebinde im Transportbehälterlager Ahaus zwischengelagert und sodann entsprechend den Endlagerungsbestimmungen konditioniert werden.“

Laut NRW-Regierung seien von Gorleben bislang 1181 Fässer mit schwachradioaktivem Abfall nach Nordrhein-Westfalen – präziser: Jülich und Ahaus – gekommen, wo sie für eine Endlagerung vorbereitet und gegebenenfalls nachqualifiziert werden. „Über ausstehende Transporte hat die Landesregierung derzeit keine Kenntnisse“, schreibt Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, in seiner Stellungnahme.

Er präzisiert, dass alle aus Gorleben abtransportierten Fässer in Jülich für die in Konrad bei Salzgitter vorgesehene Endlagerung vorbereitet werden, ehe sie zur Zwischenlagerung abgegeben werden. 587 Fässer befinden sich bereits im Rheinland, 488 in Ahaus. Im Summe macht das 1075. Somit fehlen zu den von Laumann angegeben 1181 Fässer 106. „Wir wollen wissen, wo sie sind. Warum die beschädigten Fässer nicht separiert und schnellstmöglich einer Nachqualifizierung unterzogen wurden, ist ebenfalls kaum verständlich“, so Brems.

Alles sicher also?

26 Fässer werden beanstandet. Laumann verweist auf Sachverständige, die die Integrität der Fässer festgestellt hätten. Deformationen und Farbabplatzungen seien für eine Nachqualifizierung nicht relevant. Der Minister führt aus, wie vor jeder Einlagerung radioaktiver Stoffe in Ahaus eine Kampagnenprüfung durchgeführt wird. Dabei wird unter anderem festgestellt, ob sich Fässer in Abfallgebinde aus Stahl befinden und der Abfall zu 100 Prozent trocken ist. Während der Zwischenlagerung könne es an den Fässern keine Handhabungen geben: „Somit stellt sich die in der Anfrage dargestellte Lagerproblematik mit Blick auf die Fässer für Ahaus nicht.“

Alles sicher also? Brems glaubt das nicht und fordert die Landesregierung zum Handeln auf: „Diese offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema Atommüll und dem Fragerecht des Parlaments ist in keiner Weise angemessen.“

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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