Paus-Kicker
Eine der letzten ihrer Zunft

Alstätte -

Die Paus-Kicker sind im näheren Umkreis mit die letzten ihrer Art. Vor 42 Jahren als Thekenmannschaft gegründet, halten sie noch heute einen Spielbetrieb aufrecht. Der Begriff Thekenmannschaft eckt heute allerdings leicht an.

Freitag, 12.07.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 14.07.2019, 14:12 Uhr
Die Pauskicker treffen sich nicht bloß zum Fußballspielen, sondern wissen auch richtig anzupacken. Markus Lobreyer, Thomas Löhring, Dominic Ellerkamp und Patrick Gesenhues (v.l.) waren hier mittendrin bei den Vorbereitungen zum Stammtischturnier.
Die Pauskicker treffen sich nicht bloß zum Fußballspielen, sondern wissen auch richtig anzupacken. Markus Lobreyer, Thomas Löhring, Dominic Ellerkamp und Patrick Gesenhues (v.l.) waren hier mittendrin bei den Vorbereitungen zum Stammtischturnier. Foto: Alex Piccin

„Freizeitmannschaft klingt doch auch besser, oder?“, fragt Markus Lobreyer . Das Image einer Thekenmannschaft ist nicht unbedingt das beste. Wohl mit ein Grund, warum sich in den vergangenen Jahrzehnten die meisten dieser Hobbytruppen aufgelöst haben. Ein weiterer ist demografischer Natur – wie bei größeren Vereinen eben auch: Fehlender Nachwuchs.

„Bei uns war es so, dass etwa alle zehn Jahre ein großer Schub neuer Leute nachkam. Einmal ist das nicht passiert, und so fehlen uns heute die Endzwanziger und Anfangdreißiger“, erläutert Markus Lobreyer. In dieser Lebensphase seien die Prioritäten mit Familie, Haus und Job in der Regel anders gelagert, als bevorzugt dem runden Leder hinterherzujagen.

Ausreichend neue Leute

Der Zulauf sei heute nicht überragend, aber zumindest ausreichend. Gerade Jungs aus der dritten oder vierten Mannschaft des VfB Alstätte halten sich in den Sommermonaten bei den Paus-Kickern fit, wenn die eigene Mannschaft Sommerpause hat. „Früher war es mit dem VfB ein Gegeneinander, heute eher ein Miteinander“, sagt der erste Vorsitzende Thomas Löhring . Die Paus-Kicker seien vom VfB früher als Konkurrenz zum ersten Herrenteam angesehen worden. „Heute haben wir eine feste Abmachung“, ergänzt Heinz Weitkamp, Kassierer der Paus-Kicker. „Sollte bei uns eine Koryphäe auftauchen, vermitteln wir sie weiter an den VfB.“

Ein Wettbewerb herrscht zwischen Hobbyfußballern und dem großen Verein heute längst nicht mehr. Auch weil die Hobbyliga vorschreibt, dass überkreislich aktive Spieler nicht oder A-Liga-Kicker nur bedingt am Spielbetrieb teilnehmen können. Diese Regularien sind allerdings äußerst dehnbar und zwischen den Mannschaften verhandelbar. Von April bis September rollt der Ball in der Hobbyliga-Saison, meistens samstags oder auch mal auf einem Freitagabend. So bleibe der Sonntag der Familie vorbehalten.

Lockere Regelungen

Angestrebt sind Duelle elf gegen elf. In Absprache sind auch Spiele auf dem Kleinfeld möglich. Es kommt auch vor, dass ein eigenes Teammitglied für den Gegner aufläuft, damit überhaupt vernünftig gegen den Ball getreten werden kann.

Immer wieder schließen sich junge Männer der Freizeitmannschaft an. „Hier herrscht weniger Druck als im Verein, und der Spaß steht im Vordergrund“, nennt der 21-jährige Patrick Gesen­hues Gründe, warum er bei den Paus-Kickern mitmischt. „Das Ungezwungene und die Geselligkeit bei uns sind toll“, pflichtet ihm Thomas Löhring bei. Auch der Zusammenhalt wird groß geschrieben. In der Woche vor dem selbst organisierten, heute stattfindenden Stammtischturnier tummelten sich die Paus-Kicker fast jeden Abend am Fußballplatz bei Wulf, um alles herzurichten. Anpacken, mitmachen und beisammen sein heißt die Devise.

Hier herrscht weniger Druck als im Verein und der Spaß steht im Vordergrund.

Patrick Gesenhues

Der Weg zum heute geläufigen Namen Paus-Kicker war indes ein langer. Gegründet haben einige Beßlinghooker 1977 eine Thekenmannschaft, die sie in Anlehnung an das Vereinslokal Haarmühle eben Haarmühle-Kicker nannten. Nutzen durften sie eine nah gelegene Fläche als Sportplatz. Anfang der 1980er-Jahre erfolgte die Umbenennung in Bakker-Kicker, gespielt wurde im „Kaohfeld“. Als dieser Bereich eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung erfuhr, arrangierten sich die Hobby-Fußballer Ende der 80er mit dem Jägerhaus. Der Spielbetrieb lief auf „Ulis Ranch“ weiter.

Dies war zugleich auch die Hochzeit der Thekenmannschaften. Zeitweise gab es allein in Alstätte zehn dieser Hobbyteams. Der Boom ebbte allerdings einige Jahre später wieder ab, und viele Mannschaften lösten sich auf. Anfang der 90er fusionierten die Jägerhaus-Kicker mit den Wulf-Kickern, die es seit 1984 gab. Es folgte die dritte Namensänderung in Jägerhaus-Wulf-Kicker und es standen mehrere Spielflächen zur Verfügung. 2002 folgte die Umbenennung in Wulf-Kicker, im Januar 2009 der fünfte Namenswechsel in Fußball-Freunde-Franke 1977. Aus pragmatischen Gründen war bald die Bezeichnung Paus-Kicker geläufig.

Erst fünf Vorsitzende

Entgegen den häufigen Namenswechsel herrschte bei der Vereinsführung in all den Jahren jedoch Kontinuität. In über 40 Jahren standen erst fünf erste Vorsitzende dem Verein vor: Hermann Josef Gerwer, Günter Weiß, Hermann Kruthoff, Heinz Weitkamp und aktuell Thomas Löhring.

Die Paus-Kicker sind nicht bloß Fußballer. Regelmäßige Radtouren, Grillabende oder eine Saisonabschlussfahrt gehören ebenso zum Vereinsleben und machen dieses aus, befindet Thomas Löhring: „Bei uns sind Alt und Jung bunt durchmischt. Da machen wir keinen Unterschied. Am Spieltag lautet unser Ziel, drei gemütliche Halbzeiten zu verleben.“

Die Paus-Kicker

Mehrere Besslinghooker gründeten 1977 die Haarmühle-Kicker als Thekenmannschaft. Nach mehreren Namenswechsel heißen sie heute Paus-Kicker, sehen sich eher als Freizeitmannschaft und zählen 65 Mitglieder. Sie bilden eine Senioren- sowie eine Altherrenmannschaft, die jeweils in gelb-blauen Trikots auflaufen. Die Senioren sind in der Freizeit-Kreisliga aktiv und spielen den Freizeitpokal aus. Die Altherren machen mit umliegenden Vereinsmannschaften Freundschaftsspiele ab.

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